Mau Mau
BRD 1992
Regie: Uwe Schrader
Marlen Diekhoff, Peter Franke, Catrin Striebeck, Myriam Mézières, Peter Gavajda, Henryk Bista, Bozena Baranowska, Emanuel Bettencourt, Monica Bleibtreu, Marion Breckwoldt, Werner Dissel, Derval De Faria

https://ssl.ofdb.de/film/85443,Mau-Mau
BRD 1992
Regie: Uwe Schrader
Marlen Diekhoff, Peter Franke, Catrin Striebeck, Myriam Mézières, Peter Gavajda, Henryk Bista, Bozena Baranowska, Emanuel Bettencourt, Monica Bleibtreu, Marion Breckwoldt, Werner Dissel, Derval De Faria

https://ssl.ofdb.de/film/85443,Mau-Mau
Inge führt das Mau Mau, einen Stripschuppen der bald abgerissen werden soll. Ihr Mann Heinz wollte mal Profifußballer werden, hat aber die Kurve nicht gekriegt und fing stattdessen an zu saufen. Rosa animiert die Männer im Mau Mau, hat Trouble mit ihrem Freund Ali, und will ein aufregendes Leben führen, weswegen sie mit einem holländischen Dealer auf und davon fährt. Auf diesen war ja eigentlich ihre Freundin Doris scharf, aber Rosa war halt schärfer. Ferdi linkt ein paar Typen zu viel, und die machen sich dann an Heinz ran um ihre Kohle zu bekommen. Und Inge wiederum lässt sich mit Kowalik ein, der rechten Hand des (Kiez-) Papstes, um einen neuen Bums zu bekommen.
Lauter kleine Leute, in kleiner Umgebung, und mit kleinen Geschichten. Aber mit so viel Zuneigung erzählt, dass man fast (aber wirklich nur fast) Sympathie für dieses Leben empfinden könnte. In irgendeiner Kritik stand mal sinngemäß, dass die Figuren bei Schrader zufrieden sind, und anders als im Kunstfilm nicht dauernd davon träumen ein bürgerliches Leben zu führen. Und genau das ist es, was MAU MAU so an- und aufregend macht, so abwechslungsreich, und vor allem so verdammt realistisch. Die Bürgerlichkeit wird nicht als das erstrebenswerte Ideal dargestellt als das sie für so viele (Drehbuchautoren) erscheint, sondern als Gegenentwurf zum Leben. Und dieses Leben wird von den Charakteren auch grundlegend und ausgiebig gelebt. Da gibt es auch mal eine aufs Maul, da wird man aus der Wohnung geworfen weil man vergessen hat die Miete zu zahlen, und zum Frühstück wird im Bums ein Bierchen gezischt. Aber verdammt noch mal, das IST das Leben. Und keiner in diesem Film will weiter weg als bis zum Rand des Kiezes (außer vielleicht Rosa, die aber nach Nizza will, und nicht eine Familie gründen). Denn dahinter, da beginnt die Verlogenheit und das Unechte. So erzählt es Schrader, und man möchte es ihm am Liebsten abkaufen, so liebevoll erzählt er die kleinen Geschichten der kleinen Leute. Wenn Hans Fallada heute noch leben und schreiben würde, dann wäre die Welt Uwe Schraders nicht weit weg von der Falladas.
Aber irgendwie wird dieser Text dem Film so gar nicht gerecht. Der Film ist voller Leben, saftig, er atmet, er zuckt. Er ist nicht düster-depressiv wie der, von der Umgebung her, ähnlich angesiedelte Erstling KANAKERBRAUT, sondern ein Loblied auf das Leben (vor allem das Leben fernab von Leistungsdruck und Karriere). Wie guter und abwechslungsreicher Sex, der ständig neue Gefühle und Bilder hervorbringt, auch wenn nicht jede Stellung immer gleich gut funktioniert.
Trockene Worte treffen auf einen lebendigen Film, ein verkopfter Rezensent auf sympathische und lebensechte Figuren - Das endet auf jeden Fall 1:0 für den Film. Absolut sehenswert!
8/10