I violenti di Roma bene (IT)
La nuit des excitées (F)
Terror in Roma (NL)
Terror in Rome (USA)
Violence for Kicks (INT)
IT 1976
R: Sergio Grieco, Massimo Felisatti
D: Antonio Sabat, Pierre Marfurt, Franca Gonella, Cesare Barro, Giacomo Rossi Stuart, Claudio Ruffini, Pupo De Luca, Gianluca Farnese, Giuliana Melis, Bernard Berat, Fabio Polverini, Gloria Piedimonte, Roberto Bianchetti, Raimundo Toscano u.a.
Italienische Erstaufführung: 12.08.1976
Italo-Cinema
Locationvergleich
Score: Lallo Gori
IMCDb
OFDb
"I'll teach you respect for the law!“
Italien 1976: Im ganzen Land terrorisieren kriminelle Jugendbanden die bereits zutiefst erschütterte Bevölkerung und verbreiten in fast allen größeren Städten unbehelligt Angst und Schrecken. Die italienische Hauptstadt befindet sich zu dieser Zeit in der Gewalt einer besonders kaltblütigen und moralisch enthemmten Jugendgang, deren Anführer nicht nur aus der besseren Gesellschaftsschicht stammt, sondern obendrein auch noch einer fatalen sowie menschenverachtenden Ideologie anhängt. Gelangweilt von den aus ihrer Sicht minderwertigen Mitgliedern der Gesellschaft und auf der Suche nach dem besonderen Kick, brandschatzt sich die faschistoide Bande erbarmungslos durch die italienische Hauptstadt, wobei Diebstähle, Entführungen, Drogenhandel oder Vergewaltigungen auf der Tagesordnung stehen. Als sich dann auch noch Mord zum Betätigungsfeld der verbrecherischen Bande dazugesellt und die übermächtige Gewaltspirale weiterhin unentwegt zu eskalieren scheint, tritt der unnachgiebige Kommissar De Greogori (Antonio Sabato) auf den Plan, um dem unmenschlichen Treiben endlich Einhalt zu gebieten. Zwar gelingt es dem Kommissar den Kopf der Bande Stefano Donnini (Pierre Marfurt) mehrmals festzunehmen, wobei er ihn aber schlussendlich jedes Mal wieder aufgrund einer unzureichenden Beweislage auf freien Fuß setzen muss. Wer jetzt denkt, dass Kommissar De Greogori deswegen den Kopf in den Sand steckt, der ist völlig falsch gewickelt, denn der energische Ermittler bleibt der kriminellen Bande weiterhin ganz dicht auf den Fersen. Bleibt letztlich die Frage, ob es ihm gelingen wird, die Bande rechtzeitig festzusetzen, bevor noch größeres Unheil geschieht?
Sergio Grieco (IM NETZ DER GOLDENEN SPINNE, DER TOLLWÜTIGE, ARGOMAN - DER FANTASTISCHE SUPERMANN) tischt dem Zuschauer mit der vorliegenden Inszenierung aus dem Jahr 1976 ein völlig unerwartetes Gewaltspektakel auf, das unstrittig zu den Highlights der ultraviolenten Phase des italienischen Polizeifilms zählt. Inspiriert von den tragischen Ereignissen von Circeo, schuf Grieco einen kruden Poliziottesco, der nah am Bodensatz des Genres kratzt. Die Gewaltdarstellungen wurden im Vergleich zu dem um einiges versierteren WIE TOLLWÜTIGE HUNDE zwar recht plakativ in Szene gesetzt, was dem gewaltvollen Filmvergnügen letztendlich aber keinen Abbruch bereitet. Hinzu gesellt sich eine daumendicke Schmierschicht, die wiederum für erhebliche Rutschgefahr sorgt. Den Damen der Schöpfung wird in diesem höchst politisch unkorrekten Reißer durchweg aufs Übelste mitgespielt, denn es wird keiner der beteiligten Darstellerinnen gegönnt, die zuvor freiwillig betretene Spielwiese der Grausamkeiten auch wieder unbefleckt zu verlassen. Am Nachhaltigsten prägten sich zweifelsfrei die Stacheldrahtzaun-Szene ein, in der eine junge Frau mit ihrem Gesicht durch ebendiesen gezogen wird, sowie der kaltblütige Mord an einem unschuldigen Kind auf offener Straße. Zudem wird ein unliebsamer Gegner gnadenlos zu Tode geprügelt, bevor der Leichnam anschließend in einer Schrottpresse endgültig entsorgt wird. Und eine hilflosen Mutter wird dann am Ende auch noch grundlos das Lebenslicht ausgeblasen. Sergio Grieco hat dieses Mal wahrlich keine Gefangenen gemacht.
Der Stein des Anstoßes stellt im vorliegenden Film eine besonders verwerfliche Jugendbande dar, die rein aus Langeweile den in ihren Augen minderwertigen Teil der italienischen Gesellschaft auf Übelste terrorisiert, während sie zugleich ihre vermeintliche Überlegenheit demonstriert. Außerdem hängen die Jugendlichen einer sozialdarwinistischen Ideologie nach, durch welche sie die Mitglieder der Gesellschaft in drei Kategorien einteilt, und zwar in "Würmer“ (minderwertiges Leben), "Sklaven“ (die unterwürfige Arbeiterschicht) und "Herrscher“ (die einflussreiche Oberschicht, zu denen sich auch die Jungs zählen). Die menschenverachtende Weltanschauung und die daraus resultierenden Schandtaten werden dann wiederum mit Nietzsche zu rechtfertigen versucht. Gedeckt wird das unmenschliche Treiben beispielsweise durch einen der einflussreichen Väter, der seinen Sprösslinge immer wieder über seine Anwälte aus dem Gewahrsam der machtlosen Polizei herausboxt. Selbst innerhalb der Bande macht sich die fatale Ideologie des hochmütigen Bandenchefs Stefano insbesondere gegenüber einem Mitglied bemerkbar, weil dieser nämlich aus der als minderwertiger empfundenen Arbeiterschicht stammt. Außerdem klinken sich die verirrten Jugendlichen am laufenden Band Rauschmittel jeglichen Couleurs ein, durch deren enthemmende Wirkung der bestialische Wahnsinn erst so richtig angeschürt wird.
Der Einzige, der ihnen etwas entgegenzusetzen hat, ist Antonio Sabato, der in der Rolle des ermittelnden Kommissars dem mordsmäßigen Treiben mit aller Gewalt ein Ende zu setzen versucht. Leider legen ihm die Vorgaben der Justiz unüberwindbare Steine immer wieder in den Weg, so dass er die faschistischen Missetäter mehrfach straffrei aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen muss. Doch der wutschnaubende Kommissar De Greogori lässt sich durch solch hausgemachte Rückschläge keineswegs aus dem Konzept bringen, sondern verfolgt die blutige Spur der mordenden Bestien unerbittlich weiter. Etwas kurios wirkt die Szene, in der Antonio Sabato samt Freundin in einem Karateklub von vier maskierten Gegnern attackiert wird und diese dabei mit einer ausgefeilten Karatekampf-Technik allesamt im Alleingang außer Gefecht setzt. Die teils ungenießbare Filmmusik von Lallo Gori setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf, denn diese passt zu diesem gewaltvollen Schmierentheater wie die Faust aufs Auge - Einfach nur unfassbar.
Letztlich handelt es bei I VIOLENTI DI ROMA BENE um einen brutalen Exploitationfilm, dessen Drehbuch es nicht nur an Orginalität mangelt, sondern der stellenweise auch unfreiwillig komisch wirkt. In Frankreich wurde der Film sowohl absurd geschnitten als auch mit Hardcore-Einlagen angereichert. Eigentlich schade, dass diesem bodensätzigen Polizeifilm eine deutsche Synchronisation verwehrt blieb.
Fazit: Ein rutschgefährliches, völlig unkorrektes und stacheldrahtgeladenes Gewaltspektakel der ganz besonderen Art!
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Italienischer Titelvorspann:
(Überarbeiteter Beitrag aus dem alten Forum: 23.08.2015)

