DAS BLAUE PALAIS

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Prisma
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DAS BLAUE PALAIS

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DAS BLAUE PALAIS


● DAS BLAUE PALAIS (D|F|1974-1976)
in den Hauptrollen | Silvano Tranquilli | Peter Fricke | Loumi Iacobesco | Dieter Laser | Eva Renzi | Helga Anders | András Fricsay | u.a.
eine Co-Produktion der Bavaria Atelier GmbH | mit dem französischen Fernsehen ORTF | im Auftrag des ZDF
ein Mehrteiler von Rainer Erler



Universum Film hat geschrieben:
Hinter der Fassade des "blauen Palais", einem alten Herrenhaus, erforschen fünf internationale Wissenschaftler die Zukunft und stoßen dabei auf merkwürdige Phänomene und an moralische Grenzen. Der junge Biochemiker Jeroen de Groot (Peter Fricke), der ehrgeizige Chemiker Enrico (Polazzo (Dieter Laser), der Schweizer Kybernetiker Carolus Büdel (András Fricsay Kali Son) und Assistentin Yvonne (Lynne Chardonnet) gehören zum engagierten Forscherteam unter der Leitung des bedachten Louis Pslm (Silvano Tranquilli). Bei ihren biochemischen, parapsychologischen und chemischen Experimenten stehen sie vor allerhand gefährlichen Rätseln.

Rainer Erlers "Das blaue Palais" wird nicht zu Unrecht als eines der besten und aufwändigsten deutschen Science-Fiction-Formate gehandelt. Die fünfteilige Reihe wurde seinerzeit vom ZDF ausgestrahlt und jeder Beitrag verfügt über Spielfilmlänge, wobei die ersten drei im Jahr 1974, die folgenden 1976 hergestellt und gesendet wurden. Hervorzuheben ist der Abwechslungsreichtum der Episoden, die mit mit diversen Aufnahmen an Original-Schauplätzen, hoch interessanten Geschichten rund um die Wissenschaft und internationalen Besetzungen aufwarten und überraschen. Geschrieben und inszeniert von Rainer Erler, kann sich das Publikum erwartungsgemäß auf spannende und gut durchdachte Fernsehfilme freuen, die nichts von ihrer Brisanz und Aktualität eingebüßt haben.

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Prisma
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Re: DAS BLAUE PALAIS

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● DAS BLAUE PALAIS | FOLGE 01 | DAS GENIE (D|1974)
mit Rolf Henniger, Luomi Iacobesco, Peter Fricke, Silvano Tranquilli, Dieter Laser, András Fricsay Kali Son, Herbert Steinmetz, Lyne Chardonnet, u.a.
eine Produktion der Bavaria Atelier GmbH | Office de Radiodiffusion Télévision Française | im Auftrag des ZDF
ein Fernsehfilm von Rainer Erler

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»Ich behaupte, unsere Versuche hier haben gewissermaßen Modellcharakter!«


Hinter den Mauern des sogenannten Blauen Palais verbirgt sich ein Forschungsinstitut, in dem fünf internationale Wissenschaftler in den Bereichen der Molekularbiologie und der Genetik forschen. Im Rahmen von Tierversuchen injiziert man Gehirnextrakt, welches sich positiv auf die Intelligenz von Ratten auswirken soll und eines Tages soll dieses Modellprojekt auch für den Menschen anwendbar sein. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit wird Jeroen de Groot (Peter Fricke) auf einen Mann namens Felix van Reijn (Rolf Henniger) aufmerksam, der ein Klavierstück eines begnadeten Künstlers interpretiert, welcher vor Jahren plötzlich spurlos verschwand. Es stellt sich heraus, dass van Reijn ein wahrhaftes Genie sein muss. Er brilliert beispielsweise im Simultanschach und ist überaus polyglott, außerdem hat er ein beachtliches Fachwissen im Bereich der Molekularbiologie. Das Team des Blauen Palais setzt ihre Kollegin Sibilla (Luomi Iacobesco) auf ihn an, um das Rätsel um seine Intelligenz zu lösen. Ihre Reise geht nach Japan und später nach Italien, doch Sibilla meldet sich nicht mehr. In der Zwischenzeit stößt man auf eine ungeklärte Mordserie, bei welcher die Gehirne der Opfer jeweils entfernt wurden...

Die erste Folge von Rainer Erlers fünfteiliger Serie befasst sich mit der Jagd nach dem perfekten Gehirn. Um einen schnellen und vor allem transparenten Einstieg zu gewährleisten, wird zunächst Besatzung des wissenschaftlichen Forschungsinstituts etwas näher vorgestellt. Zu sehen sind Wissenschaftler bei ihrer täglichen Arbeit und man bekommt ihre Ambitionen näher gebracht. Schnell wird klar, dass es sich um Idealisten handelt, die sich charakterlich allerdings stark voneinander unterscheiden, vor allem aber im Bereich des Gewissens. Der universelle Wunsch, der Menschheit einen großen Dienst zu tun, steht absolut im Vordergrund und die Wahl der Methoden gipfelt schließlich in außerordentlichen Handlungsweisen, die jedoch stets unter dem Deckmantel der gemeinnützigen Arbeit gerechtfertigt werden. Auch ist unschwer zu erkennen, dass sich gewisse Kollegen persönliche Denkmäler setzen möchten. Wer in dieser Folge in Spielfilmlänge schließlich Skrupel bekommen wird, ist sehr lange unklar und hält eine subtile Spannung allzeit bereit. Bemerkenswert erscheinen hier die Dialoge, bei welchen sehr genau heraus zu hören ist, dass es eine profunde wissenschaftliche Beratung gegeben haben muss, auch wenn die Vorhaben insgesamt (noch) zu abstrakt klingen. Die visionäre Forschung die zukunftsorientiert und oft wenig greifbar erscheint, wird mit dem großen Traum eines jeden Palais-Wissenschaftlers sehr anschaulich dargestellt. Bemerkenswert ist, dass dieser Pilotfolge eine sehr aufwändige Inszenierung zu Teil wurde. Schauplätze und Ausstattung wirken überaus hochwertig, gedreht wurde offenbar unter anderem in Kyoto und Venedig und das Blaue Palais steht nicht erdrückend im Vordergrund.

Das internationale Ensemble ist hier zwar mitunter weniger bekannt, aber dennoch glaubwürdig aufgestellt worden. Besonders Rolf Henniger trägt diese Folge in der Titelrolle, über die der Tod keine Gewalt mehr haben soll. Felix van Reijn steht über den Dingen und über allen Personen um ihn herum, was er ihnen unmissverständlich demonstriert und sie jederzeit spüren lässt. So rückt er nicht nur vollkommen in den Mittelpunkt von "Das Genie", sondern wird in vielerlei Hinsicht zum Objekt der Begierde. Die Biologin Sibilla wird von der aparten Luomi Iacobesco dargestellt, mit der man eine unberechenbare Reise erleben wird, da selbst ihre Emotionen wissenschaftlich angehaucht wirken, zumindest unterm Strich. Schließlich ist noch Peter Fricke zu nennen, der jede Produktion pauschal aufwerten kann, was ihm hier ebenfalls spielend gelingt. Die sorgsam aufgebaute Geschichte weckt in kürzester Zeit die Neugierde des Publikums, da sie mysteriös und abstrakt wirkt. Da sich Folge 1 recht ausladend darstellt, bleiben etliche schwunglose Passagen leider nicht aus, und für einen Thriller haben sich vielleicht insgesamt zu viele Anflüge der Langatmigkeit eingeschlichen, die allerdings mit einem gut konstruierten und beinahe nachdenklichen Finale weniger schwerwiegend erscheinen. Die Ausstattung des Labors wirkt glücklicherweise nicht allzu utopisch und selbst die Erklärungen bleiben theoretisch nachvollziehbar. Die große Stärke dieser Folge liegt hier eindeutig im Gesamtkonzept. Der Zuschauer wird mit vielen Informationen versorgt, die teils völlig irrelevant erscheinen, aber Steinchen eines spät sichtbaren Mosaiks darstellen. Rainer Erlers Einstieg in die fünfteilige Serie ist von Grund auf gelungen und steigert definitiv die Vorfreude auf den weiteren Verlauf.

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Prisma
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Re: DAS BLAUE PALAIS

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● DAS BLAUE PALAIS | FOLGE 02 | DER VERRÄTER (D|1974)
mit Werner Rundshagen, Luomi Iacobesco, Georg Marischka, Silvano Tranquilli, Dieter Laser, Peter Fricke, Herbert Steinmetz, u.a.
eine Produktion der Bavaria Atelier GmbH | Office de Radiodiffusion Télévision Française | im Auftrag des ZDF
ein Fernsehfilm von Rainer Erler

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»Wir betreiben hier schließlich Grundlagenforschung für die Zukunft!«


Im "blauen Palais" findet eine wissenschaftliche Erörterung durch den Laser-Spezialisten von Klöpfer (Werner Rundshagen) statt. Er möchte einen Laser entwickeln, der mit minimalem Aufwand eine neue Kunstdünger-Synthese bewirken kann. Der Antrag wird vom skeptischen Kollegium bewilligt, obwohl die Forschungskosten den Etat mit mehreren hunderttausend Mark sprengen. Von Klöpfer sondert sich ab und entwickelt das Gerät hinter verschlossenen Türen. Erste Zweifel kommen auf, da er seine Erfindung zur Herstellung von tödlichen Stickoxiden missbrauchen könnte. Professor Palm (Silvano Tranquilli) nimmt die Forschungsunterlagen an sich und erwartet die Rechtfertigung seines Kollegen. Dieser flieht jedoch mit der heißen Ware nach Hongkong und schließlich Kanada. Dort werden unterschiedliche Interessengemeinschaften auf ihn aufmerksam und eine gefährliche Jagd beginn, denn jeder möchte das Material in die Hände bekommen. Wieder einmal setzt man Sibilla (Luomi Iacobesco) auf den vermeintlichen Verräter an...

"Der Verräter" knüpft nahtlos an das unkonventionelle Konzept an, welches bereits in der ersten Episode zu sehen war. Ein neues Thema aus dem Spektrum der Wissenschaft ebnet den Weg zu einer spannenden Folge, die überraschenderweise mit zahlreichen Thriller-Elementen angereichert wurde. Der Einstieg in diesen Fall erfolgt genauso wie bereits in "Das Genie": Professor Palm steht zusammen mit deinem Team vor dem Titel gebenden Gebäude und erklärt dem Publikum, worum es dieses Mal gehen wird. Unmittelbar im Anschluss ist bereits eine Beerdigung zu sehen, die nur insofern zuzuordnen ist, da sie offensichtlich in einem fernen Land stattfindet. Die gleichen Bilder werden sich gegen Ende wiederholen, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut, da es sich lediglich eine verheißungsvolle Ankündigung handelt. Erneut fallen die sehr hochwertigen Dialoge auf, die mit versiertem Fachjargon ausstaffiert sind. Die Thematik rund um den Prototypen des bahnbrechenden Lasers erinnert ein wenig an einen gewissen Herrn namens Doktor Mabuse, der über diesen Weg schon einmal versuchte, die Welt in die Knie zu zwingen, wenngleich es nicht in seiner Absicht lag, Kunstdünger für die Länder der Dritten Welt herzustellen, damit sie weitgehend autark existieren könnten. Auch hier wird die interessante Frage nach nach der möglichen Gefahr aufgeworfen, falls eine solche Erfindung in falsche Hände geraten sollte, und die gegnerischen Interessengemeinschaften sind dem Wissenschaftler von Klöpfer schnellstens auf der Spur. Die Labors und die Apparaturen wirken sehr originell, es besteht kein Zweifel, dass an der Produktion bezüglich Beratung und Ausstattung nicht gespart wurde, sodass man sich nach einiger Zeit sogar in Hongkong und später Kanada wiederfindet.

Was das Forscher-Team betrifft, ist die Besetzung mit der aus der ersten Folge identisch, allerdings ist jedes Mal ein Gast-Darsteller zu sehen, der zum Protagonisten der jeweiligen Folge wird. Hier handelt es sich um Werner Rundshagen, der dem in eigenen Gedanken verlorenen Wissenschaftlers Charisma verleiht, der nur für seine Arbeit und entsprechende Visionen zu leben scheint. Dabei hat er nichts schlechtes im Sinn, ist aber auf der Suche nach alternativen Geldgebern dazu gezwungen, nicht lupenreine Kompromisse einzugehen. Sein Verlangen, sich ein Denkmal zu setzen, ist größer als die Skrupel gegenüber seinen Geschäftspartnern, die seine Erfindung missbrauchen wollen, beziehungsweise könnten. Die Leistung von Werner Rundshagen ist hierbei beachtlich, auch die Rumänin Luomi Iacobesco trägt diese Episode wieder einmal entscheidend mit, Dieter Laser und Herbert Steinmetz rücken etwas mehr in den Fokus und zusätzlich ist Georg Marischka als skrupelloser Geschäftsmann zu sehen. Schon bevor die Jagd über einige Stationen der Polar-Route beginnt, steigt die Spannung bereits im Palais. Die Kollegen errechnen, dass von Klöpfer sie mit falschen Informationen getäuscht haben muss und befürchten, dass sein Experiment unberechenbare Kräfte auslösen könnte. Eine wahrscheinliche Explosion steht im Raum, es gibt mehrmals einen Notalarm und ein Feuer bricht aus, grelle Dämpfe treten aus dem Labor. In Hongkong bekommt man zusätzlich ein straffes Tempo geboten, wie etwa durch eine Hetzjagd durch die unübersichtliche Stadt, Helikopter-Aufnahmen und die Flucht über unzählige Dschunken, die einem Irrgarten gleichen, und schließlich landet man auf einem riesigen, dunklen Friedhof. Hierbei wirkt die ohnehin sehr gute Musik von Eugen Thomass noch treffsicherer. Entstanden ist eine insgesamt temporeiche aber auch kritische Folge. Überzeugend.

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