EXZESS - MORD IM SCHWARZEN CADILLAC - Alberto De Martino

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Richie Pistilli
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EXZESS - MORD IM SCHWARZEN CADILLAC - Alberto De Martino

Beitrag von Richie Pistilli »

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Exzess (D)
Mord im schwarzen Cadillac (D)
Femmine insaziabili (IT)
Gli insaziabili (IT Alt.)
Perversion (F)
Corrupción insaciable (ES)
The Insatiables (UK)
Carnal Circuit (USA)
Beverly Hills


IT / (D) 1969

R: Alberto De Martino
D: Robert Hoffmann, Dorothy Malone, Luciana Paluzzi, Frank Wolff, John Ireland, Roger Fritz, Romina Power, Rainer Basedow, Ini Assmann u.a.



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dt. Kinopremiere: 13.08.1970
it. Kinopremiere: 14.08.1969

dt. Synchronsprecher

Score: Bruno Nicolai

Italo-Cinema.de

Filmportal.de

OFDb




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"Ich habe auch einen ganzen Berg Material gesammelt, und zwar gegen Dich! Darin steht auch eine ganze Menge, wenn es auch immer die gleiche Schweinigelei ist. Stell Dir mal vor, was geschieht, wenn ich Alles auf den Tisch lege..."


Vierzehn Tage nach seiner Ankunft in Los Angeles erhält der von einer unabhängigen amerikanischen Tageszeitung angeheuerte Journalist Michael (Robert Hoffmann) eines Nachts unerwarteten Besuch von einem Zwei Mann starken Schlägertrupp, der daraufhin im wahrsten Sinne des Wortes (spei-)üble Verhörmethoden anwendet. Doch schon kurz darauf stellt sich heraus, dass es sich bei dem Übergriff um eine schmerzhafte Verwechselung handelt, da die Schläger seinen alten Freund Dieter Lambert (Roger Fritz) hinter seiner Person wähnten. Doch kaum sind die beiden Schläger wieder abgezogen, hangelt sich plötzlich Dieter vom Terassenvordach herab, wo er sich die ganze Zeit vor diesen versteckte. Michael und Dieter stammen ursprünglich beide aus Deutschland und hatten sich bis zu diesem Moment jahrelang nicht mehr gesehen. Nachdem sich Dieter bei seinem Freund für dessen selbstlose Tat mit der Zahlung einer großzügigen Schmerzensgeldsumme (1000 Dollar) bedankte, offenbart er diesem die Hintergründe seiner Geschichte:

Dieter verlagerte vor einigen Jahren aufgrund eines sehr lukrativen Jobangebots des mächtigen National Chemicals-Konzerns seinen Lebensmittelpunkt von Deutschland in die Vereinigten Staaten, wo er fortan für den Konzern unter dem Namen 'Lambert the Smile' als gewinnsteigernder Dressmann erfolgreich seine Arbeit ableistete. Zwar war sein Gesicht mittlerweile zum allseits bekannten Aushängeschild sämtlicher Werbekampagnen der Firma geworden, doch seitdem er sich der dunklen Machenschaften der Aktionäre bewusst wurde, befindet sich Dieter in höchster Lebensgefahr. Und da er die dunklen Machenschaften der Chef-Etage obendrein in drei Tagebüchern festgehalten hat, bittet er Michael diese über den Presseweg zu veröffentlichen. Doch als Michael am nächsten Tag auf dem Anwesen seines Freundes eintrifft, um wie verabredet die Tagebücher entgegenzunehmen, wird er bereits von der Polizei erwartet: Dieter Lambert ist auf dem Nachhauseweg mit seinem Sportwagen auf einer leeren, kerzengeraden und vier-spurigen Autobahn kurz zuvor tödlich verunglückt!

Doch Michael zweifelt an der offiziellen Todesursache, denn aufgrund der gegeben Umstände glaubt er keinesfalls an die Geschichte mit dem suizidbedingten Verkehrsunfall. Vielmehr vermutet er hinter dem Tod von 'Lambert the Smile' ein Mordkomplott, das von der mächtigen Konzernerlite im Geheimen geschmiedet wurde. Was folgt, sind Recherchen im Konzern-Milieu, bis Michael irgendwann merkt, dass er selbst auf der Abschussliste steht. Auf welchen Wahnsinn hat er sich hier bloß eingelassen?



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"Hey! Mit 'nem abgebrochenen Finger ist schlecht Nasebohren!"


Gleich vorweg sei gesagt, dass es sich auch bei EXZESS nur im allerweitesten Sinn um einen Giallo handelt, wobei die Genrezugehörigkeit einzig durch den intreganten "whodunnit Plot" sowie die schicke Ausstattung begründet ist - das glanzpolierte Schlitzwerkzeug und den schwarz-vermummten Handschuhträger lässt De Martino dieses Mal noch in der fest verschlossenen Truhe ruhen. EXZESS kann als ein auf Zelluloid gebannter Wahnsinn beschrieben werden, der obendrein mit zu meinen Lieblingswerken des Regisseurs zählt. Neben unzähligen Wahnwitzigkeiten, die in der deutschen Synchronfassung noch etwas irrwitziger zur Geltung kommen, bietet der Film auch sehr schmierfinkische Szenen, die angesichts des frühen Entstehungsjahrs stellenweise sogar verblüffen. Mir scheint es, als ob dies auf einer Vorgabe der Produzenten beruht, aber wenn ich mir die Vita von Edmondo Amati (I CALDI AMORI DI UNA MINORENNE, TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT, A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN), Hans Pflüger (KOMMISSAR X, EYE IN THE LABYRINTH, FRAUENSTATION) und Alexander Grüter (AN EINEM FREITAG UM HALB ZWÖLF, DER MÖRDER, EIN UNBEKANNTER RECHNET AB) ansehe, scheint die Vermutung doch nicht so ganz aufzugehen. Zumindest wurde sowohl ein Teil der nackten Tatsachen als auch der Gewalt- und Ekelszenen in der italienischen TV-Fassung entfernt.

EXZESS spielt zudem in Los Angeles und wurde auf eine recht eigenwillige Art sehr farbenfroh in Szene gesetzt. Robert Hoffmann erwartet gleich schon gleich zu Beginn eine für die damalige Zeit recht rabiate sowie appetitzügelnde Gewaltszene, in welcher der völlig verkaterte und ahnungslose Hauptdarsteller dermaßen übel vermöbelt wird, dass er sich gezwungenermaßen seines Mageninhalts entledigen muss, bevor ihm Rainer Basedow auch noch ein ausgiebiges Kopfbad verpasst. Roger Fritz spielt den arroganten, überheblichen und dauergrinsenden Dressmann "Lambert the Smile" nicht nur mit Bravour, sondern war auch damals während der Dreharbeiten in zumindest einer Szene völlig zugekifft. Die italienisch-amerikanische Sängerin und Schauspielerin Romina Power verkörpert in "Exzess" fast den identischen Rollencharakter, den sie im ziemlich zeitgleich erschienen Giallo DIE TROMPETEN DER APOKALYPSE spielt, nämlich eine reizende, wankelmütige und rebellierende Hippiebraut Vanessa Brighton, der nicht nur die bestehenden Regeln der Gesellschaft sonst wo vorbeigehen, sondern die Männer auch noch reihum verfallen. Als Tochter der vermögenden Hauptaktiomärin Vanessa Brighton (Dorothy Malone) veranstaltet Vanessa im Hause ihrer Mutter nicht nur ausufernde Drogen-Happenings, sondern lädt auch regelmäßig zum bewußtseinserweiternden Gang-Bang ein. Der restliche Cast bedarf schließlich keiner weiteren Worte: Dorothy Malone, Frank Wolff, Mario Chiocchio, Luciana Paluzzi und Elena Persiani. Abschließend sei auch noch auf die legendäre Filmmusik hingewiesen, für die sich der Maestro Bruno Nicolai verantwortlich zeigte.


Fazit: Ein mordsmäßig intregantes Filmerlebnis, das mit seinen außergewöhnlichen Kapriolen positiv überrascht.


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Score:














Schnittfassungen:


Augenscheinlich existieren von diesen Film schon einmal drei verschiedene Schnittfassungen, und zwar die deutsche Kinofassung (KF) mit einer Laufzeit von 93 min (die somit auch der deutschen VHS Fassung von PolyGram / Spectrum - ca. 88 min.- entsprechen dürfte), die kürzere VHS-Fassung von Toppic / Polyband (81 Min.) sowie die originale Kinofassung mit einer Laufzeit von 106 Min. Die italienische TV-Fassung wurde zumindest um einige Gewalt-, Nackt- und Ekelszenen erleichtert. Zu guter Letzt scheint auch noch ein griechisches VHS-Tape zu existieren, welches meiner Kenntnis nach ungeschnitten sein soll.




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(leicht überarbeiteter Beitrag aus dem alten Forum: 06.04.2015)





"Das ist vielleicht ein Hotel - da hat es die ganze Nacht gebumst."


Edit: Am 25.11.2018 durfte ich Alberto De Martinos EXZESS im Rahmen des IL MOSTRO DI NORIMBERGA-Festival dann tatsächlich auf der großen Leinwand bestaunen, was wiederum einem ausgelassenes Filmvergnügen gleichkam. Für mich hatte sich mit der Vorführung der vermeintlich letzten deutschen 35mm Fassung ein lang gehegter Traum erfüllt, zumal die deutsche Kinofassung zu meinem Erstaunen bis auf zwei kurze Rückblenden nur sehr geringfügig geschnitten war: sowohl die Ekel- Exzess- als auch offenherzigen Szenen waren allesamt unberührt geblieben! Dafür fiel in der deutschen KF leider die Rückblende unter den Tisch, in der Giulio Lamberti als selbsternanntes Sprachrohr der ausgebeuteten Arbeiterklasse vorgestellt wird. Der Grund für das Entfernen dieser Szene war augenscheinlich der deutschen Synchronfassung geschuldet, da sowohl 'Giulio Lamberti' (Roger Fritz) als auch 'Paolo Sartori' (Robert Hoffmann) in der Originalfassung aus Italien stammen und der besagte Arbeitskampf entsprechend auch dort stattfand. Die deutsche Synchronfassung verlieh den Beiden nicht nur deutsche Wurzeln, sondern auch die wohlklingenden Namen 'Dieter Lambert' und 'Michael'. Die exzessive Drogen- und Sexorgie war meiner Erinnerung nach auch komplett ungeschnitten gewesen.





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