TERRORGANG - Tomas Aznar

Gruselschocker aus Großbritannien, Spanien, Frankreich usw.
Antworten
Benutzeravatar
Richie Pistilli
Beiträge: 5284
Registriert: Sa., 31.10.2020 17:25
Wohnort: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Kontaktdaten:

TERRORGANG - Tomas Aznar

Beitrag von Richie Pistilli »

Bild

Terrorgang (D)
Más allá del terror (ES)
Au-delà de la terreur (F)
Beyond Terror (USA)
Further Than Fear (USA)

Bild

ES 1980

R: Tomas Aznar
D: David Forrest, Alexia Loreto, Raquel Ramirez, Emilio Siegrist, Francisco Sanchez, Antonio Jabalera, Martin Kordas u.a.

Score: Francisco Andrada, Albert Verrecchia, Steven Gold, Jean-Pierre Decerf & Leo Van Beers -- (7" & LP)

Italo-Cinema.de

OFDb



Bild Bild Bild Bild
Bild Bild Bild Bild

Mir gefällt es, ich sehe gerne Menschen sterben.


Ein verheißungsvolles Schäferstündchen im Freien wird einem Stelzbock fortgeschrittenen Alters eines schönen Nachmittags zum tödlichen Verhängnis, da er sich nichtsahnend die teuflische Lola (Raquel Ramírez) als Kopulationspartnerin auserkoren hat. Und da die barbarische Terrorgangbraut ihrem Gegenüber alles andere als amoröse Gefühle hegt, sticht sie diesen nicht nur kurzerhand mit einem edelstählernen Messer bestialisch nieder, sondern erleichtert ihn daraufhin seiner mitgeführten Finanzen, denn der dauerhaufte Konsum harter Drogen geht bekanntlich ganz schön ins Geld. Doch leider reicht die mitgeführte Geldsumme des mittlerweile gehimmelten Stelzbocks für die benötigte Stoffmenge noch lange nicht aus, so dass Lola gemeinsam mit ihren beiden skrupellosen Terrorgangkumpanen Chema (Francisco Sánchez Grajera) und Nico (Emilio Siegrist) sowohl das nächstgelegene Pub brandschatzen, als auch ein auf der Durchreise befindliches Liebespaar für die anschließende Flucht vor der Polizei als Geiseln nehmen. Zeugen werden dabei übrigens keine zurückgelassen!


Und wie es der Zufall so will, stoßen die drei mordlüsternen Bestien bereits kurz darauf auf ein in der spanischen Einöde abgelegenes Haus, welches schließlich von einer älteren Dame, deren Enkel und einem beißwütigen Schäferhund bewohnt wird. Was folgt, ist eine gewaltsame Übernahme der Baulichkeit, bei der auch nicht lange gefackelt wird, denn schon im nächsten Augenblick geht die alte Dame samt ihrem Anhang lichterloh in Flammen auf. Doch bevor sie ihre letzten Lebensgeister endgültig verlassen, gelingt es der recht leichtentflammbaren Dame dem unersättlichen Pack noch rechtzeitig einen todbringenden Rachefluch an die Backe zu wünschen, wodurch sich wiederum eine ganze Armada an bösen Mächten an deren Fersen heftet. Wird es dem teuflischen Trio gelingen, den rachedürstigen Mächten lebend zu entrinnen?


Bild Bild Bild Bild

Bild Bild Bild Bild

Was für ein fieses Filmwerk! Was zunächst wie eine gangmäßige Terrorfilmsause beginnt, endet schließlich in einem rachegeladenen Horrorspektakel!.



"Bis die Köpfe platzen!"

Drei berserkerhafte Hallodris terrorisieren in der spanischen Provinz unschuldige Dorfbewohner und knallen sich dabei durchwegs ihre Birnen mit allen möglichen Rauschmitteln zu, denn egal ob lähmender Kiff, aufpeitschendes Marschpulver oder allmachtsfantasieauslösende Opiate, hauptsache es knallt! Obendrein scheinen die drei entfesselten Jungspunde auch keine ordentliche Kinderstube genossen zu haben, da neben dem fehlenden Einfühlungsvermögen gegenüber ihren Mitmenschen auch ohrenscheinlich ihr Sprachvermögen auf der Strecke geblieben ist, denn die Gossensprache der iberischen Terrorgang besteht fast ausschließlich aus üblen Schimpfwörtern und allgemeinen Vulgarismen.


Aber auch die zunächst unschuldig wirkenden Geiseln haben es faustdick hinter den Ohren, denn diese setzen alles daran, damit man sie schließlich auch nicht mögen kann. So bietet beispielsweise der rückgratlose Immobilienmarkler Jorge (Antonio Jabalera) seine hilflos ausgelieferte Sekretärin und Geliebte Linda (Alexia Loreto ) völlig selbstlos den diabolischen Outlaws an, um dadurch sein erbärmliches Leben retten zu können. Seine Geliebte steht im dabei aber in Puncto Ruchlosigkeit in rein gar nichts nach, denn auch Linda würde ihren geliebten Chef zum eigenen Vorteilsgewinn -ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken- den blutrünstigen Bestien zum Fraß vorwerfen. Alles in Allem bietet dieses abgründige Filmspektakel dem entgeisterten Betrachter also keinen einzigen Sympathieträger, wodurch diesem auch zugleich eine mögliche Identifikationsfigur von vorneherein genommen wird. Hinzu gesellt sich eine dermaßen hanebüchene Story, bei der man sich dann ständig fragen muss: passiert das jetzt tatsächlich?


Diese unbeschreibliche Euro-Grindhouse-Sause beginnt sogleich mit dem eiskalten Mord an dem endlos aufgegeilten Stelzbock, woraufhin nahtlos das schändliche Raubüberfallmassaker auf das provinziale Pub mit der einhergehenden Geißelnahme des Liebespaares von statten geht. Mit der anschließenden Hausbesetzung endet dann aber auch schon der terrorlastige Teil der Inszenierung im flammenden Inferno, was wiederum dazu führt, dass der horrorlastige Rache-Teil seine Fahrt aufnimmt und bereits nach kürzester Zeit das gezeigte Treiben bis zum endgültigen Finale unumstößlich bestimmt. Ausgelöst durch einen von der lichterloh brennenden Dame verhängten Rachefluch, versuchen von da an böse Mächte der tötungswütigen Brut nicht nur ans Leder zu gehen, sondern im weiteren Filmverlauf auch endgültig den Garaus zu machen. Nebenbei kommt es auch noch zu einer Selbstentzündung eines Autos, woraufhin sowohl einer der Insassen als auch ein millionen-dollar-schwerer Koffer den Flammen zum Opfer fallen. Geführt von den bösen Mächten des Racheschwurs strandet die Gang schließlich in einer verlassenen und von der Zivilisation weit abgelegenen Kapelle, wo dann auch noch ein brandheißes und zugleich orgasmisches Ritual zu Ehren des allerhöchsten Belzebubs abgehalten wird.


Als Krönung wurde dieser abgründigen Filmsause außerdem eine mehr als passende und zugleich hochgradig vulgäre Synchronisation verpasst, die schließlich dem asozialen Treiben der Terrorgang in rein gar nichts nachsteht. Leider wirkt das Ganze nicht nur recht steril produziert, sondern weist auch eine ungünstige Sprecherwahl auf. Als weiterer Wermutstropfen kann der recht spärliche Einsatz der zwei-trackstarken Filmmusik angeprangert werden, da diese (zumindest in deutschen Synchronfassung) neben der Untermalung des Vor- und Abspanns lediglich an einer weiteren kurzen Filmstelle ihre Verwendung fand.


Zu guter Letzt erinnert der zweigeteilte Inszenierungstil an Filme wie beispielsweise BLUTNACHT DES TEUFELS oder FROM DUSK TILL DAWN, wobei sich der erstgenannte Titel dem Zuschauer zunächst als ein regulärer Bikerstreifen eröffnet, bevor sich dieser dann im weiteren Verlauf in eine völlig abgedrehte Okkult-Horror-Sause mit motorradfahrenden Werwölfen verwandelt. FROM DUSK TILL DAWN beginnt wiederum als wahnsinniger Action-Road-Movie und endet völlig unerwartet als splatterige Vampirangelegenheit.


Fazit: Ein niederträchtiges Stück Film, welches zunächst im Gewand eines terrorhaften Bikerfilms daher kommt, dann aber völlig unerwartet zu einer rachedürstenden Horrorsause mutiert. Fies Deluxe!


Bild Bild Bild Bild

Bild Bild Bild Bild

Bild Bild Bild Bild



Filmausschnitt:




(Beitrag aus dem alten Forum: 13.06.2016)

Antworten