
"Ein beispielloser, wahrer Kriminalfall: DER MANN, DER PETER KÜRTEN HIESS (Le Vampir de Dusseldorf) Einer der ungeheuerlichsten Kriminalfälle der dreißiger Jahre, der in der ganzen Weltpresse Schlagzeilen machte, fand seine filmische Rekonstruktion durch einen Meister bestechender Regie und Darstellung. Die Jagd nach dem gerissenen Massenmörder Kürten, der aus verschmähter Liebe zur menschlichen Bestie wurde und erst nach ungezählten, raffiniert ausgeklügelten Verbrechen gefasst werden konnte, gehört zum Ungewöhnlichsten, was je die Leinwand bot. Er ist ein Phantom. Sienennen ihn 'Den Vampir von Düsseldorf'. Der Massenmörder kennt kein Erbarmen." (amazon.de)
Mir Robert Hossein, Marie-France Pisier, Roger Dutoit, Annie Anderson, Michel Dacquin
F,E 1965
Nach Friedhof ohne Kreuze erst das zweite Regiewerk Hosseins, das ich zu Gesicht bekomme. Wohl eine glückliche Fügung, laut Covertext handelte es sich um die letzte verfügbare Kinokopie. Für solche Fassungen haben wir in diesem Forum natürlich eine Schwäche.
Hossein inszeniert in tristen Schwarz-Weiß Bildern, meistens spielt die Handlung eh im Nachtleben. Kürtens "Jagdrevier" ist für einen ungewollten Schmunzler gut, da die Innenaufnahmen auf einen größeren Saal hindeuten, die Gäste allerdings dann später aus einer eingeschossigen Saloon-ähnlichen Bude herausschreiten. Der Film ist komplett auf Hosseins wohl sehr freien Interpretation des Peter Kürten zugeschnitten, er spielt ihn allerdings mit eisiger Aura und man fürchtet um jede Frau, der Kürten in den dunkeln Gassen der Stadt begegnet. Neben Hossein dominiert Marie-France Pisier als Nachtclub-Sängerin und Objekt Nummer 1 der Begierde Kürtens. Der Rest der weiblichen Besetzung ist für den Bodycount zuständig. Auch ohne grafische Kills ,wie in den Filmen ab 1970 ,verfehlen die Gewaltszenen ihre Wirkung nicht, da die Interaktion der sympathischen Opfer mit dem diabolischen Täter gut ausgearbeitet wurden. Einen Gegenspieler von wirklichem Profil gewährt das Drehbuch nicht, die preußischen Polizisten verhaften und verhören in zackiger Manier die falschen Täter und kommen wie die Kavallerie bei Lucky Luke -zu spät.
Die Nazis, deren Auftreten Hossein mit der historischen Kontextualisierung der Filmhandlung erklärt, hängen komplett in der Luft. Stiernackige SA-Trupps fackeln zwar Geschäfte ab und prügeln Kommunisten tot, während NSDAP-Funktionäre in schwarzen Lederkutten Arbeiter anwerben, aber es ist nie so richtig klar, wie das mit Kürtens Verbrecher-Karriere zusammenpasst. Jedenfalls bringt es die eh schon etwas zu behäbig erzählte Mord-Serie nicht weiter. So hätte ich, ähnlich wie der deutscher Verleih in den Sechziger, wenn sicher nicht aus gleicher Motivation, einige der Szenen entfernt.
Gekonnt inszeniert, sehr gut gespielt (in einer Nebenrolle übrigens Roberto Camardiel), leider aber etwas zu langatmig, um als wirklicher Geheimtipp zu gelten. Hoffe aber trotzdem, dass noch einige Regiearbeiten Hosseins auftauchen. Obwohl die Material-Lage wohl ähnlich bescheiden aussieht, wie bei "Peter Kürten".
6,5/10

