KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL
● KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL (D|1955)
mit Hilde Krahl, Therese Giehse, Alice Treff, Ursula Herking, Beate Koepnick, Marianne Sinclair, Rudolf Fernau,
Claus Biederstaedt, Hans Christian Blech, Maximilian Schell, Klaus Kinski sowie Ewald Balser und Bernhard Wicki
ein Intercontinental Film | im Schorcht Filmverleih
ein Film von László Benedek
»Soll ich Befehle geben und dabei an die Mütter denken?«
Stettin, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Einige Mütter wollen ihre Söhne im Alter zwischen 14 und 16 Jahren von der Front zurückholen. Die Frauen unterschiedlichen Standes finden sich zusammen, da sie eine Gemeinsamkeit verbindet: die Überzeugung, dass Kinder auf Kriegsschauplätzen nichts verloren haben. Nach vielen ergebnislosen Gesprächen mit Verantwortlichen, bei denen alles Zureden und Flehen nichts gebracht hat, beschließen sie, sich selbst auf die Suche zu machen. Ihr beschwerlicher Weg führt sie zu der "Kampfgruppe Dornberg", die eine Stadt gegen das Vordringen russischer Bodentruppen verteidigen soll. Nach unzähligen Gefahren finden sie schließlich ihre uniformierten und bewaffneten Kinder vor, doch es kommt zu einem kollektiven Schock, denn die von der Kriegspropaganda verblendeten Kinder wollen ihre Posten um keinen Preis wieder verlassen...
Der aus Ungarn stammende Regisseur László Benedek war bekannt für die Umsetzung besonderer beziehungsweise brisanter Stoffe, was in diesem deutschen Regie-Abstecher nicht anders ist. "Kinder, Mütter und ein General" hört sich zunächst zwar ziemlich unscheinbar an und gibt kaum Aufschluss über die eingeschlagene Route dieser von Herbert Reinecker verfassten Vorlage, doch der Verlauf bündelt seinen Konfliktstoff sehr schnell und präzise. Zu sehen ist dies in einer Zeit, in der nur noch wenige an den Endsieg der Deutschen glaubten, doch es ist einem so, dass sogar der Wind Lieder von Durchhalteparolen zu singen scheint. Da der Krieg bereits unzählige Soldaten verschwendet hatte, brauchte es eine neue Art von Kanonenfutter, das sich schnell in Jugendlichen und sogar Kindern finden ließ, die leicht für das Abenteuer an der Front verführt werden konnten. Diese Geschichte behandelt sechs isolierte Schicksale von Frauen, die mit all ihren Ängsten, Gebeten und Tränen repräsentativ für alle Mütter stehen, die ihre Kinder an das gefräßigste aller Ungeheuer verloren hatten. Die Qualität dieser Inszenierung definiert sich nicht alleine über die vielen Auszeichnungen, die "Kinder, Mütter und ein General" einfahren konnte, wie etwa den Golden Globe Award in der Kategorie Bester Film, sondern vor allem über die lebendige Art und mutige Darstellung in einer von Tod und Leid geprägten Umgebung. Oft im Vergleich mit Bernard Wickis vier Jahre später entstandenen und thematisch ähnlich gelagerten Film"Die Brücke" stehend, sind oft Versuche der Abqualifizierung für Benedeks Beitrag wahrzunehmen, der deutlich emotionaler aber nicht minder brutal in seiner authentischen Darstellungsweise wirkt. Eine Reihe von Gymnasiasten lässt sich gegen Kriegsende von der unbarmherzigen Maschinerie des NS-Regimes blenden und zieht freiwillig an die Front.
Ihre aufgebrachten und ebenso unpolitischen Mütter treibt nicht nur die Angst, sondern auch die Weitsicht an, sodass sie sich auf eine regelrechte Odyssee durch Kugelhagel und Bombenkrater begeben, um die Jungen möglicherweise noch vor Schlimmerem bewahren zu können. Große Interpretinnen des deutschen Kinos und Theaters überzeugen nach ihrem unmittelbaren Auftreten mit Präzisionsleistungen und sogar noch ein bisschen mehr, wenngleich sie dramaturgisch gesehen oft von oben herab betrachtet und roh behandelt werden, da sie sich auf dem Schlachtfeld der Männer behaupten müssen. Hier bekommen vor allem Hilde Krahl und Therese Giehse die größten Bühnen bereitgestellt und es dürfen sich besondere Szenen, denkwürdige Dialoge und große Gesten abspielen, die diesen Film im Endeffekt vielleicht mehr beherrschen, als es die Kriegsschauplätze tun werden. Die aufkommenden Emotionen wirken zunächst deplatziert, da in dieser Ausnahmesituation für sie einfach kein Platz sein darf, was die beteiligten Männer in ihren unterschiedlichen Etappen nachdrücklich klarzustellen versuchen. Doch diese Anstrengungen verpuffen schnellstens im Nichts, da die Frauen im Rahmen all ihrer unterschiedlichen Ansätze derart entwaffnend wirken, dass es zu globalen Zweifeln kommt. Vor allem Therese Giehse fungiert als kritisches Sprachrohr, ohne mit ihrem Berliner Dialekt irgendwelche sprachlichen Klippen zu kennen, geschweige denn für Barrieren zu sorgen. Die aufgebrachte Frau bringt die Kritikpunkte sehr genau auf den Punkt und schildert ihre Ängste ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Mutter, die schließlich so viel Kraft dafür investiert habe, ihre beiden Jungen irgendwie groß zu bekommen. Und nun soll die unerbittliche Mechanik des Krieges alles zunichte machen?
Alle Frauen werden diese rhetorische Frage im Verlauf direkt oder indirekt stellen, doch Therese Giehse genießt den Luxus, erst gar nicht aus ihrer Haut herauszumüssen. Wo Hilde Krahl es nie schaffen kann und wird, ihre Damenhaftigkeit vollends ablegen, es Alice Treff mit ihrer Religiosität und dem damit verbundenen, tief verwurzelten Glauben ebenso wenig fertig bringt, oder Ursula Herking als Ärztin nur naturwissenschaftliche Begründungen gelten lassen wird, ist es Therese Giehse, die die Dinge in ihrer teils merklich einfältigen Art am klarsten sehen und formulieren wird. Ihre Darbietung wurde somit nicht zu Unrecht ausgezeichnet, denn die größten darstellerischen Momente erlebt der Zuschauer mit dieser großartigen Interpretin. Der gezielte Einsatz der Stars verfolgt die Strategie konträrer Impressionen auf gleichem Schlachtfeld, was László Benedek auch hervorragend zu choreografieren weiß. So steht Hilde Krahl im Wesentlichen für tragische Momente, vielleicht hin und wieder sogar für Melodramatik, denn ihr wurde in der Nebenhandlung noch eine ausweglose Liebesgeschichte in den Weg gelegt. Ursula Herking stellt sich patent als nachdenklicher und vollkommen sachlicher Part zur Verfügung, der stets die Fähigkeit besitzt, positiv auf mögliche Hysterie und Unruhe einzuwirken. Mit Rudolf Fernau, der einen Stabsarzt, somit Berufskollegen spielt, kommt es zu einem nahezu epischen Schlagabtausch in Sachen Ethik und Menschenwürde, der beeindruckend nachhallt, aber im Grunde genommen ungeklärt bleibt. Alice Treff rundet die Riege der prominent in Szene gesetzten Damen wie immer hervorragend ab, denn die Frau eines Pastors symbolisiert unermüdlich die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt sterben soll. Die üblichen Frauen des Sechser-Gespanns treten mit Beate Koepnick und Marianne Sinclair weniger prominent in Erscheinung, untermalen jedoch den Grundtenor sehr wirksam.
Das unverhoffte Auftauchen von so vielen Frauen in einem von Männern dominierten Umfeld sorgt naturgemäß für viel Aufsehen und vor allem Unverständnis, da zeitgemäße Blicke und Ansichten stets mitzuschwingen scheinen; angesichts der obligatorischen Aufgaben und Pflichten der Frau von damals. Als strenge Leiterin eines Internats bestimmte Therese Giehse in Géza von Radványis "Mädchen in Uniform" nur wenige Jahre später selbst den Aufgabenbereich der Frau mit »Kinder, Kirche, Küche!«, und es wirkt, als ob viele der männlichen Beteiligten dieser These sofort zustimmen würden. Doch der Schein trügt auf den entsprechenden Kriegsschauplätzen, die von Tod, Verderben und der in den Mantel der Diskretion gehüllten Gewissheit vernarbt sind, dass der sogenannte Endsieg nur frommen Wünschen und Utopien entspricht. Hochkarätige Darsteller wie Ewald Balser, Claus Biederstaedt, Klaus Kinski, Hans Christian Blech, Maximilian Schell oder Bernhard Wicki zeigen sich von ihren besten, aber der Anforderung entsprechend vollkommen unterschiedlichen Seiten, die den Film ebenso nachhaltig prägen, wie die teils unbändigen Darbietungen der Damenriege. Hinzu kommt, dass hohe Ansprüche in der qualitativen Ausarbeitung gemacht wurden, was insbesondere von der bemerkenswerten Kameraarbeit hervorgehoben wird. "Kinder, Mütter und ein General" ist dramaturgisch sowie darstellerisch ein tiefgründiger und äußerst vielschichtiger Film in einem isoliert wirkenden und trostlosen Setting geworden, der an vielen Stellen einen nicht handelsüblichen Mut zur Konfrontation betreibt. Alternativ wurde der Film mit einem härteren Ende für den internationalen Markt versehen, das die Tragik und Sinnlosigkeit der Geschichte wesentlich besser als das Finale der deutschen Version unterstreicht, und schlussendlich bleibt ein herausragender Film zurück, der das Prädikat wertvoll mehr als verdient hat.
Der aus Ungarn stammende Regisseur László Benedek war bekannt für die Umsetzung besonderer beziehungsweise brisanter Stoffe, was in diesem deutschen Regie-Abstecher nicht anders ist. "Kinder, Mütter und ein General" hört sich zunächst zwar ziemlich unscheinbar an und gibt kaum Aufschluss über die eingeschlagene Route dieser von Herbert Reinecker verfassten Vorlage, doch der Verlauf bündelt seinen Konfliktstoff sehr schnell und präzise. Zu sehen ist dies in einer Zeit, in der nur noch wenige an den Endsieg der Deutschen glaubten, doch es ist einem so, dass sogar der Wind Lieder von Durchhalteparolen zu singen scheint. Da der Krieg bereits unzählige Soldaten verschwendet hatte, brauchte es eine neue Art von Kanonenfutter, das sich schnell in Jugendlichen und sogar Kindern finden ließ, die leicht für das Abenteuer an der Front verführt werden konnten. Diese Geschichte behandelt sechs isolierte Schicksale von Frauen, die mit all ihren Ängsten, Gebeten und Tränen repräsentativ für alle Mütter stehen, die ihre Kinder an das gefräßigste aller Ungeheuer verloren hatten. Die Qualität dieser Inszenierung definiert sich nicht alleine über die vielen Auszeichnungen, die "Kinder, Mütter und ein General" einfahren konnte, wie etwa den Golden Globe Award in der Kategorie Bester Film, sondern vor allem über die lebendige Art und mutige Darstellung in einer von Tod und Leid geprägten Umgebung. Oft im Vergleich mit Bernard Wickis vier Jahre später entstandenen und thematisch ähnlich gelagerten Film"Die Brücke" stehend, sind oft Versuche der Abqualifizierung für Benedeks Beitrag wahrzunehmen, der deutlich emotionaler aber nicht minder brutal in seiner authentischen Darstellungsweise wirkt. Eine Reihe von Gymnasiasten lässt sich gegen Kriegsende von der unbarmherzigen Maschinerie des NS-Regimes blenden und zieht freiwillig an die Front.
Ihre aufgebrachten und ebenso unpolitischen Mütter treibt nicht nur die Angst, sondern auch die Weitsicht an, sodass sie sich auf eine regelrechte Odyssee durch Kugelhagel und Bombenkrater begeben, um die Jungen möglicherweise noch vor Schlimmerem bewahren zu können. Große Interpretinnen des deutschen Kinos und Theaters überzeugen nach ihrem unmittelbaren Auftreten mit Präzisionsleistungen und sogar noch ein bisschen mehr, wenngleich sie dramaturgisch gesehen oft von oben herab betrachtet und roh behandelt werden, da sie sich auf dem Schlachtfeld der Männer behaupten müssen. Hier bekommen vor allem Hilde Krahl und Therese Giehse die größten Bühnen bereitgestellt und es dürfen sich besondere Szenen, denkwürdige Dialoge und große Gesten abspielen, die diesen Film im Endeffekt vielleicht mehr beherrschen, als es die Kriegsschauplätze tun werden. Die aufkommenden Emotionen wirken zunächst deplatziert, da in dieser Ausnahmesituation für sie einfach kein Platz sein darf, was die beteiligten Männer in ihren unterschiedlichen Etappen nachdrücklich klarzustellen versuchen. Doch diese Anstrengungen verpuffen schnellstens im Nichts, da die Frauen im Rahmen all ihrer unterschiedlichen Ansätze derart entwaffnend wirken, dass es zu globalen Zweifeln kommt. Vor allem Therese Giehse fungiert als kritisches Sprachrohr, ohne mit ihrem Berliner Dialekt irgendwelche sprachlichen Klippen zu kennen, geschweige denn für Barrieren zu sorgen. Die aufgebrachte Frau bringt die Kritikpunkte sehr genau auf den Punkt und schildert ihre Ängste ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Mutter, die schließlich so viel Kraft dafür investiert habe, ihre beiden Jungen irgendwie groß zu bekommen. Und nun soll die unerbittliche Mechanik des Krieges alles zunichte machen?
Alle Frauen werden diese rhetorische Frage im Verlauf direkt oder indirekt stellen, doch Therese Giehse genießt den Luxus, erst gar nicht aus ihrer Haut herauszumüssen. Wo Hilde Krahl es nie schaffen kann und wird, ihre Damenhaftigkeit vollends ablegen, es Alice Treff mit ihrer Religiosität und dem damit verbundenen, tief verwurzelten Glauben ebenso wenig fertig bringt, oder Ursula Herking als Ärztin nur naturwissenschaftliche Begründungen gelten lassen wird, ist es Therese Giehse, die die Dinge in ihrer teils merklich einfältigen Art am klarsten sehen und formulieren wird. Ihre Darbietung wurde somit nicht zu Unrecht ausgezeichnet, denn die größten darstellerischen Momente erlebt der Zuschauer mit dieser großartigen Interpretin. Der gezielte Einsatz der Stars verfolgt die Strategie konträrer Impressionen auf gleichem Schlachtfeld, was László Benedek auch hervorragend zu choreografieren weiß. So steht Hilde Krahl im Wesentlichen für tragische Momente, vielleicht hin und wieder sogar für Melodramatik, denn ihr wurde in der Nebenhandlung noch eine ausweglose Liebesgeschichte in den Weg gelegt. Ursula Herking stellt sich patent als nachdenklicher und vollkommen sachlicher Part zur Verfügung, der stets die Fähigkeit besitzt, positiv auf mögliche Hysterie und Unruhe einzuwirken. Mit Rudolf Fernau, der einen Stabsarzt, somit Berufskollegen spielt, kommt es zu einem nahezu epischen Schlagabtausch in Sachen Ethik und Menschenwürde, der beeindruckend nachhallt, aber im Grunde genommen ungeklärt bleibt. Alice Treff rundet die Riege der prominent in Szene gesetzten Damen wie immer hervorragend ab, denn die Frau eines Pastors symbolisiert unermüdlich die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt sterben soll. Die üblichen Frauen des Sechser-Gespanns treten mit Beate Koepnick und Marianne Sinclair weniger prominent in Erscheinung, untermalen jedoch den Grundtenor sehr wirksam.
Das unverhoffte Auftauchen von so vielen Frauen in einem von Männern dominierten Umfeld sorgt naturgemäß für viel Aufsehen und vor allem Unverständnis, da zeitgemäße Blicke und Ansichten stets mitzuschwingen scheinen; angesichts der obligatorischen Aufgaben und Pflichten der Frau von damals. Als strenge Leiterin eines Internats bestimmte Therese Giehse in Géza von Radványis "Mädchen in Uniform" nur wenige Jahre später selbst den Aufgabenbereich der Frau mit »Kinder, Kirche, Küche!«, und es wirkt, als ob viele der männlichen Beteiligten dieser These sofort zustimmen würden. Doch der Schein trügt auf den entsprechenden Kriegsschauplätzen, die von Tod, Verderben und der in den Mantel der Diskretion gehüllten Gewissheit vernarbt sind, dass der sogenannte Endsieg nur frommen Wünschen und Utopien entspricht. Hochkarätige Darsteller wie Ewald Balser, Claus Biederstaedt, Klaus Kinski, Hans Christian Blech, Maximilian Schell oder Bernhard Wicki zeigen sich von ihren besten, aber der Anforderung entsprechend vollkommen unterschiedlichen Seiten, die den Film ebenso nachhaltig prägen, wie die teils unbändigen Darbietungen der Damenriege. Hinzu kommt, dass hohe Ansprüche in der qualitativen Ausarbeitung gemacht wurden, was insbesondere von der bemerkenswerten Kameraarbeit hervorgehoben wird. "Kinder, Mütter und ein General" ist dramaturgisch sowie darstellerisch ein tiefgründiger und äußerst vielschichtiger Film in einem isoliert wirkenden und trostlosen Setting geworden, der an vielen Stellen einen nicht handelsüblichen Mut zur Konfrontation betreibt. Alternativ wurde der Film mit einem härteren Ende für den internationalen Markt versehen, das die Tragik und Sinnlosigkeit der Geschichte wesentlich besser als das Finale der deutschen Version unterstreicht, und schlussendlich bleibt ein herausragender Film zurück, der das Prädikat wertvoll mehr als verdient hat.