DIE STRASSEN VON SAN FRANCISCO

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Percy Lister
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Registriert: Sa., 14.11.2020 16:15

DIE STRASSEN VON SAN FRANCISCO

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"Die Straßen von San Francisco (Originaltitel: "The Streets of San Francisco") PILOTFILM (USA 1972)
in den Hauptrollen: Karl Malden (Lieutenant Mike Stone) und Michael Douglas (Inspector Steve Heller)
Gaststars: Robert Wagner, Andrew Duggan, Tom Bosley, John Rubinstein, Carmen Mathews, Edward Andrews, Lawrence Dobkin und Kim Darby | Drehbuch: Edward Hume nach dem Roman "Poor, poor Ophelia" von Carolyn Weston | Regie: Walter Grauman

Mike Stone und sein junger Kollege Steve Heller werden in die Bucht von San Francisco gerufen. Die Leiche der zwanzigjährigen Holly Barry wurde von einem Spaziergänger im Wasser treibend gefunden. Der Vorgesetzte der beiden Kriminalbeamten ist der Ansicht, dass die junge Frau ein weiteres Opfer des geheimnisvollen Serienmörders sein könnte, der in den letzten Monaten mehrere Menschen, darunter ein Kind, gefoltert und getötet hat. Doch dann ergeben die Recherchen, dass Holly Barry die letzten Tage ihre Lebens mit dem Anwalt David Farr verbracht hat....

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In einer Reminiszenz an die Hommage an San Francisco schlechthin, Alfred Hitchcocks "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" (1957), umspülen die Wellen der Bucht den Körper einer jungen Frau. Doch im Gegensatz zu dem sentimentalen Klassiker der Filmgeschichte wird der Zuseher nicht mit einer kühlen, weißblonden Schönheit konfrontiert, sondern sieht in den Rückblenden ein sommersprossiges Landei, das es im Blümchenkleid und mit föhngeschädigter Hippie-Frisur tatsächlich schafft, den auf zehn Meter Entfernung als notorischen Playboy erkennbaren Robert Wagner für sich einzunehmen. Der Chauvinist unter den Zuschauern fletscht grimmig die Zähne und ergötzt sich stattdessen lieber am Kräftemessen zwischen dem smarten Steve Heller (dessen Friseur und Schneider großes Lob gebühren) und dem Tatverdächtigen Nummer Eins David Farr. Douglas schlägt den mittlerweile doch recht abgehalfterten Robert Wagner um Längen. Mike Stone und Steve Heller pflegen trotz des Altersunterschieds und verschiedener Ansichten ein freundschaftliches Verhältnis, wobei der Ältere den Heißsporn oft zur Mäßigung aufrufen muss.

Pilotfilme stehen im Ruf, die Nerven des Zuschauers durch ein Zuviel zu strapazieren, handelt es sich nun um die Länge der Folge oder die Exaltiertheit des Drehbuchs. Auch "Die Straßen von San Francisco" bildet hier keine Ausnahme. Die Schere hätte hier und dort angesetzt werden können, wobei der Schwerpunkt auf der seltsamen Beziehung zwischen Holly und dem Anwalt liegt, die zwar für den Fall wichtig ist, jedoch keineswegs das Nonplusultra darstellt, wie es uns vorgegaukelt und in der letzten halben Stunde ersichtlich wird. Der unheimliche Serienmörder taucht erst sehr spät auf und hätte kontinuierlicher in die Handlung eingebaut werden können. Auch die Hintergründe für seine Taten bleiben im Dunkeln, obwohl seine Villa mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattet worden ist. Die Actionszenen profitieren natürlich auch von den auf- und absteigenden Straßen, über die ein amerikanischer Schlitten mit Tempo und Verve springen kann, während der deutsche Volkswagen in der Münchner Innenstadt strengen Geschwindigkeitsbegrenzungen unterliegt.

Auftakt der 120 Episoden umfassenden Serie (1972-1977), deren Ermittlerteam charismatisch und unbequem zugleich ist. Aufgrund des durchschnittlichen Drehbuchs bin ich zuversichtlich, dass eine knackige Länge von 45 Minuten je Episode hier in Folge einiges verbessern kann.

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