THE CHILD - DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM
● CHI L'HA VISTA MORIRE? / THE CHILD - DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM (I|D|1972)
mit George Lazenby, Anita Strindberg, Dominique Boschero, Peter Chatel, Piero Vida, Rosemarie Lindt, José Quaglio, Alessandro Haber,
Giovanni Rosselli, Carlo Hollesch, Vittorio Fanfoni, Luigi Antonio Guerra, George Willing, Lou Castel sowie Nicoletta Elmi und Adolfo Celi
eine Produktion der Doria G. Film | Roas Produzioni | Dieter Geissler Filmproduktion | im Verleih der Cinerama Filmgesellschaft
ein Film von Aldo Lado
»Er soll ein Faible für kleine Mädchen haben!«
Roberta (Nicoletta Elmi), seit der Trennung ihrer Eltern in London lebend, besucht ihren Vater, den bekannten Bildhauer Franco Serpieri (George Lazenby). Als Roberta eines Nachmittags nicht mehr vom Spielen mit anderen Kindern nach Hause kommt, ist Franco beunruhigt. Als ihre Mutter Elizabeth (Anita Strindberg) in Venedig eintrifft, kommt es schon bald zur schrecklichen Gewissheit, denn die schlimmsten Befürchtungen sind tatsächlich eingetreten. Roberta wird ermordet in einem der vielen Kanäle gefunden. Nachforschungen ergeben, dass es vor vier Jahren einen ähnlichen Fall in Frankreich gegeben hat, als ebenfalls ein rothaariges Mädchen umgebracht wurde …
Eine Winterlandschaft spricht für sich selbst, ohne Akustik, nur über die imposanten Bilder. Menschen befinden sich im wohlverdienten Ski-Urlaub oder gehen unbeschwert ihrem Hobby nach. Gemeinsam mit ihrem Kindermädchen hat ein fröhliches Mädchen einen Schneemann fertiggestellt, bis es zu einer Schlittenfahrt ansetzt und in einem Waldstück ankommt. Unheilvolle Musik setzt ein, die subjektive Kamera ist mit einem schwarzen Schleier verhüllt, eine schwarze Gestalt nähert sich dem rothaarigen Mädchen. Offenbar hat die Frau, die dem Eindruck nach einer Schwarzen Witwe gleicht, nur auf den richtigen Moment gelauert. Was folgt, sind abscheuliche Szenen, die das unschuldige Weiß des Schnees blutrot färben. Diese anfängliche ungeschönte Strategie weist bereits auf einen durch und durch beunruhigenden Beitrag von Regisseur Aldo Lado hin, dessen Thema naturgemäß Bestürzung hervorrufen wird. Die Melange aus technischer Finesse und akustischer Brillanz, gekoppelt mit dem Thema Kindsmord lässt das Publikum den Atem stocken und selbst blutrünstige Zuschauer, die vor allem auf ein Mordsspektakel aus sind, verstummen, denn immerhin ist die Wahrscheinlichkeit immens, dass es weitere Morde an Kindern geben könnte. Die großen Stärken dieser, sich im Klassiker-Radius des Giallo-Genres befindenden Produktion, spielt seine visuellen Stärken selbstbewusst und beinahe unerbittlich aus, denn nächster Schauplatz der besagten Alptraumstadt wird Venedig sein, deren pittoreske Schönheit und beinahe familiäre Aura in herbem Kontrast zu den tatsächlichen Geschehnissen gestellt wird. Noch während die Hauptfiguren in das Geschehen eingeführt werden, schleicht die in Schwarz ge- oder verkleidete Frau umher und greift nach ihrem nächsten Opfer. Die Produktion verfügt über eine in gewissen Parts mindestens einmal ungewöhnlich wirkende Besetzung, die vom Australier und Einmal-James-Bond George Lazenby angeführt wird. Unterstützt von guten alten Bekannten und einigen Überraschungsgästen, kann die Geschichte auf griffige Charaktere bauen, die ihre Stärke, Dominanz oder Fragilität in den richtigen Momenten ausspielen oder offenbaren werden, falls die Dramaturgie sie (nicht allzu schnell das Zeitliche segnen) lässt.
Gialli verfügen über regelrechte Todeslisten, sodass es jeden erwischen könnte, der in irgendeiner nebulösen Art und Weise in die jeweilige Geschichte verstrickt ist, oder auch nicht. Dies gilt mitunter selbst für die Hauptrollen oder wichtigen Co-Akteure. Aldo Lado beginnt seine mörderische Geschichte auf ein Parkett aus Nervenkitzel und Angst zu legen, bis sich der angekündigte Alptraum entfalten kann. Die schwarze Gestalt bewegt sich aufgrund ihrer Maskierung im unmittelbaren Radius ihres nächsten Opfers, doch das Zuschnappen wird mitunter in fast unerträglicher Weise herausgezögert. Derweil justieren sich die Verbindungen der einzelnen Personen, sodass man sich als Zuschauer einigermaßen im Bilde fühlt. Doch es scheint zahlreiche Herrschaften zu geben, die dunkle Geheimnisse mit sich herumtragen. Kinderstar Nicoletta Elmi steht zunächst im Zentrum des Geschehens und wird als designiertes Opfer integriert, obwohl man stets hofft, dass es nicht zum Äußersten kommt. Allerdings wirkt die unheilvolle Musik Ennio Morricones wie ein unausweichlicher Vorbote dessen, was die verschiedenen Titel des Films bereits angekündigt haben. Der stellenweise immer disharmonischer wirkende Kinderchor Morricones zerrt äußerst unangenehm an den Nerven und fabriziert Hochspannung und Unbehagen. Das teils malerische Ambiente und die hervorragende Bild-Architektur vermitteln eine trügerische Struktur, bis die ersten Nebel aufziehen und man die Hand nicht mehr vor Augen erkennen kann. Aber es ist immer noch genug wahrzunehmen, um jederzeit geschockt zu werden. Vertraute, heitere und unbeschwerte Szenen zwischen Vater und Tochter arbeiten die namenlose Tragik des Geschehens heraus, bis die venezianischen Wellen für absolute Gewissheit sorgen. Immer wieder folgen Szenen, die einem den Hals zuschnüren, aber das auf Gegensätze angelegte Treiben hat auch zahlreiche andere Eindrücke zu bieten. Der Film ist insgesamt attraktiv bis obligatorisch besetzt, doch man findet keine strahlenden Helden, die nicht auch schon im Vorfeld keine Probleme gehabt hätten. Die Verpflichtung George Lazenbys stellt eine gelungene Abwechslung, wenn auch keinen klassischen Coup dar, denn dafür wurde die Messlatte des Genres durch andere zu hoch angelegt.
Dass er die Lösung des Falls alleine schon aus persönlichen Gründen in Angriff nehmen muss, arbeitet ein gutes Gleichgewicht zwischen zunächst bodenständiger Attitüde und anschließend emotional wankend heraus, wenngleich alle Sympathien pauschal auf ihn gerichtet zu sein scheinen. Die Frau an seiner Seite könnte mit der schönen und nachdenklich wirkenden Anita Strindberg kaum treffsicherer besetzt sein, deren passiver Part eine Melancholie verbreitet, mit der man sich unweigerlich auch identifizierten wird. Ihre starken Szenen hebt sich die Schwedin für das letzte Drittel des Films auf, welches ihre anfänglichen und ungesehenen Tränen vergessen macht, zumal die attraktive Blondine in ausgewählten Momenten für Hocherotik sorgen darf. Dies gilt auch für ihre französische Kollegin Dominique Boschero, die zu einem immer gerne gesehenen Gast derartiger Veranstaltungen avanciert. Ihre unklare Rolle scheint klar zu sein, sodass man ihre Ginevra genau, wenn nicht sogar kritisch betrachtet, immerhin erahnt man bei dieser Dame einen wichtigen Schlüssel für des Rätsels Lösung finden zu können. Weiterhin interessant besetzt mit Adolfo Celi, Peter Chatel, Rosemarie Lindt oder Nicoletta Elmi, kann man sich unter Lados Führung darauf verlassen, dass man sich eigentlich auf nichts verlassen sollte. Der Film ist bei aller Stärke und Perfektion nicht komplett ohne Makel zu beschreiben, was sich auf Teile des ausgearbeiteten Drehbuchs, einige umständlich konstruierte Mordszenen oder auch die Auflösung des Falles bezieht. Kleine Wermutstropfen können dem Gesamtkonstrukt als Ganzes jedoch nichts Signifikantes anhaben, sodass ein Beitrag zurückbleibt, der sich innerhalb der Konkurrenz prominent in den Fokus rücken kann. Hierfür sorgt nicht zuletzt das aufmerksame Kamera-Auge von Franco Di Giacomo, dessen Sinn für Details und konstruktive Einheiten hervorsticht. Wenn der Film seinem atemlosen Ende zugeht, wird der ein oder andere bereits geahnt haben, wer sich hinter der Fassade des Mörders verbirgt, da es sich quasi um ein typisches Giallo-Versatzstück handelt, das den Zuseher schon häufiger beunruhigen durfte. Nichtsdestoweniger bleibt "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum", dessen deutscher Titel verbesserungswürdig erscheint, ein Top-Beitrag unter den Besten.
Eine Winterlandschaft spricht für sich selbst, ohne Akustik, nur über die imposanten Bilder. Menschen befinden sich im wohlverdienten Ski-Urlaub oder gehen unbeschwert ihrem Hobby nach. Gemeinsam mit ihrem Kindermädchen hat ein fröhliches Mädchen einen Schneemann fertiggestellt, bis es zu einer Schlittenfahrt ansetzt und in einem Waldstück ankommt. Unheilvolle Musik setzt ein, die subjektive Kamera ist mit einem schwarzen Schleier verhüllt, eine schwarze Gestalt nähert sich dem rothaarigen Mädchen. Offenbar hat die Frau, die dem Eindruck nach einer Schwarzen Witwe gleicht, nur auf den richtigen Moment gelauert. Was folgt, sind abscheuliche Szenen, die das unschuldige Weiß des Schnees blutrot färben. Diese anfängliche ungeschönte Strategie weist bereits auf einen durch und durch beunruhigenden Beitrag von Regisseur Aldo Lado hin, dessen Thema naturgemäß Bestürzung hervorrufen wird. Die Melange aus technischer Finesse und akustischer Brillanz, gekoppelt mit dem Thema Kindsmord lässt das Publikum den Atem stocken und selbst blutrünstige Zuschauer, die vor allem auf ein Mordsspektakel aus sind, verstummen, denn immerhin ist die Wahrscheinlichkeit immens, dass es weitere Morde an Kindern geben könnte. Die großen Stärken dieser, sich im Klassiker-Radius des Giallo-Genres befindenden Produktion, spielt seine visuellen Stärken selbstbewusst und beinahe unerbittlich aus, denn nächster Schauplatz der besagten Alptraumstadt wird Venedig sein, deren pittoreske Schönheit und beinahe familiäre Aura in herbem Kontrast zu den tatsächlichen Geschehnissen gestellt wird. Noch während die Hauptfiguren in das Geschehen eingeführt werden, schleicht die in Schwarz ge- oder verkleidete Frau umher und greift nach ihrem nächsten Opfer. Die Produktion verfügt über eine in gewissen Parts mindestens einmal ungewöhnlich wirkende Besetzung, die vom Australier und Einmal-James-Bond George Lazenby angeführt wird. Unterstützt von guten alten Bekannten und einigen Überraschungsgästen, kann die Geschichte auf griffige Charaktere bauen, die ihre Stärke, Dominanz oder Fragilität in den richtigen Momenten ausspielen oder offenbaren werden, falls die Dramaturgie sie (nicht allzu schnell das Zeitliche segnen) lässt.
Gialli verfügen über regelrechte Todeslisten, sodass es jeden erwischen könnte, der in irgendeiner nebulösen Art und Weise in die jeweilige Geschichte verstrickt ist, oder auch nicht. Dies gilt mitunter selbst für die Hauptrollen oder wichtigen Co-Akteure. Aldo Lado beginnt seine mörderische Geschichte auf ein Parkett aus Nervenkitzel und Angst zu legen, bis sich der angekündigte Alptraum entfalten kann. Die schwarze Gestalt bewegt sich aufgrund ihrer Maskierung im unmittelbaren Radius ihres nächsten Opfers, doch das Zuschnappen wird mitunter in fast unerträglicher Weise herausgezögert. Derweil justieren sich die Verbindungen der einzelnen Personen, sodass man sich als Zuschauer einigermaßen im Bilde fühlt. Doch es scheint zahlreiche Herrschaften zu geben, die dunkle Geheimnisse mit sich herumtragen. Kinderstar Nicoletta Elmi steht zunächst im Zentrum des Geschehens und wird als designiertes Opfer integriert, obwohl man stets hofft, dass es nicht zum Äußersten kommt. Allerdings wirkt die unheilvolle Musik Ennio Morricones wie ein unausweichlicher Vorbote dessen, was die verschiedenen Titel des Films bereits angekündigt haben. Der stellenweise immer disharmonischer wirkende Kinderchor Morricones zerrt äußerst unangenehm an den Nerven und fabriziert Hochspannung und Unbehagen. Das teils malerische Ambiente und die hervorragende Bild-Architektur vermitteln eine trügerische Struktur, bis die ersten Nebel aufziehen und man die Hand nicht mehr vor Augen erkennen kann. Aber es ist immer noch genug wahrzunehmen, um jederzeit geschockt zu werden. Vertraute, heitere und unbeschwerte Szenen zwischen Vater und Tochter arbeiten die namenlose Tragik des Geschehens heraus, bis die venezianischen Wellen für absolute Gewissheit sorgen. Immer wieder folgen Szenen, die einem den Hals zuschnüren, aber das auf Gegensätze angelegte Treiben hat auch zahlreiche andere Eindrücke zu bieten. Der Film ist insgesamt attraktiv bis obligatorisch besetzt, doch man findet keine strahlenden Helden, die nicht auch schon im Vorfeld keine Probleme gehabt hätten. Die Verpflichtung George Lazenbys stellt eine gelungene Abwechslung, wenn auch keinen klassischen Coup dar, denn dafür wurde die Messlatte des Genres durch andere zu hoch angelegt.
Dass er die Lösung des Falls alleine schon aus persönlichen Gründen in Angriff nehmen muss, arbeitet ein gutes Gleichgewicht zwischen zunächst bodenständiger Attitüde und anschließend emotional wankend heraus, wenngleich alle Sympathien pauschal auf ihn gerichtet zu sein scheinen. Die Frau an seiner Seite könnte mit der schönen und nachdenklich wirkenden Anita Strindberg kaum treffsicherer besetzt sein, deren passiver Part eine Melancholie verbreitet, mit der man sich unweigerlich auch identifizierten wird. Ihre starken Szenen hebt sich die Schwedin für das letzte Drittel des Films auf, welches ihre anfänglichen und ungesehenen Tränen vergessen macht, zumal die attraktive Blondine in ausgewählten Momenten für Hocherotik sorgen darf. Dies gilt auch für ihre französische Kollegin Dominique Boschero, die zu einem immer gerne gesehenen Gast derartiger Veranstaltungen avanciert. Ihre unklare Rolle scheint klar zu sein, sodass man ihre Ginevra genau, wenn nicht sogar kritisch betrachtet, immerhin erahnt man bei dieser Dame einen wichtigen Schlüssel für des Rätsels Lösung finden zu können. Weiterhin interessant besetzt mit Adolfo Celi, Peter Chatel, Rosemarie Lindt oder Nicoletta Elmi, kann man sich unter Lados Führung darauf verlassen, dass man sich eigentlich auf nichts verlassen sollte. Der Film ist bei aller Stärke und Perfektion nicht komplett ohne Makel zu beschreiben, was sich auf Teile des ausgearbeiteten Drehbuchs, einige umständlich konstruierte Mordszenen oder auch die Auflösung des Falles bezieht. Kleine Wermutstropfen können dem Gesamtkonstrukt als Ganzes jedoch nichts Signifikantes anhaben, sodass ein Beitrag zurückbleibt, der sich innerhalb der Konkurrenz prominent in den Fokus rücken kann. Hierfür sorgt nicht zuletzt das aufmerksame Kamera-Auge von Franco Di Giacomo, dessen Sinn für Details und konstruktive Einheiten hervorsticht. Wenn der Film seinem atemlosen Ende zugeht, wird der ein oder andere bereits geahnt haben, wer sich hinter der Fassade des Mörders verbirgt, da es sich quasi um ein typisches Giallo-Versatzstück handelt, das den Zuseher schon häufiger beunruhigen durfte. Nichtsdestoweniger bleibt "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum", dessen deutscher Titel verbesserungswürdig erscheint, ein Top-Beitrag unter den Besten.