ILSE STEPPAT

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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ILSE STEPPAT

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ILSE STEPPAT

[* 11. November 1917 | † 21. Dezember 1969]


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Die in Barmen geborene Schauspielerin Ilse Steppat erhielt ihr erstes Engagement im Jahr 1933 am Städtischen Theater von Rheydt, bis sich weitere Stationen in Düsseldorf, Osnabrück und Oldenburg anschlossen. 1937 wurde sie Mitglied des Ensembles der Volksbühne Berlin und ihre erfolgreiche Theater-Karriere setzte sich beispielsweise am Alten Theater in Leipzig fort. Im Jahr 1947 gab sie ihr Kino-Debüt in dem Drama "Ehe im Schatten", welches sich mit dem Schicksal des deutschen Schauspielers Joachim Gottschalk befasst. Gleich mit einer derartig wichtigen Rolle betraut, kam es zu zahlreichen Folgefilmen mit ähnlicher Rollengewichtung. Im Jahr 1950 übernahm Steppat sogar drei Synchron-Arbeiten, in denen sie Joan Bennett und Lana Turner ihre markante Stimme lieh, und hier bleibt es besonders erstaunlich, dass keine weiteren Arbeiten in diesem Bereich folgten, immerhin war ihre Stimme prädestiniert dafür. Bis Ende der 60er Jahr war sie stets gut in der deutschen Kino- und TV-Landschaft vertreten und übernahm ihre einzige englischsprachige Rolle in dem James Bond-Film "Im Geheimdienst Ihrer Majestät", zumal die eigentlich favorisierte Griechin Irene Papas angeblich zu sympathisch für die boshafte Handlangerin Blofelds erschien. Zwei Tage nach dem Massenstart in der Bundesrepublik, im Dezember 1969, verstarb Ilse Steppat an einem Herzinfarkt.


Die Auseinandersetzung mit der Schauspielerin Ilse Steppat gewährt den Blick auf eine außergewöhnliche Karriere, die mit großen Rollen am Theater anfing, bevor es sie zum Film zog. Ihr Kinodebüt zu einem Zeitpunkt mit beinahe schon 30 Jahren erscheint äußerst unorthodox zu sein, immerhin war es bei Kolleginnen üblich, ihren Zenit in diesem Alter bereits überschritten zu haben. Der deutsche Nachkriegsfilm meinte es gut mit der hochbegabten Interpretin, die im Jahr 1947 auf Anhieb eine große Charakterrolle anvertraut bekam, und wenig später bereits festgelegt war auf einen ganz bestimmten Typ Frau, der stetige Verwendung fand. Zwar entwickelten sich die Anforderungen weiter, doch es kann nicht geleugnet werden, dass sich Steppat Zeit ihrer Kinokarriere bestimmten Dogmen des Films und ihres eigenen Images zu beugen hatte. Dabei war es der vielseitigen Frau mit der rauchigen Stimme stets möglich zu variieren. Es waren neben ihr nicht gerade viele Kolleginnen zu finden, die eine in sich verankerte Ambivalenz so gut auf den Punkt bringen konnte: Stappat war es dem Empfinden nach möglich, proletarisch oder sogar ordinär sein, was das Spiel einer Dame von Welt nicht unbedingt ausschließen musste. Auch die großen Ladys, Privilegierten oder tragischen Heldinnen, beziehungsweise abgehärteten, eisernen Jungfern waren ihr Metier, doch der Film rief im Grunde genommen viel zu häufig das Gleiche ab. Ilse Steppat war seit ihrem ersten Film "Ehe im Schatten" ab dem Jahr 1947 kontinuierlich und saisonweise immer wieder sehr gut beschäftigt und übernahm auch zahlreiche Rollen in Fernsehen und TV-Serien. Auf nationaler Ebene dürfte sie den meisten Zuschauern aus ihren drei Rollen in der Edgar Wallace-Reihe bekannt sein, international feierte sie ihren fulminanten Durchbruch als mörderische Gegenspielerin von James Bond in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät"; eine Ehre, von der sie durch ihren plötzlichen Tod im Jahr 1969 leider nicht mehr viel hatte. Sie hinterlässt überwiegend sehenswerte Filme und besonders ausdrucksstarke Charaktere in erinnerungswürdigen Rollen, die das Publikum in besonderer Art und Weise erreichen können.

Die Schauspielerin erlaubte sich häufig den Luxus, unbequem zu wirken und nicht als strahlende Heldin oder gar Sympathieträgerin in den Fokus zu treten, sodass man häufig eine von ihr selbst konstruierte Distanz aufgezwungen bekommt, die allerdings faszinierend wirkt, da man erahnt, dass so viel Unentdecktes und Geheimnisvolles unter dieser oft hart wirkenden Oberfläche verborgen ist. Engagements wie etwa in deutschen Lustspielen oder Kriminalfilmen zeigen bis heute, dass ihr jeglicher Rollen-Twist möglich, und dass ihr Einsatzgebiet vielseitig war. Leider gab es wie so häufig Probleme beim Abruf, sodass Steppat - wie viele ihrer Kolleginnen mit Image-Stempel auch - zu zaghaft eingesetzt wurden. Betrachtet man sich die Art und Weise der Interpretation und Aura, so spielt die gebürtige Rheinländerin mit Leichtigkeit in einer Liga wie beispielsweise Elisabeth Flickenschildt oder etwa Mady Rahl. Ilse Steppat fällt durch ihre oftmals so nervös und voller Anspannung stehende Körpersprache auf, und es wirkt nicht selten so, als halte sie sich selbst fest und im Griff. Bedacht auf Contenance, ist die tiefgründig wirkende Dame nicht so schnell aus der Fassung gebracht, bis die Momente auftauchen, in denen sie unbedacht und emotional reagiert. Häufig liegen diesen Eindrücken unerwiderte Liebesgeschichten zugrunde, oder solche, die ihre geheime Erfüllung bereits in der Vergangenheit erfahren hatten. Das Spiel mit Gestik und Mimik wird durch Steppats tiefe Stimme untermauert, die von Temperament und Erfahrung berichtet. Auch glaubt man eine Frau zu sehen, deren Selbstbewusstsein oftmals von männlichem Taktieren unterminiert wurde. Ein Film mit Ilse Steppat in einer Haupt- oder Nebenrolle stellt immer ein besonderes Erlebnis und Vergnügen dar, selbst wenn die jeweilige Auftrittsdauer recht kurz bleibt. Glücklicherweise sind ihre Arbeiten relativ leicht verfügbar, sodass man schnell einen breiten Überblick über ihre Karriere verschafft bekommt. Am Ende ist die Bühnen- und Filmschauspielerin jedoch schon viel zu lange verstorben, als dass sie einen gewissen Kultstatus inne hätte, oder in einem Atemzug mit den ganz großen deutschen Stars genannt werden würde, was ziemlich schade ist.

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● ILSE STEPPAT als CLAUDIA MÖLLENHAUER in
OBERARZT DR. SOLM (D|1954)



Ilse Steppats Kinofilm-Karriere begann nach bedeutenden Bühnen-Engagements im Alter von beinahe 30 Jahren und damit ungewöhnlich spät, doch gleich mit anspruchsvollen Rollen, die ihr Image festlegten. In diesem 1954 entstandenen Drama aus dem Ärzte-Milieu stellt Steppat einen gewichtigen Part auf Seiten der Antagonisten dar, wenngleich man ihr keine Böswilligkeit unterstellen kann. Vielmehr ist die Frau, die ihr ganzes Leben ihrem, beziehungsweise dem Beruf des Vaters verschrieben hat, zutiefst gekränkt, da ihre geheime Liebe nicht im Geringsten erwidert wird. Sie tut alles für die wichtigen Männer in ihrem Leben, ihr eigenes Privatleben bleibt dabei auf der Strecke. Sie wirkt professionell, über die Maßen zuverlässig, loyal und unbestechlich, wenngleich ihre Funktion in der Klinik gar nicht so sehr klar zu sein scheint, außer dass sie die Tochter des Chefs ist. Allerdings wurde Claudia Möllenhauer nicht auf eine Position gesetzt, der sie nicht gerecht werden konnte, sondern es werden extrem hohe Qualitätsansprüche geltend gemacht - was sich nicht nur auf sie selbst, sondern vor allem andere bezieht. Die streng zurecht gemachte Frau, die die Mitte 30 bereits gesehen hat, ruft einen natürlichen Sicherheitsabstand hervor, den ihre männlichen Kollegen erst gar nicht durchbrechen wollen. Ilse Steppat füllt somit eine Rolle aus, die sie oft zu spielen hatte, weil sie diese Art der Anforderungen überzeugend darstellen konnte. Man sieht eine Einzelgängerin, eine emotional Gefangene, eine Sklavin ihrer eigenen hohen Maßstäbe. Ihr Beruf dominiert ihr Leben, das gut situiert ist, aber in dem nie ein Abnabelungsprozess stattgefunden hat. In ihrem 15. Kinofilm glaubt man schließlich eine Frau zu sehen, die sie schon häufig dargestellt hat, da sie die gleiche Disziplin und Körpersprache anbietet, wie im Vergleich. Man sieht Steppat ihre langjährige Bühnenerfahrung an, denn sie setzt ihre Gestik und Mimik überaus pointiert ein. Irgendwann stellt sich die Frage, ob man die Möllenhauer neben all den schillernden oder transparenteren Damen überhaupt sympathisch findet, und man kommt zu dem Schluss, dass sie zumindest keinen Anlass gibt, unsympathisch zu wirken.

Eher schaut man mit mitleidigen Blicken zu, wie sie emotional auf das falsche Pferd setzt und hofft, mit Leistung, Contenance und Disziplin zu punkten, was völlig ausweglos erscheint, da sich ihr Zielobjekt für die Lebenden interessiert. Ilse Steppat bietet erneut ihre gehemmte Variante an, die stets auf die Blicke und Gedanken der anderen bedacht ist. Eine innere Anspannung kommt sichtlich hinzu, da sie insgeheim weiß, ihre Ziele mit dieser Methodik nicht erreichen zu können, doch es gibt kein Entrinnen aus diesem Konglomerat aus Gewöhnung, Erziehung und diffusen Ängsten, eine Enttäuschung zu erleben. Ihr amouröses Ziel ist unerreichbar, also zerstört sie die Existenz ihres Auserkorenen, jedoch nicht aus Kalkül oder Böswilligkeit, sondern aus Gerechtigkeitssinn mit einem Spritzer Impulsivität, was sie irritiert und überfordert. Ilse Steppat ist hier als Idealbesetzung zu beschreiben, deren Aura die Rolle der Claudia Möllenhauer herb veredelt, obwohl sie die feminine Seite ihrer Person zu verstecken versucht. Dementsprechend wird sie als zuverlässige Kollegin, verlässliche Freundin oder patente Tochter des Chefs wahrgenommen, deren eigene Bedürfnisse beinahe unsichtbar erscheinen. So bleiben die schwierigen, beziehungsweise doppelbödigen Anforderungen leichte Fingerübungen für die gebürtige Rheinländerin, der man eine empfundene Melancholie und teilweise Schwermütigkeit nicht absprechen kann, falls es die Anforderung verlangt. Neben Sybil Werden und Anna Dammann dominiert Steppat ihre Szenen mit teils ungeschliffener Brillanz, da ihre Gefühlslage vom Skript zu offenherzig preisgegeben wird. Derartige Rollen zu interpretieren und final auch noch auf sie festgelegt zu werden, ist vielleicht nicht die einfachste Anforderung, da es im gleichen Radius immer neue Erfindungen braucht, allerdings kann man Ilse Steppat einen gesunden Ideenreichtum bescheinigen, der ihre Darbietungen immer wieder interessant und dynamisch im Quadrat erscheinen lässt. Für den Film spielt sie eine entscheidende, wenn auch nicht die bedeutendste Rolle, wirkt aber wie erwartet vereinnahmend, stilsicher und an den richtigen Stellen erstaunlich pointiert in ihrem Tun.

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Re: ILSE STEPPAT

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● ILSE STEPPAT als IRMA BUNT in
IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (GB|1969)



Die deutsche Film- und Bühnenschauspielerin Ilse Steppat schaffte mit ihrer Verpflichtung in der sechsten James-Bond-Produktion "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" den Sprung über nationale Grenzen, um sich durch ihren spektakulären Auftritt einem weltweiten Millionenpublikum zu empfehlen. Dass gerade sie in einer derartigen Großproduktion landen konnte, kann ein Stück weit als Sensation angesehen werden, zumal Steppat für die Rolle der Irma Bunt nicht die erste Wahl gewesen sein soll. Ihre längst international anerkannte Kollegin Irene Papas hätte Überlieferungen zufolge mit von der Partie sein sollen, doch wurde als zu sympathisch im Erscheinen abgelehnt. Derartige Rochaden stellen im Film-Business keine Ausnahme dar, und im Endeffekt kann man nicht nur von einem großen Glück für Ilse Steppat sprechen, die hier in ihrer ersten englischsprachigen Rolle zu sehen ist, sondern Gleiches gilt für den Zuschauer, kommt er doch immerhin in den Genuss einer der wohl boshaftesten und an einer ungewöhnlich intensiven Tragik beteiligten Leistungen innerhalb der gesamten Bond-Reihe zu tun. Deutsche Interpreten bekamen innerhalb der Serie traditionell eine große Bühne für das Veranschaulichen von Bösewichten und Helfershelfern aller Couleur eingeräumt, was möglicherweise mehr klischeebeladene Gründe haben dürfte, als dass primär deren darstellerische Fähigkeiten im Visier der jeweiligen Produktion waren. Im konkreten Fall von Ilse Steppat rückt diese Stigmatisierung allerdings aufgrund einer außergewöhnlichen Darbietung in die zweite Reihe, und Irma Bunt kann den Zuschauer auf ihre ganz spezielle Art und Weise beunruhigen. Die Deutsche konnte in ihrer gesamten Karriere auf ihr breit gefächertes Repertoire zurückgreifen, daher alle möglichen Charaktere glaubhaft zeichnen. Eines ist bei Ilse Steppat jedoch nur selten zu finden gewesen, nämlich, das sie eine klassische Sympathieträgerin darzustellen hatte. Dieses Szenario betritt sie recht unscheinbar, was auch ihre äußere Erscheinung unterstreichen möchte, jedoch schwingt eine ausgiebige Portion Misstrauen mit, was nicht unbedingt in direktem Zusammenhang mit ihrem Chef steht.

Fräulein Bunt kann als minutiös funktionierende Zeitbombe beschrieben werden, oder einfach nur als loyale Lakaiin ihres Arbeitgebers, die einen merklichen Sicherheitsabstand fabriziert. Wie bei James Bond üblich, wird die Motivation einer solchen Person nicht restlos aufgeklärt und eher nebulös gehalten, sodass vielleicht primär an wirtschaftliche Gründe zu denken ist, abgrundtiefe Verworfenheit, Machthunger oder Sadismus. Irma Bunt entpuppt sich von der höflichen aber völlig humorlosen Gesellschafterin, die dem Empfinden nach den Luxus etlicher Kompetenzen genießt, zu einer Funktionärin des Grauens, denn sie ist nicht nur restlos über die Ziele der Organisation, sondern auch Etikette und Scheinfassaden informiert, die reibungslose Abläufe garantieren. Außerdem hält sie ihrem Chef den Rücken in jeder erdenklichen Beziehung frei, dem sie bedingungslos unterstellt ist, im Gegenzug jedoch das Regiment über eine kleine Armee führen darf. Der Eindruck einer exzellenten Darbietung und ungewöhnlich intensiven Zeichnung dieses Charakters, trotz nur übersichtlicher Screentime, wird von Ilse Steppats Markenzeichen in Form der nervösen Anspannung, einer rastlosen Körpersprache und ihrer markanten Stimmfärbung untermalt. Im gesamten Verlauf genießt sie das Privileg, für ein paar der eindringlichsten Szenen zu stehen. Daher bleibt Fräulein Bunt aufgrund dieser exponierten Bühne beinahe noch mehr in Erinnerung als Blofeld höchstpersönlich, nicht zuletzt weil dieses unsentimentale Wesen als eine der Gegenspielerinnen Bonds im Gedächtnis bleiben wird, die die Dramaturgie dafür dienstbar macht, sie eigentlich abgrundtief hassen zu müssen. Immerhin wird sie es bleiben, die ohne jeden Zweifel mit einen der größten Schockmomente der gesamten Bond-Historie assoziiert wird. Leider verstarb Ilse Steppat zwei Tage nach der Deutschlandpremiere von "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" in Berlin an einem Herzinfarkt, sodass ihr der Ruhm, den dieser internationale Auftritt sicherlich eingebracht hätte, verwehrt blieb. Die Anlegung der Rolle hätte ein erneutes Wiedersehen mit dieser außergewöhnlichen Darstellerin zumindest in den Bereich des Möglichen gerückt.

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Re: ILSE STEPPAT

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Denkt man an Ilse Steppat, so fallen einem sicherlich gleich mehrere Charakteristika der Schauspielerin ein, aber bestimmt ihre unverwechselbare Stimme. Da sie fast ausschließlich im deutschen Film mitwirkte, erscheint diese untrennbar von ihren Rollen zu sein. Bei ihrem letzten Filmauftritt in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" kam es aufgrund der internationalen Produktion und Wirkungskreises zu wesentlich mehr Promotion-Aufwand, an dem sie auch bedingt beteiligt war, sodass sich beispielsweise diese Aufnahmen der Interpretin finden lassen. Bei dieser Schallplatten-Produktion soll es sich um eine Idee des Schweizer Produzenten Bernard Henrion handeln, der eine A- und B-Seite produzieren ließ, in Englisch und Deutsch. Ob man die Songs gelungen findet oder nicht, die internationale oder die deutschsprachige besser, bleibt jedem selbst überlassen, aber ganz bestimmt handelt es ich um eine besondere Rarität im Schaffen der Schauspielerin und der JB-Reihe. Hier sind "Beware Mr. Bond - My name is Irma Bunt" und "Pretty Boy", beziehungsweise die beiden deutschen Versionen '"Im Geheimauftrag der Königin" und "Ich bin 'ne Frau".



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Re: ILSE STEPPAT

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● ILSE STEPPAT als MRS. CUNNINGS in
DER TOD IM ROTEN JAGUAR (D|I|1968)



Im Produktionsjahr 1968 neigte sich Ilse Steppats Karriere leider schon dem Ende zu, doch insgesamt ließ der deutsche Film ihr breites Repertoire nicht ungenutzt, was sich auch in diesem bereits siebten Jerry Cotton-Beitrag zeigt. Im Rahmen der Domäne lasterhafter und geheimnisumwitterter Damen mit offensichtlich dunkler Vergangenheit, findet man unter Harald Reinls Regie ein vollkommen anderes Angebot, denn Steppat spielt eine ziemlich ordinäre Klatschtante, deren größtes Kapital ihre offensichtlich leichtfertige Tochter Eve ist, die durch Britt Lindbergs pralle Konturen für Aufsehen sorgen kann. Ungewöhnlicherweise ist Ilse Steppats Name im Vorspann sehr weit nach hinten gereicht worden, und man findet sie nur an vorletzter Stelle des Cast, was erfahrungsgemäß eine Ausnahme darstellt. Dennoch ist der Part der Mrs. Cunnings nicht gerade zu kurz geraten, und man sieht sie als Zimmerwirtin in ihrer eigenen Wohnung, die einem sehr ruhigen Gast einen Raum vermietet. Die Vermieterin mit dem feuerroten Haar und den stechenden blauen Augen findet ihren Untermieter - ebenso wie alle anderen auch - genauso merkwürdig, wenn nicht sogar gestört, doch sie bekommt jedes Mal Stielaugen, wenn ein neuer Auszug der Bank vorliegt. Geldgeruch liegt in der Luft, was die neugierige bis aufdringliche Dame in äußerste Wallung zu bringen scheint; vermutlich würde sie sogar ihre Tochter opfern, um an das große Geld zu kommen. Dass sie es in Wirklichkeit mit einem Auftragskiller zu tun hat, merkt die geblendete Frau erst viel zu spät, wenn sich Neugierde und Geldgier durch pure Nervosität und Angst ersetzen. Im Endeffekt handelt es sich um eine sehr passende Rolle für die bekannte Interpretin, doch leider gibt es ein ganz großes Manko, da sie mit einer vollkommen typfremden Synchronstimme versehen wurde. Ilse Steppats unverkennbare Stimmfarbe, ihr Tonfall und das aufkommende Temperament, hätte diese Rolle noch runder wirken lassen. Wie dem auch sei, man sieht die Cunnings in mehreren kleineren Intervallen, die wie ein isolierter Spannungsbogen wirken, wenn auch nur auf ihre Person bezogen.

Ihren Untermieter bewirtet sie derweil intensiver, als es normalerweise der Fall wäre, doch es sind die zahlreichen Gutschriften höherer Geldbeträge, die ihre Neugierde wecken. Ihre Tochter Eve scheint in den Tag hineinzuleben, sie selbst nicht unbedingt am Hungertuch zu nagen, doch die ganz große Chance scheint einer ihrer ältesten Träume zu sein. Dem Sprichwort nach kommt man in der Gefahr um, in die man sich begibt, und es ist unter Harald Reinls stringenter Regie sonnenklar, wo die Reise für Mrs. Cunnings und ihre Tochter hingehen wird. Zuvor wird es aber noch die Angst sein, die plötzlich um sich greift, sodass sich Ilse Steppat trotz unterschiedlicher Anlegung der Rolle das tun kann, wofür sie berühmt und berüchtigt wurde: sich im diffusen Angriff zu verlieren. Obwohl ihr die nackte Angst ins Gesicht geschrieben steht, rückt sie nicht mit der Sprache aus, weigert sich also gleichzeitig, maßgeblich an der Lösung des Falls mitzuarbeiten. Typisch und charakteristisch zeigt sich eine komplette Verkrampfung der Körperhaltung, eine Treibjagd in die Enge und teils unbeholfene Mittel, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. In diesem Zusammenhang kam es häufig zu wunderbaren Pointen in der Dialogarbeit, die durch die unverwechselbare Originalstimme veredelt wurden, doch hier kommt es wie erwähnt zu einem anderen Angebot, an welches es sich erst einmal zu gewöhnen gilt. Im Grunde genommen hat die Cunnings nichts anderes als ein Gemüt wie ein Fleischerhund, sie würde lügen und betrügen, falls es denn erforderlich ist, außerdem jeden ausspionieren, auch wenn es ihre eigene Großmutter wäre. Im Vordergrund steht die persönliche Bereicherung, die nicht unbedingt finanzieller Natur sein muss, denn eine delikate Geschichte über den ungeliebten, beziehungsweise geliebten Nachbarn, tut es in der Regel auch. Dies geschieht allerdings alles im Off, und Harald Reinl überlässt Ilse Steppat die Architektur ihrer Rolle im völligen Alleingang. Alles in allem ist die Verpflichtung der Interpretin eine enorme Bereicherung für diesen Film, der beim Ziehen interner Jerry-Cotton-Register die Nase ganz weit vorne hat.

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● ILSE STEPPAT als LADY EMERSON in
DIE BLAUE HAND (D|1967)



Das Anbieten von Schablonen, Klischees und Stereotypen in Filmen gehört wie das Klappern zum Handwerk, ist somit auch in der Wallace-Reihe immer wiederzufinden. Im Sinne der Anklage ist eine Interpretin wie Ilse Steppat daher immer schnell (vor)verurteilt, schließlich sorgt sie stets aktiv für den Eindruck, dass man ihr nicht trauen kann, falls sie diese Scharade überhaupt anbietet. In Alfred Vohrers "Die blaue Hand" blickt man auf eine Vertreterin des Adelsstandes, die - wie sich herausstellt - einfach nur zum richtigen Zeitpunkt gut geheiratet hat, allerdings über einen merklich bürgerlichen, wenn nicht sogar ordinären Kern verfügt. In ihrem hier dritten und letzten Wallace-Auftritt kann Steppat nochmals bemerkenswerte schauspielerische Akzente anbieten, wenngleich sie in all ihren Parts gegen eine gewisse dramaturgische Unschärfe zu spielen hatte. Auch ohne es konkret zu wissen, scheint klar zu sein, dass die Linien zwischen Gesetz und Gesetzlosigkeit, Gut und Böse oder Sympathie und Antipathie zu verschwimmen scheinen. Wie so oft stattet die markante Mimin ihr Angebot mit diversen Schwierigkeiten für den Zuschauer aus, zumal es so wirkt, als wolle sie diesen mit uneindeutigen Handlungsweisen, zwiespältigen Aussagen und Dialogen oder unsympathischem Auftreten geradezu provozieren, um ihn möglicherweise aufs Glatteis zu führen. Wie man erfährt, hat die feuerrote Lady eine weltliche Vergangenheit, was sie auf der anderen Seite wieder griffig erscheinen lässt. Wer ist Lady Emerson? Ein unschuldiges Opfer eines doppelten Spiels, eine Schuldige, die sich in eine Opferrolle bringt, Drahtzieherin, williges Werkzeug oder gar nichts von alledem? Ilse Steppat spielt geschickt mit Gegensätzen und einer gut konstruierten, undurchschaubarem Aura, die hier selbst die Polizei in die Defensive drängt. Bei einem bissigen Verhör ändern sich diese Voraussetzungen allerdings grundlegend: »Gut, ich bin nicht die Mutter dieser Kinder, aber ich bin Lady Emerson! Und Sie verhören mich in einem solchen Raum in einem solchen Ton, nur weil Ihnen nicht gefällt, dass ich einmal Tänzern war in Lokalen, die Sie Sir John, ohne Bedenken, und öfter aufgesucht haben.«

Die brüskiert wirkende Lady gibt zu verstehen, dass es sich bei ihr um eine Instanz handelt, deren Angriff sich perfekt zur Verteidigung eignet. Je mehr Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten dem Gegenüber bereitet werden, je mehr signalisiert wird, dass man es mit einem unbequemen Gegner zu tun bekommen wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Fokus auf ihre Person sich aufweichen könnte. Offenbar weiß Lady Emerson über den kriminellen Background und diverse Machenschaften Bescheid, zumindest lässt das Dargebotene kaum einen anderen Schluss zu und der Zuschauer kann sich einfach nicht mit der selbstverständlichen Attitüde der mindestens einmal Verdächtigen anfreunden. Betrachtet man das Steppat'sche Wallace-Triple, so kristallisiert sich schnell ein persönlicher Lieblingsauftritt heraus, der wahrscheinlich zwischen "Der unheimliche Mönch" und "Die blaue Hand" auszumachen sein dürfte. Lady Emerson ist in großartigen Intervallen zu sehen, ihre Szenen zählen sicherlich zu den eindringlichsten des Films. Ihr Hintergrundwissen könnt diesen Fall sicherlich in Windeseile auflösen, doch es muss etwas geben, dass sie an einer möglichen Compliance hindert. Hier ergeben sich gleich mehrere Möglichkeiten, doch unterm Strich erwartet sie sich mehr von der misslichen Lage. Selbst als ihre Stiefkinder nach der Reihe ermordet werden, schweigt sie, was sie in ein bedenklich schlechtes Licht rückt. Kann man zwischen negativ angelegter Rolle, Antipathie und hervorragendem Darbietungsstil unterscheiden, ergibt sich eine der besten Interpretationen des gesamten Films und eine besonders eindrückliche Studie einer Frau, die sich so oder so für den Weg in eine persönliche Katastrophe entschieden hat. Steppats Stimmfärbung, ihre hysterischen Anwandlungen, die nervöse Körperspannung und der diffuse Angriff lassen erahnen, dass ihre Nerven blank liegen; eine Situation, die sich ein Drahtzieher und Mörder sicherlich nicht leisten kann, was sie eindeutig in den Kreis der Verdächtigen verweist, denen als Helfershelfer der Prozess gemacht werden muss. Es bleibt eine darstellerisch wirklich beachtenswerte Leistung, die diesen Film besonders nachhaltig prägt.

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● ILSE STEPPAT als LUISE PRANG in
ROMAREI – DAS MÄDCHEN MIT DEN GRÜNEN AUGEN (D|I|1958)



Ein Mädchen wischt die Treppe der Eingangstür zu ihrer persönlichen Hölle, sprich: dem Haus ihrer Ziehmutter. Nach dem ersten Aufeinandertreffen mit dieser unsympathisch wirkenden Frau drängt sich beinahe der Eindruck einer Art Aschenputtel-Geschichte auf, denn die junge Romarei wird behandelt wie eine Magd. Luise Prang will Profit aus der jungen Frau schlagen, immerhin musste sie durchfüttern und ein Charakter wie die Prang will am Ende die Rechnung servieren. Sie bringt eine mit ihrer eigenen Aufdringlichkeit vergleichbare Dame mit und nötigt Romarei, ihre hellseherischen Fähigkeiten unter Beweis stellen zu müssen. Regisseur Harald Reinl gewährt Ilse Steppat nur ausgewählte Sequenzen im Szenario, die allerdings völlig ausreichen, um zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Sie verachtet ihre Ziehtochter, doch die Gründe bleiben im Dunkeln verborgen. Sie hat kein gutes Wort für sie übrig, demütigt sie obendrein, wo sie kann. Außerdem würde sie das Mädchen mit den übersinnlichen Kräften am liebsten so schnell wie möglich aus dem Hause haben, immerhin weigert sie sich, gewinnbringend eingesetzt zu werden. Ilse Steppat baut in Windeseile eine Drohkulisse auf, die unangenehm und bedrängend wirkt. Frau Prang wirkt dabei wie eine Mischung aus einer Klatschtante und gieriger Geschäftsfrau, der die Sentiments der anderen völlig egal sind. Natürlich ist darauf, zu achten, wie man im Auge der anderen Wahrgenommen wird, aber es scheint, als würde sie bereit dazu sein, ihre eigene Großmutter an den Meistbietenden zu verkaufen. Als die designierte Kundin das Haus wegen falscher Versprechungen entrüstet verlässt, wird die Prang Romarei gegenüber sogar handgreiflich und darüber hinaus überdeutlich. Sie hat zu spuren, ansonsten lernt sie sie kennen. Anschließend findet eine Musterung von oben bis unten statt und sie wird mit folgenden Worten aus der unangenehmen Situation entlassen: »Ein unheimliches Ding bist du! Manchmal kann man sich direkt vor dir fürchten.« Vielleicht liegt genau hier der Schlüssel für das zerrüttete Verhältnis und der Ursprung nennt sich einfach nur Angst vor dem Ungewissen. Einige kurze Sequenzen reichen Ilse Steppat aus, um sich in gewohnter Manier profilieren zu können. Dass sie wahlweise unsympathische Charaktere zu mimen hatte, liegt vielleicht in der Natur der Sache, für die oft spröde wirkende Interpretin mit dem kupferroten Haar.

Die Prang ist bürgerlich, was normalerweise überhaupt nicht schlimm wäre, wenn sie nicht zusätzlich ein durch und durch ordinärer und falscher Charakter wäre. Steppats Rollen unter Harald Reinl verfügen stets über eine besondere Schärfe und Intensität, die sich aus der Führung und Interpretationsgabe zusammensetzt. Hier kann es trotz der relativen Übersichtlichkeit des Auftritts als Glück bezeichnet werden, sie als bedrängende Kraft in Richtung der Titelfigur sehen zu können, denn es handelt sich um einen Präzisionsauftritt. Im Rahmen der Körpersprache ist schließlich das natürliche Repertoire einer Ilse Steppat wahrzunehmen, denn die schert sich nicht darum, auf Sympathie-Fischzug zu gehen. Sie wirkt wie üblich sehr angespannt, was hier die Sprache ihrer Hände belegt, die nervös gefaltet und aneinander gepresst sind. Außerdem wirkt sie einmal mehr gemein und frustriert, was sicherlich an den privaten Gegebenheiten dieser Figur liegt. Die Mutter eines kleinen, blinden Jungen steht ohne Mann da, vermutlich ist er ihr längst weggelaufen. Romareis junges Liebesglück versucht sie schlechtzureden und zu demontieren. So werden diffuse Warnungen ausgesprochen, die sich so anhören, als seien sie eine generelle Warnung vor Männern, die alles meinen, es aber keineswegs ernst. Wo es nur geht, folgt Luise Prang dem Lockruf des Geldes, da offenbar über keine großen Summen verfügt wird. Ihre Ziehtochter muss Frondienste leisten, das Schlechteste ist gerade gut genug für sie. Steppats Stimme hört sich unter Umständen wie ein Fauchen an, lediglich als es um das Schicksal ihres kleinen Jungen geht, ist etwas Aufrichtiges in ihrem Tonfall zu wahrzunehmen. Nach einer Laufzeit von weniger als 20 Minuten ist dieser ausdrucksstarke und ebenso angriffslustige Auftritt auch schon wieder beendet, da es die Titelfigur in ferne Länder zieht, in denen die unterschiedlichsten Gefahren für sie weiter skizziert werden können. Für die zu dieser Zeit gut beschäftigte Interpretin Ilse Steppat sollte es nach Harald Reinls "Romarei – Das Mädchen mit den grünen Augen" mit vielen interessanten Rollen weitergehen, die entsprechende Geschichten genau wie hier hervorragend unterstützen sollte. So bleibt eine ihrer wie immer interessanten Rollen in einem nicht minder sehenswerten Film, dessen Geschichte vordergründig auf Personen wie Luise Prang setzt, die der jungen Identifikationsfigur in massiver Art und Weise zusetzen werden.

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Re: ILSE STEPPAT

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● ILSE STEPPAT als DR. LOUISE RICHARD in
DER UNSICHTBARE (D|1963)



»Ich bin gern allein!« Auf die Frage hin, ob sich Dr. Louise Richard an ihrem verlängerten Wochenende in ihrem Waldhaus nicht fürchte, gibt sie diese bestimmende und knappe Antwort. Ihr Tonfall verrät sehr genau, dass sie sich angegriffen fühlt, wurde sie doch gerade daran erinnert, dass sie immer noch eine alleinstehende Frau ist, die ihren männlichen Kollegen trotz besonderer Fähigkeiten untergeordnet zu sein scheint. Falls es nur ein ironischer Seitenhieb ihres Kollegen gewesen sein sollte, wird klar, dass die Naturwissenschaftlerin einfach keinen Funken Humor besitzt. Ihr Doktortitel und die tägliche Arbeit heben sie in eine besondere Stellung für eine Frau der damaligen Zeit und Ilse Steppat tut alles, ihre Rolle gleich mit besonderen Charakteristika auszustatten. Vor diesem Auftritt war die Deutsche in über 30 Kinofilmen zu sehen und konnte sich in der Landschaft der bedeutenden Interpretinnen einen Rang erspielen, was sie zwar auf bestimmte und recht festgefahrene Profile reduzierte, allerdings stets für besondere Nuancen sorgen konnte, auch wenn Anforderungen nahezu identisch erschienen. Raphael Nussbaums "Der Unsichtbare" stellt ein Kuriosum der damaligen Krimi-Welle dar, kommt es doch beinahe zu übernatürlichen Inhalten. Ilse Steppat bewegt sich sicher im Szenario, auch wenn es ihre Aufgabe ist, besonders geheimnisvoll und undurchsichtig zu agieren. Fremden und sogar Kollegen gegenüber wirkt sie kritisch und skeptisch, abweisend und reserviert, nur ihr Chef genießt ihre uneingeschränkte Loyalität. Kleinigkeiten weisen darauf hin, dass Professor Lomm in der Hierarchie bei ihr ganz oben zu stehen scheint. Sie hilft ihm in den Mantel, schaut ihn erwartungsvoll an, verliert ihre auffällige Körperspannung, wartet auf Anerkennung und vielleicht ein bisschen mehr, doch dieser sieht sie nicht als Frau und offensichtlich gar nicht. Ilse Steppats Auftritt ist in "Der Unsichtbare" in zahlreiche Intervalle aufgeteilt, die sich über den kompletten Film erstrecken. Gleich wenige Szenen später bekommt sie die Gelegenheit, ihr Temperament unter Beweis zu stellen, als sie sich von der Polizei bedrängt fühlt. In ihrer typischen Art und Weise erhebt sich ihre markante Stimme in vehemente Sphären, was ihr ganz pauschal Respekt einbringt. Dies bezieht sich nicht nur auf anderen Personen, mit denen sie es in der Geschichte zu tun bekommt, sondern auch für das Publikum, welches sich natürlich fragt, was die Wissenschaftlerin schließlich zu verbergen hat.

Was Ilse Steppat an Undurchsichtigkeit um ihre Person fabrizieren kann, wird leider vom Script und der Inszenierung aufgeweicht, denn die Täterfindung setzt auf wenige Überraschungen. Nichtsdestoweniger ist die Deutsche maßgeblich daran beteiligt, an einer spürbaren Grusel-Atmosphäre mitzuarbeiten, insbesondere wenn sie in ihrem dunklen Keller-Laboratorium zu Werke ist oder im unübersichtlichen Wald umherschleicht. Diese Rolle empfiehlt die Interpretin übrigens schon einmal für ihre noch auf sie zukommenden Wallace-Auftritte, in denen die - obwohl kaum in einem Atemzug genannt - zu den Besten gehört. Steppat bietet in ihren Szenen der Produktion Kontraste an. In einem Moment ist sie reserviert und beinahe niedergeschlagen zu erleben, vor allem, wenn ihr die falschen Fragen gestellt werden, um in anderen Momenten temperamentvoll aufzudrehen. Sie kennt ihren beruflichen Stellenwert und erwartet in den vier schützenden Wänden ihres Metiers Respekt und Weisungsbefugnis. Die Polizei und die hier agierenden Hobby-Detektive nehmen sie jedoch als profane Verdächtige ins Visier, immerhin könnte sie die Expertise und den Schlüssel dazu haben, Lebewesen unsichtbar zu machen. Da hieraus eine recht spektakulär im Bild festgehaltene Mordserie resultiert, die den Verlauf in Atem hält, sollte man auf viele unterschiedliche Möglichkeiten ihrer Identität gefasst sein. Ilse Steppat stellt ihre spröde Ausstrahlung und eine merkliche Vereinnahmung ihrer Szenen zur Schau, die von ihr ausgehende Präsenz wertet das originelle Konzept der Geschichte in fundamentaler Art und Weise auf. Akzente weiß sie wie üblich mit ihrer unverwechselbaren Stimme zu setzen, die hier nicht selten in einen delegierenden Befehlston ausartet, immerhin hat sie es ihrer Ansicht beinahe ausschließlich mit Laien um sich herum zu tun, die ihre Komfortzone bedrohen. Die Welt außerhalb der Wissenschaft scheint sie vergessen zu haben, oder eben umgekehrt, sodass dem aufmerksamen Publikum nicht der Funke einer privaten Andeutung um ihre Person gegeben wird. Hier lässt sich schließlich wegen weniger angebotener Indizien nur mutmaßen, mit wem man es schlussendlich zu tun hat. Ilse Steppats Mitwirkung in "Der Unsichtbare" kann unterm Strich als etwas zwischen gut gelöstem Arbeitssieg und überraschendem Coup angesehen werden, vorausgesetzt, man erwischt die auf völligen Sicherheitsabstand bedachte Dame auf dem richtigen Fuß, was am Ende keine besondere Herausforderung darstellen dürfte.

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Re: ILSE STEPPAT

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● ILSE STEPPAT als BRANDNER-BÄUERIN in
SEHNSUCHT HAT MICH VERFÜHRT (D|1958)



In der Saison 1958 hat Ilse Steppat einige sehr interessante Film-Engagements vorzuweisen und eines von ihnen ist in Wilm ten Haafs "Sehnsucht hat mich verführt" zu entdecken, dessen österreichischer Verleihtitel sich mit einem simplen "Die Brandner Zwillinge" doch stark nach Heimatfilm aus dem Bilderbuch anhört. Steppat ist hier als Brandner-Bäuerin zu sehen, Mutter von ungleichen Zwillingstöchtern. Obwohl sie verwitwet ist, definiert sie das Dasein einer Frau immer noch über einen Mann, sodass sie ihre Töchter so schnell wie möglich unter der Haube sehen möchte. Am liebsten mit hart arbeitenden, rechtschaffenen Bauern-Burschen aus der Nachbarschaft, um die Höfe irgendwann fusionieren lassen zu können. Hanne ist der Selbstläufer der beiden Töchter, denn sie muss nicht zu irgendwelchen Arbeiten angehalten werden, daher wohl auch die fehlende Erfahrung mit Männern. Ursula hingegen kokettiert mit ihrer Attraktivität, wo sie nur kann, sehr zum Missfallen ihrer strengen Mutter, die jedoch überhaupt keinen Einfluss auf sie zu haben scheint. Ilse Steppat betritt das Szenario mit strenger Miene und resignierter Körpersprache, denn sie wird ihre unwirsche Tochter nicht zur Räson bringen können. An Wunder glaubt die alleinstehende Frau ohnehin nicht mehr, denn dafür hat ihr das Leben bisher zu viele Entbehrungen abverlangt. Ursula fühlt sich zu dem Dorflehrer hingezogen, da er moderne Auffassungen vertritt. Als dieser ihrer Mutter erstmals in die Hände fällt, kann er sich warm anziehen, denn eine Projektionsfläche wie er kommt der Brandner wie gerufen. »Was haben denn Sie schon mit Ihrem Verständnis erreicht, Herr Lehrer? Dass sie sich nur noch für diese verrückte Musik interessiert. Es wäre gescheiter gewesen, Sie hätten ihr mal was vom vierten Gebot erzählt! Da hat man sie was lernen lassen, hat sich abgequält und geschafft und geschafft. Wofür?« Die Bäuerin steht vor einem Scherbenhaufen, denn es kommt viel zusammen, aber vor allem tratschen die Leute bereits über sie. Ilse Steppat hat sich hier der Anforderung nach darin zu gefallen, ständige Klagelieder singen zu müssen. Über das karge Leben, die viele Arbeit, der wenige Lohn und die Schande, die ihr eine der Töchter einbringt. Mithilfe ihrer markanten und tiefen Stimme transportiert sie zahlreiche Schwingungen, bis der Zuschauer sich zu etwas Mitgefühl verleiten lässt, obwohl man die Frau, die sich höchstens Ratschläge vom Pfarrer gefallen lässt, nicht als allzu sympathisch einstuft. Immerhin hat sie lediglich ein Weltbild ohne Tellerrand anzubieten.

Dem Rollenprofil kommt Ilse Steppats streng wirkendes Wesen zugute, bei dem immer die Möglichkeit besteht, dass sich die verborgene Milde in den richtigen Situationen zeigt. Hier ist der Druck von außen jedoch zu groß, als dass sich diesbezügliche Veränderungen beobachten ließen, immerhin agiert ihr Sorgenkind renitent und halsstarrig. So bekommt man so gut wie nichts anderes als Kritik und Maßregelungen von der Brandner-Bäuerin zu hören und breit angelegtes Klagen. Man fragt sich, ob Ilse Steppat hier erneut in ihrem Element zu sehen ist, oder ob sie das entsprechende Element zu ihren Gunsten modellieren kann. Schauspielerisch stellt die gerne gesehene Darstellerin wieder einmal einen großen Gewinn für die Geschichte dar, auch wenn ihre Intervalle immer recht kurz ausfallen, ihr aber genügend Freiheiten bieten, sich vollkommen nach ihrer Fasson zu entwickeln. Es scheint, als gebe es nur einen in ihrem Umfeld, der auf ihre teils harten Ansichten einwirken könne. Wer sollte es anderes sein als der Dorfpfarrer, der die offenbar gottesfürchtige Frau sogar mit Ironie und Deutlichkeit der Worte angehen darf, ohne einen Gegenangriff zu fürchten. Steppat wirkt in ihren Szenen wie üblich angespannt und nervös, sie lässt sich kaum zu einer positiven Gefühlsregung hinreißen. Unterstützt von ihrer forschen Stimme, die in den richtigen Momenten Anklage erheben wird, kann man hier von einer der besten und interessantesten Performances des gesamten Verlaufs sprechen. In ihrem Alltag scheint sie den Ton anzugeben und alle Entscheidungen selbst zu treffen. Bei einem vagen Blick auf ihr Gut kommt schnell der Gedanke auf, dass die Familie relativ gut situiert leben kann, allerdings schmiert sie es jedem, der es gerne hören oder nicht hören will, aufs Brot, dass nichts vom Himmel gefallen sei. So entsteht ein ganz natürliches Misstrauen gegenüber Fremden und das Gefühl, dass jeder etwas von ihr verlangen könnte. Ihrer aufmüpfigen Tochter verlangt sie ihrer Ansicht nach nicht viel ab. Sie soll sich nur ihrem Willen beugen und ein Leben führen, wie es sich ihre Mutter vorstellt. Der Bäuerin ist allerdings nicht klar, was sie vom schwarzen Schaf der Familie verlangt. Konfrontationen und Komplikationen finden mit Ilse Steppats Auffassung der Ausgestaltung einer Rolle immer eine besonders intensive Erfüllung, sodass auch diese Rolle einen detaillierten Blick wert ist. Der Zuschauer weiß, dass der Versuch, Feuer mit Feuer zu löschen, aussichtslos bleiben dürfte, doch am Ende scheint Ursula ihrer Mutter von allen Personen am ähnlichsten zu sein.

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