PERVERSION STORY - I CALDI AMORI DI UNA MINORENNE - Julio Buchs

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Richie Pistilli
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PERVERSION STORY - I CALDI AMORI DI UNA MINORENNE - Julio Buchs

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I caldi amori di una minorenne (IT)
Perversion Story (IT)
Las trompetas del apocalipsis (ES)
Again! (UK)
Trumpet of the Apocalypse (US - VHS)
Murder by Music (USA)


ES / IT 1969

R: Julio Buchs
D: Brett Halsey, Marilù Tolo, Romina Power, Manuel de Blas, Alberto Dalbés, Gérard Tichy, Dan van Husen, Fabrizio Moroni, Lili Muráti u.a.



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Veröffentlichungstermine:

IT: 22.08.1969
ES: 03.11.1969
UK: 1971

Score: Gianni Ferrio

Italo-Cinema.de

OFDb



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Nach einer langen Reise kehrt der passionierte Seefahrer Richard Milford (Brett Halsey) ins "Swinging London" der 60er zurück, wo er sogleich nach seiner Ankunft mit einer schrecklichen Nachricht konfrontiert wird: Seine eigentlich lebensfrohe Schwester Cathrin soll sich kurz vor seiner Rückkehr das Leben genommen haben, indem sie sich kopfüber aus einem Fenster in den Tod stürzte. Ihre ehemalige Freundin und Mitbewohnerin Helen Baker (Marilù Tolo) glaubt aber nicht an das abschließende Untersuchungsergebnis der Polizei und zweifelt somit den Selbstmord der leidenschaftlichen Musikliebhaberin Cathrin weiterhin vehement an. Gemeinsam mit Richard, den sie auf Anhieb mit ihrer These vom 'Mord' überzeugen konnte, beginnt Helen nach einem vermeintlichen Mörder zu ermitteln, was den zuständigen Inspektor von Scotland Yard (Gérard Tichy) alles andere als erfreut. Dabei landen die beiden selbsternannten Detektive zunächst im Szenebeatschuppen "Mouse Hole", dem Stammclub der verblichenen Cathrin Milford, wo es dann recht schnell zu einem ausufernden Handgemenge mit narkotisierten Rowdies der Londoner Nachtszene kommt. In sekundenschnelle mischt Seemann Richard den kompletten Beatschuppen auf, bevor er diesen kurz darauf mit Helen fluchtartig verlässt.

Während ihren weiteren Ermittlungen im Bekanntenkreis der Verblichenen geraten Richard und Helen nicht nur in eine rauchverhangene Opiumhöhle, sondern auch zwei frühere Bekannte Cathrins ins Visier der beiden Privatfahnder: Zum einen der unheimliche und bedrohlich wirkende Grobian Boris Moulder (Manuel de Blas), der gemeinsam mit seiner zwielichtigen Hippie-Braut Fanny (Romina Power) für ein paar unangenehme Stunden sorgt, und zum anderen Cathrins ehemaliger Musikerfreund Harry (Fabrizio Moroni), der sich wiederum als DJ im 'Mouse Hole'-Club seine Brötchen verdient. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass sich scheinbar auch Cathrins Professor genau einen Tag vor ihrem angeblichen Selbstmord auf die gleiche Art in den Tod stürzte, obwohl auch bei diesem keinerlei Gründe für einen Suizid vorlagen. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden unerklärbaren Tathergänge besteht lediglich in einer Musikkomposition aus dem 18. Jahrhundert, die kurz vor den vermeintlichen Suiziden von den jeweiligen Todesspringern unter Einfluss des psychoaktiven Halluzinogens 'Ibogain' angehört wurde. Dabei handelt es sich um eine wahnwitzige Komposition mit dem Titel "Die Trompeten der Apokalypse", deren Urheber an den Folgen seines immer schlimmer gewordenen Wahns in einer mesopotamischen Nervenheilanstalt jämmerlich verstarb. Als kurz darauf auch noch einer der beiden Hauptverdächtigen von den apokalyptischen Trompetenklängen heimgesucht wird, gerät Richard plötzlich unter Mordverdacht. Bleibt die Frage, ob er sowohl seine Unschuld belegen, als auch die geheimnisvolle Ursache der weiterhin fraglichen Selbstmorde aufdecken kann. Und dann gibt es auch noch einen geheimnisvollen Spielmann, der immer wieder mit seiner kompakten Drehorgel an den unmöglichsten Orten in Erscheinung tritt...


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Bei den TROMPETEN DER APOKALYPSE handelt es sich um keinen sterotypischen Giallo, bei dem ein maskierter Killer unter Zuhilfenahme von blankgeputztem Schlitzwerkzeug sein tödliches Unwesen treibt, sondern vielmehr um einen kleinen, kunterbunten und feinen Thriller mit hanebüchener Handlung, der sich nicht nur mit einer Kette von mysteriösen Selbstmorden befasst, sondern dabei auch ohne das zur Schau stellen von blutigen Grausamkeiten oder nackten Tatsachen auskommt. Als Schauplatz wurde das beatmusik- und drogenverseuchte "Swinging London" der 60er Jahre gewählt, wo der Zuschauer wiederum auf eine Reise durch das verruchte Nachtleben mitgenommen wird. Zwischenhalte auf dieser nächtlichen Reise durch den Londoner Untergrund sind beispielsweise ein tanzstimmungsgeladener Beatschuppen namens "Mauseloch", in dem sich die britische 68er Generation die Seele aus dem Leib tanzt, eine rauchschwadenverhangene Drogenhöhle, die von zugedröhnten Szenefreaks bevölkert wird oder ein abgelegener Schrottplatz am Rande der Stadt, auf dem die beiden selbsternannten Ermittler von feindlich gesinnten Gesellen aufgelauert werden.

Als Hauptdarsteller wurde von Regisseur Julio Buchs mit Brett Halsey ein zwar bereits verdienstvoller Schauspieler auserkoren, der aber in der Rolle des schlagfertigen Seemanns stellenweise etwas unbeholfen wirkt. Im Großen und Ganzen macht Halsey seine Sache gut, wirkt aber alleine schon von seinem Schauspieltyp her leicht fehlbesetzt. Ein wenig anders sieht es bei seiner Filmpartnerin Marilù Tolo aus, die dieses Mal mit fechem Kurzhaarschnitt eine enge Bekannte des vermeintlich selbstgetöteten Opfers spielt, die den gesamten Handlungsverlauf über ihrer eigenen These, der eines fremdbestimmtes Mordes, unnachgiebig nachgeht. Die verzückendste Darbietung stammt aber zweifelsfrei von der italienisch-amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Romina Power, die in der Rolle der wankelmütigen Hippiebraut Fanny quasi den gleichen Carakter verkörpert, den sie auch im fast zeitgleich veröffentlichten EXZESS - MORD IM SCHWARZEN CADILLAC zum Besten gab. Ein Jahr später ehelichte die Tochter von Tyrone Power übrigens ihren Ehemann Al Bano, mit dem sie kurz darauf als Schlagerduo 'Al Bano & Romina Power' international bekannt wurde. Zu guter Letzt gibt sich dann auch noch Dan van Husen in der Rolle eines drogenaffinen Hippie-Gurus die Ehre, wobei seine Auftrittszeit aber recht überschaubar bleibt.


Hinzu gesellen sich farbintensive Momente, bei denen oftmals das Zeitkolorit überquillt, sowie eine schöne Fotografie des spanischen Kameramanns Manuel Rojas. Gekrönt wird das Ganze mit einer Filmmusik, die sich gewaschen hat: Urheber dieses beatlastigen Soundtracks war Gianni Ferrio, der meines Erachtens mit zu seinen besten Leistungen zählt. Der schmissige Score ist mit sehr feinen funky-groovy-Hammond-Wah-Wah-psychedelic-Sounds angereichert, die einen ruck zuck zum Mitswingen bringen.


Wer Gialli aus der pre-Argento-Phase mag und zudem hanebüchen Drogen-Experimenten, kosmischen Musikreisen und dem Sound von DJ Harry offen gegenüber steht, der könnte sich von den apokalyptischen Blechinstrumenten sehr gut unterhalten fühlen. Ich zumindest mag diesen Giallo sehr - zumal die farbenfrohe 'Swinging London'-Atmospähre sowieso genau mein Ding ist.


Fazit: Wann veröffentlicht endlich ein Label diesen tollen Film?


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(Überarbeiteter Beitrag aus dem alten Forum: 01.03.2015)








Als das Filmlabel DORADO FILMS im November 2016 erstmals eine BD-Veröffentlichung der 'apokalyptischen Trompeten' ankündigte, bin ich vor Freude in die Luft gesprungen, doch leider folgte mit Ausnahme einer weiteren FB-Ankündigung im Mai 2017 letztendlich nichts. Da DORADO FILMS vor geraumer Zeit komplett die Segel gestrichen hat, stellt sich mir die Frage, was mit dem HD-fähigen Ausgangsmaterial passiert ist? Oder hat vielleicht sogar schon eine Abtastung stattgefunden? Der deutsche Filmtitel 'DIE TROMPETEN DER APOKALYPSE' wäre somit weiterhin zu haben... ;)




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