DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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DJANGOdzilla
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DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von DJANGOdzilla »

DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL
[LA BESTIA UCCIDE A SANGUE FREDDO][ITA][1971]

Bild

Regie: Fernando Di Leo
Darsteller: Klaus Kinski, Margaret Lee, Rosalba Neri, Jane Garret, John Karlsen, Gioia Desideri, John Ely, Fernando Cerulli, Sandro Rossi, Giulio Baraghini, Ettore Geri


„Geh vom Fenster weg, du holst dir noch nen Schnupfen!“ (Pearls Gespielin, bevor ein ansausender Pfeil die Angesprochene ins Jenseits schickt)

Inhalt:

Vor den Toren Roms befindet sich Schloss Hohenschwand, ein nobles Luxus-Sanatorium für reiche Frauen mit Vollmeise, das jeden Wellness-Urlaub zur Lachnummer degradiert: Von früh bis spät vergnügt man sich beim Hockeyspiel, schlabbert Cocktails im schnieken Salon und lässt sich wahlweise vom Gärtner im Gewächshaus durchorgeln oder von der lesbischen Krankenschwester die Arschbacken massieren. Doch das fröhliche Lotterleben bekommt einen faden Beigeschmack, als plötzlich ein maskierter Killer erscheint und sein Tagwerk aufnimmt.

Kritik:

Angeblich basiert DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL auf einer Romanvorlage von Massen-Bestsellerautor Heinz G. Konsalik. Stimmt aber natürlich nicht, diese Verbindung wurde lediglich vom deutschen Verleih forciert. Es wäre auch schon sehr überraschend gewesen, hätte da eine ganze Großeltern-Generation tatsächlich die Belletristikvariante dieser schmierigen Mord-und-Muschi-Parade im Bücherschrank stehen. Piefige Arztkittel-Romantik hat hier nämlich Hausverbot – zum Ausgleich gibt es die volle Breitseite an Massage, Masturbation und Massakrierung. Dass dabei kaum eine Szene zur nächsten passt und auch generell auf jedwede Logik gepfiffen wurde, erhöht die Freude des Betrachters enorm.

Die Handlung der hanebüchenen Plotte ist hauchdünn und quasi nicht existent. Seine Basis nutzt DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL völlig frei jeder Innovation zur x-ten Aufkochung des schon längst zu Tode getrampelten Edgar-Wallace-Schemas. Angereichert mit Blut, Schock und reichlich nacktem Fleisch verbindet das Werk fast schon absurd zusammenhanglose Momentaufnahmen zu einem faszinierenden, von grotesker Komik durchzogenen Mosaik der Merkwürdigkeit. Plausibilität bleibt dabei gnadenlos auf der Strecke. Da läuft ein Killer durch ein Sanatorium, bringt reihenweise Leute um, aber keinen scheint das wirklich zu interessieren, wird doch über die Opfer bis kurz vor Schluss kein Sterbenswort verloren. Die Werkzeuge für seine Missetaten bringt der Mörder dabei nicht etwa von zuhause mit, sondern leiht sie sich aus der hauseigenen, gut sortierten und für jeden zugänglichen Waffensammlung des Sanatoriums (nochmal zur Erinnerung: randvoll mit suizidgefährdeten Dachschadenpatientinnen), bei der man - je nach Fasson! - frei wählen kann zwischen Messer, Axt, Schwert, Armbrust oder Morgenstern.

Inszenatorisch schwankt DER TRIEBMÖRDER (Alternativtitel, der mit dem Inhalt ebenso wenig zu tun hat wie der Kinotitel) zwischen Experimentierfreude (bereits in der ersten Einstellung legt sich die Kamera quer, gefolgt von rasantem Wechselschnitt zwischen gezücktem Mordinstrument und anvisiertem Opfer) und statischer Ödnis. Die unentschlossene Regieführung, die absurden Szenen jenseits jeder Realitätsnähe sowie die zusammenhanglose und dramaturgisch kaum schlüssige Präsentation der Ereignisse verdichten sich zu einem fast surrealen, in geschmeidige Easy-Listening-Klänge getauchten Trip, der gerade aufgrund seiner Schablonenlosigkeit ein schräges Spannungspotential entwickelt, sind doch das kommende Bild, der nächste Dialog oder die folgende Aktion nicht auch nur im Ansatz zu erahnen.

Da scheint die Handlung für einen kurzen Moment auf einen Spannungshöhepunkt zuzusteuern, als die dunkelhäutige Pearl nach einer Frage ihrer Gespielin („Solche Musik wird doch in deiner Heimat gemacht, nicht?“) plötzlich anfängt, zum pseudo-exotischen Hintergrundgedudel einen erotischen Zappeltanz zu zelebrieren, in welchen die Fragestellerin nach kurzem Überraschungsmoment etwas ungelenk mit einstimmt. Von ähnlicher Qualität ist der unmotivierte Ausdruckstanz, den eine weitere Insassin quasi aus heiterem Himmel minutenlang unter der Dusche darbietet. Exemplarisch für die vorherrschende Sinnlosigkeit ist der Moment, in dem sich der Killer mit riesigem Dolch in das Zimmer einer schlafenden Schönheit schleicht. Wer nun glaubt, es folge ein genretypischer Abstecher, der irrt gewaltig: Der Maskierte drückt der Schlafenden lediglich die Waffe in die Hand. Als diese erwacht, wundert sie sich freilich zurecht über das Werkzeug zwischen ihren Fingern und den fremden Mann in ihrem Zimmer. In diesem Zustand nun versuchend, den Eindringling mit eben diesem Dolch zu erstechen, wehrt der Maskierte ihren unprofessionellen Hieb ab und stranguliert die Frau. Warum er das nicht gleich getan hat, bleibt sein Geheimnis – vielleicht will er später vor Gericht ja auf Notwehr plädieren. Nicht gelingen wird ihm das freilich bei einer späteren Untat: Als das anvisierte Opfer überraschenderweise aus dem Schlaf erwacht, verfällt es beim Anblick des Killers nicht etwa in heftiges Kreischen, sondern raunt ihm stattdessen ein laszives "Leg dich zu mir, zieh dich aus!" entgegen. Auf diese Weise doch arg unter Druck gesetzt, haut der überraschte Eindringling die juckige Dame kurzerhand mit der Axt in Stücke.

Wem solche Momente nicht reichen, dem ziehen spätestens die Dialoge die Schuhe aus: "Wir haben hier sehr wenig Regeln - eigentlich können Sie tun und lassen, was Sie wollen", erklärt Dr. Kamphausen seiner neuen Patientin. Diese plant gleich die Probe aufs Exempel, greift zu einem überdimensionalen Ast und setzt zum Schlag auf die werte Doktorbirne an. Doch der Doc - gar nicht so blöd, wie er aussieht - wehrt die Attacke mit einem Spezialgriff ab, der selbst Bruce Lee blass gemacht hätte. "Na! Sowas wollen wir in Zukunft aber lassen!" entgegnet er nicht ohne Tadel in der Stimme. "Ich bin nicht wie die verrückten Frauen hier. Ich will nur mit einem Mann schlafen! Männer sind alles, was ich brauche!" erklärt eine der Patientinnen sehr selbstbewusst und fügt schließlich noch hinzu: "Ich bin nymphoman - was gibt´s da zu heilen?" Als die Leitung des Hauses nach einer gefühlten Ewigkeit dann doch noch auf die geniale Idee kommt, angesichts der zahlreichen Morde die Polizei zu verständigen, bemerkt der zuständige Inspektor: „Leider sehen wir uns nicht in der Lage, weitere Morde zu verhindern!“ Willkommen beim Fachteam!

Zwar prangt das Antlitz Klaus Kinskis überlebensgroß auf so ziemlich jedem Plakat zum Film, die Rolle des Irrenarztes Bernd Keller (der nur in der deutschen Version so heißt, um eine Brücke zum Konsalik-Roman zu schlagen) ist jedoch nicht unbedingt eine wichtige und zudem auch reichlich tranig gespielt. Zudem wirkt Kinski im Irrenarztkittel natürlich auch eher wie ein Patient, der seinen eigenen Arzt erschlagen und sich dessen Klamotten übergestreift hat. Der Rest der männlichen Darstellerriege wirkt überwiegend, als käme sie direkt aus dem Hinterwald. Die Frauen sind zwar hauptsächlich damit beschäftigt, sich zu entblößen, zu befingern und meucheln zu lassen, sehen dabei aber immerhin ganz nett aus.

Am Ende geht dann plötzlich alles sehr schnell: Der Täter wird entlarvt (der Plan zur Überführung desselben ist dermaßen kryptisch, dass ihn wohl nicht mal die Autoren verstanden haben), und im Nu weiß auch jeder, was der Grund für seine Missetaten war und klärt sich gegenseitig (und das völlig überrumpelte Publikum) in ein, zwei Sätzen auf. Und als wolle er noch einen draufsetzen, flüchtet der Mörder nach seiner Demaskierung dann noch in ein Schlafzimmer, in welchem sich gleich sechs arglose Patientinnen verkrochen haben, und schwingt wie ein Berserker den Morgenstern, um im Rekordtempo alle sechs Damen gleichzeitig in Fetzen zu hacken, bevor er auf lächerlich theatralische Weise von mehreren Polizeikugeln durchsiebt wird.

DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL ist ein einziger befreiend unkonventioneller Wust wundersamer Sinnlosigkeit. Kaum zu glauben, dass sich für diese haarsträubende Nummernrevue tatsächlich Fernando Di Leo verantwortlich zeichnet, der sich im selben Jahr mit dem geradlinigen Gangsterfilm-Kracher MILANO KALIBER 9 einen Namen gemacht hat. DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL ist quasi das genaue Gegenteil: zusammenhanglos, dramaturgiebefreit und durch und durch seltsam. Eine Mords-Gaudi. Im wahrsten Sinne.

s. auch: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL

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Richie Pistilli
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Re: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von Richie Pistilli »

Habe gerade noch eine ältere Bildergalerie ausfindig gemacht:


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Zuletzt geändert von Richie Pistilli am Mo., 05.04.2021 11:56, insgesamt 1-mal geändert.

ugo-piazza
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Re: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von ugo-piazza »

DJANGOdzilla hat geschrieben:
So., 22.11.2020 17:42


Angeblich basiert DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL auf einer Romanvorlage von Massen-Bestsellerautor Heinz G. Konsalik. Stimmt aber natürlich nicht, diese Verbindung wurde lediglich vom deutschen Verleih forciert. Es wäre auch schon sehr überraschend gewesen, hätte da eine ganze Großeltern-Generation tatsächlich die Belletristikvariante dieser schmierigen Mord-und-Muschi-Parade im Bücherschrank stehen. Piefige Arztkittel-Romantik hat hier nämlich Hausverbot –
Na na na, das mit der Arztkittel-Romantik will ich mal überhören. Der Roman von Konsalik hat mit dem Film in der Tat nichts zu tun, aber wenn das Buch Alfred Vohrer in die Hände gefallen wäre, das wäre der totale Irrsinn geworden. Heinz G. haut nämlich voll rein in den Wahnsinn, da gibt es kein Vertun.
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Richie Pistilli
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Re: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von Richie Pistilli »

ugo-piazza hat geschrieben:
Mi., 25.11.2020 17:32
Na na na, das mit der Arztkittel-Romantik will ich mal überhören. Der Roman von Konsalik hat mit dem Film in der Tat nichts zu tun, aber wenn das Buch Alfred Vohrer in die Hände gefallen wäre, das wäre der totale Irrsinn geworden. Heinz G. haut nämlich voll rein in den Wahnsinn, da gibt es kein Vertun.

Ich bin mal so frei:


Dein legendärer Beitrag aus dem alten Forum vom 11.08.2012
(Wäre doch sehr schade, wenn diese Infos bald im virtuellen Nirvana versinken würden) ;)
ugo-piazza hat geschrieben:„Das Schloß der blauen Vögel“ – ein Titel, der einem dank Fernando di Leo natürlich bekannt ist. Bekannt ist allerdings auch, dass der Film mit Konsaliks Roman praktisch nichts zu tun hat, lediglich Personen- und Ortsnamen wurden übernommen, und auch das wohl nur in der DF, um den Film als Konsalik-Verfilmung vermarkten zu können. Derartiges Tun war bei Erwin C. Dietrichs AVIS ja nicht so selten…

Lt. Wikipedia erschien Konsaliks Roman erstmals 1966, und auch wenn Heinzis Schreibstil furchtbar ist, so lohnt sich die Investition in dieses Werk durchaus. Meine Goldmann-Taschenbuchausgabe stammt offenbar aus dem Herbst 1973 und hat mich auf dem Flohmarkt einen ganzen Euro gekostet…

Der Untertitel lautet übrigens „Ein Gehirnchirurg versucht das Schicksal“. Hä? Wie jetzt? WAS versucht der Chirurg? Das Schicksal herauszufordern? Das Schicksal zu manipulieren? Grammatik ist schon schwierig…






Irgendwo in Deutschland in der Jetztzeit (also vermutlich 1966): Dies ist die Geschichte von Gerd Sassner. 1921 geboren, war Sassner Soldat im zweiten Weltkrieg, nach dem Krieg studierte er Chemie. Jetzt, mit 45 Jahren, ist er Inhaber einer chemischen Fabrik, ein Mann, der es geschafft hat. Neben einer großen Villa hat er auch noch ein Ferienhäuschen, wo er am Wochenende beim Angeln sich entspannt. Auch privat ist alles im Lot, er hat seine attraktive, knapp 10 Jahre jüngere, Frau Luise, mit der schon fast zwanzig Jahre zusammen ist und zwei Kinder, Dorle (15) und Andreas (13).

Eines Sonntagsmittags nun kommt Gerd Sassner wieder vom Angeln, doch statt der erwarteten Forellen hat er lediglich einen alten, völlig vergammelten Schuh gefangen. Diesen Schuh stellt er nun seiner Familie als seinen Freund aus Kriegstagen, Leutnant Benno Berneck, vor. Die Familie hält das natürlich für einen Witz, doch Sassner ist es absolut ernst. Der Schuh IST Berneck.

Am nächsten Tag ist in der Fabrik ein Treffen mit ausländischen Investoren angesetzt. Wichtige Geschäftsbesprechungen in Anwesenheit eines vergammelten Schuhs? Undenkbar! Luise Sassner schafft es noch, mit Hilfe des Hausarztes, Gerd aus dem Verkehr zu ziehen, und ihn auf Schloß Hohenschwandt, der im tiefsten Bayern abgelegen gelegenen Privatklinik von Prof. Dorian unterzubringen, der einen internationalen Ruf als Neurologe und Neurochrirurg genießt.

Unterstützt wird Dorian von seinen Assistenten, dem ihm hündisch ergebenen Dr. Franz Kamphusen und Dr. Bernd Keller, die sich in gegenseitiger Abneigung verbunden sind. Keller ist außerdem der Verlobte von Angela Dorian, der Tochter des Professors.

In einem Nebengebäude, einem ehemaligen Stall, hat Dorian Labore eingerichtet, wo er Tierversuche durchführt, hauptsächlich mit Affen, was Keller sehr kritisch sieht. Der jüngste Erfolg Dorians ist eine manipulative Operation am Hirn eines Gorillas, durch die dessen Hirnzentren zur Wahrnehmung von Musik aktiviert wurden. Der Gorilla singt…

Unter Hypnose gelingt es Dorian herauszufinden, dass Sassner seinerzeit mit Benno Berneck verschüttet wurde, worauf Berneck sich mit seiner Waffe erschoss. Damit ist aber das Problem nicht gelöst, dass Sassner immer noch den alten Schuh für Berneck hält. Vielmehr verschlechtert sich sein Zustand weiter.

Dorian entschließt sich, an Sassner eine bisher noch nie vorgenommene Hirnoperation vorzunehmen, und das unter den Augen internationaler renommierter Kollegen. Tatsächlich scheint die OP erfolgreich verlaufen zu sein. Und so macht Ehepaar Sassner erstmal Urlaub im Schwarzwald.

Doch eines Tages ist Gerd Sassner verschwunden, seine Sachen werden am Ufer eines Sees gefunden, so dass davon ausgegangen wird, dass er entweder an der steilen Böschung ins Wasser gestürzt ist oder Selbstmord begangen hat. Doch lässt sich im See seine Leiche nicht finden.

Unterdessen ist es auf Hohenschwandt zu merkwürdigen Vorfällen gekommen. Jemand, der sich als Dr. Keller ausgab, hat nachts Patienten Injektionen gesetzt. Angela Dorian wird von Patienten verfolgt, die sie offenbar vergewaltigen wollen.

Gerd Sassner lebt! Er ist auf einem abgelegenen Gasthof des Ehepaares Egon und Ilse Trapps. Die rothaarige Ilse ist 30 Jahre alt und hat sich unter Fernfahrern einen Ruf als nymphomane Schlampe erworben, von der der 20 Jahre ältere Egon nichts ahnt. Hierhin kommt also Sassner, der sich als Arzt ausgibt und sich von Ilse als „der große Boss“ anreden lässt. Sofort fallen Ilse und Sassner übereinander her. Da Egon dem im Wege stehen könnte, wird er zunächst erstmal mit Schnaps abgefüllt.

Im Gasthof, um den die Krähen kreisen, will Sassner sich dauerhaft im Turmzimmer einrichten und den Rest des Hauses als seine „Klinik“ nutzen. Sein Schloß der blauen Vögel, in dem er der Menschheit die Dummheit austreiben will, mit ihm als Arzt, und Ilse Trapps, nunmehr „Schwester Teufelchen“ genannt, deren Schwesternkleidung selbstredend lediglich aus einem Servierschürzchen und einer Haube besteht.

Auf Hohenschwandt unterdessen ist es zu einem Zerwürfnis zwischen Dorian und Keller gekommen, der des Professors Weg nicht mehr weitergehen mag. Keller liegt ein Angebot aus Zürich vor, Angela Dorian muss sich zwischen ihrem Verlobten und ihrem Vater entscheiden. Da trifft ein in der Schweiz aufgegebener Brief ein, in der ein anonymer „Kollege“ ankündigt, dass er entdeckt habe, „daß im menschlichen Hirn ein kleines Ventil undicht geworden ist, durch das die Gase entweichen, die Vernunft und Logik umnebeln. Um die Menschheit zu retten, bedarf es nur einen kleinen Eingriffs im offenen Hirn, eines Verschlusses des Defekts, und der Mensch lernt erkennen, wie man Paradiese schafft. Ich werde in Kürze beginnen, diese Operationen auszuführen. Erlauben Sie mir, verehrter Kollege, Sie auf dem laufenden zu halten. Ich grüße Sie mit der neuen Weltparole: Dummheit – ex!“

Im Gasthof stört Egon Trapps die Klinikvorbereitungen. Kurzerhand wird er vom großen Boss und Schwester Teufelchen wieder abgefüllt, ins Auto verbracht und volltrunken auf die Autobahn geworfen, wo er überfahren wird. Zwar wird später bei der Obduktion festgestellt, dass er einen Promillewert hatte, bei dem er niemals noch selbst hätte laufen können, allerdings konnte die Leiche nicht identifiziert werden, nachdem mehrere Fahrzeuge über seinen Kopf gefahren waren…

Währenddessen haben Gerd und Ilse mit Magda Hendle ihre erste, natürlich unfreiwillige, Patientin gefunden. Da Magda rasch Sassners Charme verfällt, bricht sich bei Ilse die Eifersucht Bann. Kein Wunder also, dass sie sich darauf freut, Magda zu narkotisieren. Dafür wird nämlich die gute alte Hammermethode verwendet…

…ehe Sassner den Schädel durch Rundschnitt öffnet und die gesamte obere Hirnschale entfernt und dann den Kopf mit Geschirrspülmittel ausspült. Anschließend folgt das gleiche mit dem Herzen.
(„Sie baden gerade Ihre Organe drin!“ „In Geschirrspülmittel?!?“ „In Palmolive!“ Sorry…)

Die nächsten Patienten namens Markus Peltzer, Julius Hombatz und dessen Freundin Agathe Vierholz konnten bereits von Gerd und Ilse gewonnen werden. Die drei haben allerdings „Glück“, Hombatz werden lediglich die Ohren abgeschnitten, Peltzer ein Loch in die Stirn gebohrt und Agathe Vierholz bekommt ein Brandzeichen unterhalb des Nabels verpasst.

Meanwhile, back at the Hohenschwandt-Ranch: Dr. Keller hat sich entschlossen, zunächst auf Hohenschwandt zu bleiben, was zu einem Zerwürfnis mit Angela geführt hat. Dorian experimentiert mit den Affen, denen er Intelligenz einspritzen will, nämlich aus dem zu Brei zermahlenen Gehirn von Artgenossen! Keller gelingt es, Dorian zu überzeugen, dass sich bei dem „Kollegen“ um den noch lebenden Sassner handeln müsste. Und Keller hat noch eine Idee: Luise Sassner soll als Lockvogel eingesetzt werden…

Dr. Kamphusen gelingt es, nachts den falschen Dr. Keller, der den Patienten Injektionen spritzte, zu stellen. Es handelt sich um den Pfleger Leopold „Poldi“ Wachsner, der, in finanziellen Nöten steckend, von namenlos bleibenden Konkurrenten Dorians bezahlt wurde, Panik auf Hohenschwandt zu verursachen. Nach seiner Verhaftung ist von seiner Bezahlung allerdings keine Rede mehr. Poldi begeht Selbstmord.

Luise Sassner und Ilse Trapps stoßen in der Tat nächtens auf einem Autobahnparkplatz aufeinander, worauf Ilse Luise ins Schloß der blauen Vögel mitnimmt, wo Gerd nun Menschen in Vögel verwandeln will.

Auf Hohenschwandt ist es zwischenzeitlich zu einem Aufstand der Patienten gekommen, die Ausgang und Frauen verlangen – und Angela Dorian als Geisel genommen haben, und drohen, sie reihum zu vergewaltigen! Keller gelingt es allerdings, unter Einsatz des Nervengases HLN 101 Angela zu retten und die Aufständischen außer Gefecht zu setzen.

In dem abgelegenen Gasthof hat Sassner die operative Verwandlung Luises zu einem Vogel angesetzt. Allerdings schafft es Luise es, ihn davon zunächst abzubringen, während sie darauf hofft, er würde sie erkennen. In einem Catfight gelingt es ihr, Ilse niederzuringen und auf dem OP-Tisch festzubinden, was bei Ilse Trapps zu der nicht unberechtigten Befürchtung führt, der große Boss würde sie für eine Patientin halten und entsprechend operieren.
Es gelingt Ilse allerdings, Gerd dazu zu bringen, sie loszubinden. Allerhöchste Zeit für Ilse, sich aus dem Staub zu machen. Der Fluchtweg führt sie nach Hamburg, von wo aus sie die Polizei mit einem anonymen Anruf auf die Spur Sassners bringt. Danach wird Ilse allerdings von einem durchgedrehten Zuhälter erdrosselt…

Die Polizei freilich traut sich nicht, das Gasthaus zu stürmen, da laut Sassner seine Klinik voll belegt sei. Allerdings erklärt er sich bereit mit der Anwesenheit seines Lehrmeisters, Professor Dorian. Dem gelingt es in der Tat, mit einem Trick Sassner außer Gefecht zu setzen. Der Spuk ist zu Ende.

Nur nicht für Dorian. Der plant nämlich bereits eine erneute Operation Sassners und bekommt sie tatsächlich bewilligt.

Sassner erkennt nach der erneuten Hirnoperation zwar Frau und Kinder endgültig nicht mehr, aber er lebt wieder in der Realität und Dorian macht Luise Hoffnung: „In ein, zwei oder drei Jahren werde ich ihrem Mann vielleicht zehn Injektionen geben, und Sie können ihn mitnehmen als den besten Gerd Sassner, den es je gegeben hat.“




Himmel, war Konsalik komplett im Drogenrausch, als er diesen Wahnsinn zusammenschrieb? Wollte er wirklich persönlichkeitsverändernde Hirnoperationen als den Segen der Menschheit propagieren? Auf alle Fälle hätte man daraus auch einen wunderbaren filmischen Sleazer bauen können. Alfred Vohrer hätte sicher was draus gemacht…

Und übrigens: Welcome back! :hut:




Trailer:


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DJANGOdzilla
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Re: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von DJANGOdzilla »

Naja, mein Text ist ja schon älter, damals kannte ich deine unglaubliche Buchbesprechung noch gar nicht. Hoffe seitdem immer noch auf eine adäquate Film- Umsetzung.

ugo-piazza
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Re: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von ugo-piazza »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Mi., 25.11.2020 18:26


Ich bin mal so frei:


Und übrigens: Welcome back! :hut:
Muchas Gracias!

Ich hätte ja selbst nach meinem Schrieb gesucht, aber wenn einem jetzt in der neuen Lounge alles abgenommen wird, dann hätte ich jetzt gerne einen Drink, James.



;)
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Richie Pistilli
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Re: DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL - Fernando Di Leo

Beitrag von Richie Pistilli »

ugo-piazza hat geschrieben:
Mi., 25.11.2020 18:55
Muchas Gracias!

Ich hätte ja selbst nach meinem Schrieb gesucht, aber wenn einem jetzt in der neuen Lounge alles abgenommen wird, dann hätte ich jetzt gerne einen Drink, James.

Sorry. Ich dachte, Du hättest keinen Zugriff mehr aufs alte Forum, aber wie ich gerade sehe, kommst Du dort auch noch weiterhin rein. :oops:



Habe Dir Deinen Drink entsprechend der aktuellen Schutzmaßnahmen in der dortigen Lounge zur Mitnahme bereitgestellt, denn wie Du bestimmt weißt, ist öffentlicher Ausschank zur Zeit behördlich untersagt. ;)

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