ALF

Der Tummelplatz für alle Serienjunkies und Binge-Watcher!
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Prisma
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ALF

Beitrag von Prisma »




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● ALF (US|1986-1990)
in den Hauptrollen | Max Wright | Anne Schedeen | Andrea Elson | Benji Gregory | John LaMotta | Liz Sheridan
eine Produktion von Alien Productions | Lorimar Telepictures
eine Serie von Tom Patchett | Peter Bonerz | Nancy Heydorn | Gary Shimokawa | u.a.



Das Leben der Tanners, einer glücklichen Vorstadtfamilie aus Los Angeles, ändert sich eines Tages schlagartig, als ein bemanntes Raumschiff in ihre Garage kracht. Zum Vorschein kommt ein kleines behaartes Wesen, das nach eigenen Angaben bereits 229 Jahre alt ist und vom Planeten Melmac stammt, welcher aufgrund einer nuklearen Katastrophe explodiert ist. Die Tanners nennen ihn ALF (Außerirdische Lebensform), und nehmen ihn trotz anfänglicher Bedenken bei sich auf. Von nun an wird alles anders sein, denn das neue Familienmitglied stellt auf einmal alles auf den Kopf und man muss gespannt sein, was er als nächstes anstellen wird. Der gefräßige Zeitgenosse hegt beispielsweise einen großen Appetit auf Lucky, den Kater der Tanners, und elektrische Geräte oder brennbare Substanzen sollte man tunlichst von ALF fernhalten. Auch besonders vor den neugierigen Nachbarn, den Ochmoneks, muss er versteckt werden. Nach kürzester Zeit haben die Tanners den kleinen Außerirdischen jedoch in ihr Herz geschlossen, der zwar unberechenbar ist, aber das neue Leben mit einer Art Humor nimmt, der definitiv nicht von diesem Planeten stammt.

Für diese 102-teilige Sitcom kann man einen direkten Vergleich zur Titelfigur heranziehen, denn die Serie schlug seinerzeit genauso ein, wie es Alfs Raumschiff in die Garage der Tanners getan hat. Schnell avancierte "ALF" zu einem regelrechten Happening, mit dem ich persönlich wieder einmal unzählige Erinnerungen verbinde. Doch liegt der Fall gerade hier etwas anders, denn es dürfte sich im Bereich der Serien tatsächlich um die blühendsten und nachhaltigsten handeln. Meine erste MC bekam ich damals zum Kinder-Geburtstag und ich erinnere mich genau daran, wie oft Folge 5 rauf und runter lief. Auch heute läuft die Karussell-Hörspielreihe immer wieder einmal gerne bei mir, die ich bis auf wenige Ausnahmen vollständig besitze. Es bleiben tatsächlich bevorzugt die Hörspiele, da mir die eingefügte Lach-Kulisse in der Serie immer schon Schwierigkeiten bereitet hat, denn bei "ALF" braucht es definitiv keinen Hinweis, wann die Stellen zum Lachen auftauchen. Zur damaligen Zeit war die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen mit einem regelrechten Boom verbunden, und es gab gefühlt unzählige Fan-Artikel. Alf-Bettwäsche und passende Kissen, Stofftiere, Schlüsselanhänger, T-Shirts, sogar einen Alf-Schirmständer, Tapete und was mir sonst spontan nicht einfällt. "ALF" funktioniert in jedem Alter und es wird erst richtig interessant, wenn man die subtilen Botschaften innerhalb des Humors herausfiltern kann. Ich persönlich kann ohne lange zu überlegen von mir behaupten, dass mein eigener Humor und der gerne angewandte Sarkasmus durch diese Serie ein fester Teil von mir geworden sind. Der kleine Außerirdische hat somit ebenfalls meine Auffassung von Humor fürs Leben geprägt. Ich muss es sagen wie es ist: Ich habe in jeder Lebenslage ein passendes "ALF"-Zitat für mich selbst parat, er erinnert mich immer wieder daran, dass es mitunter am schönsten ist, auch selbst über sich lachen zu können und dies vor allem auch zu dürfen, sodass die vermittelte, oft unausgesprochene Lebensweisheit der Serie nur folgendermaßen Lauten kann: auch wenn es einmal nicht gerade optimal läuft, oder das Leben einem schwer zusetzt, man sollte niemals seinen Humor verlieren! Eine Sitcom ohne Halbwertszeit!

Percy Lister
Beiträge: 309
Registriert: Sa., 14.11.2020 16:15

Re: ALF

Beitrag von Percy Lister »

"ALF - Eine schöne Bescherung" (USA 1986)
mit: Max Wright, Anne Schedeen, Andrea Elson, Benji Gregory und John La Motta | Drehbuch: Donald Todd | Regie: Rick Gough

Alf liest in der Zeitung, dass im Wald von Los Angeles fünfzehn Zentimeter Schnee liegen und nachdem er den Tanner'schen Weihnachtsbaum bereits vor dem Frühstück zu Brennholz verarbeitet hat, lässt sich Willie überreden, mit ihm zu einer Baumschule zu fahren und selbst eine Tanne zu schlagen. Der künstliche Baum, den Willie für stolze 125 $ erworben hat, entpuppt sich als sperrige Fehlkonstruktion, die keines der Familienmitglieder recht begeistern kann. Doch dann verfahren sich Willie und Alf und bleiben mit ihrem Wagen im Graben liegen....

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Alf ist der Prototyp des amerikanischen Konsumenten, der auf jede Werbebotschaft und jeden Reklamespruch hereinfällt, es am liebsten bunt und kitschig mag und einkauft, bis die Kreditkarte glüht. So stellt Weihnachten mit all seinen Glücksversprechungen natürlich das höchste der Gefühle dar und die Aussicht auf einen großen Sack mit Geschenken erweckt in dem knuffigen Außerirdischen eine gesteigerte Hartnäckigkeit. Willie - im Herzen selbst ein Kind geblieben und von sentimentalen Empfindungen übermannt - ist immer eine leichte Beute, wenn es darum geht, dem Dauergast vom Melmac einen Wunsch zu erfüllen. So antizipiert der Zuschauer den Lauf der Geschichte bereits, als Kate, Lynn und Brian zum Weihnachtssingen gehen und Willie mit Alf allein zurückbleibt. Während Willie in Reminiszenzen schwelgt, pariert Alf dessen nostalgische Erzählungen mit flapsigen und nüchternen Bemerkungen, obwohl er im Grunde nicht weniger emotional ist. Doch Alf ist ein Egoist reinen Wassers und beugt sich gern wie Narziss tief über sein eigenes Spiegelbild. Er spricht aus, was sich die anderen aus Vernunft- oder Anstandsgründen verkneifen, gibt seinen Launen immer nach und hält nichts von Diskretion, Takt oder Diplomatie. Dennoch ist er weit von einem kulturlosen Proleten entfernt - wie ihn beispielsweise Trevor Ochmonek verkörpert, dessen Feingefühl dem einer Dampfwalze entspricht. Alf hat ein großes Herz und ist trotz seiner Weisheit in vielen Dingen naiv geblieben, was ihm manche unerwartete Reaktion einbringt und den Ernst des Lebens abfedert. Der (Alp-)Traum von Willie beweist dies in überspitzter Weise: Alf bringt den perfekten Ablauf des Weihnachtsfests durcheinander, woraufhin die Familie auseinander fällt und jeder seine eigenen Pläne durchzieht. Alf ist der Reizpunkt, an dem sich die Prüfungen des Lebens entzünden und jeder früher oder später seine Maske fallen lässt, um seine wahren Gedanken und Gefühle zu zeigen. Das ist das große Verdienst des Außerirdischen, der den anderen den Spiegel vorhält und sie zu Feststellungen bringt, die sonst unausgesprochen geblieben wären. Selbstredend sitzen am Ende alle Tanners (inklusive Alf) gemütlich um einen echten Tannenbaum und packen ihre Geschenke aus, wobei sie sich nicht bewusst sind, dass der Außerirdische mit seiner Beharrlichkeit genau das erreicht hat, was alle wollten. Die kurzweilige Weihnachtsfolge unterhält bestens und unterstreicht einmal mehr, warum der kleine Katzenfreund eine große Bereicherung für die Tanners (und das Fernsehpublikum) ist. Zurücklehnen und genießen!

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Prisma
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Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

Re: ALF

Beitrag von Prisma »



Ein Intro und eine Musik, die vermutlich jeder kennen dürfte, aber hier auch auf gar keinen Fall fehlen darf:



Percy Lister
Beiträge: 309
Registriert: Sa., 14.11.2020 16:15

Re: ALF

Beitrag von Percy Lister »

"ALF - Wie gewonnen, so zerronnen" (USA 1989)
mit: Max Wright, Anne Schedeen, Andrea Elson, Benji Gregory | Drehbuch: Jeanne Baruch und Jeanne Romano | Regie: Paul Miller

Alf nutzt den Computer in der Garage, um mit ihm Börsengeschäfte abzuwickeln. Er hält das Ganze für ein Spiel, bis Willie ihm erklärt, dass er echtes Geld dafür verwendet. Ohne Vorkenntnisse, dafür mit großer Risikobereitschaft, schöpft Alf den finanziellen Spielraum, den Willie ihm gewährt, voll aus und kauft und verkauft im Stundentakt. Willie versucht seine angeborene Skepsis zu unterdrücken, doch das schnelle Geld ist verlockend angesichts der vielen Sonderausgaben, die in der Familie anfallen, seitdem der hungrige und stürmische Außerirdische durch das Dach ihrer Garage gekracht ist.....

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Willie ist entsetzt, als er erfährt, dass Alf mit seinem Geld Aktienkäufe tätigt. Vorerst. Sobald er hört, dass Alf sein Konto mit 5000 Dollar ins Plus geführt hat, beginnt er an seiner Entrüstung zu zweifeln. Ob Alf vielleicht besondere Fähigkeiten für die Geldanlage besitzt? Selbstredend wählt der Außerirdische die Unternehmen, in die er investiert, nicht nach Kurs-Gewinn-Verhältnis, Umsatz oder Dividendenrendite aus, sondern danach, ob ihre Namen Ähnlichkeiten mit den Feiertagen auf Melmac haben - ein todsicheres System, wie er glaubt. Willie kann Kate überreden, Alf bei seinen Aktienspekulationen freie Hand zu lassen. Allerdings würde er lieber eine konservative Strategie verfolgen und Blue Chips aus dem Dow-Jones-Index kaufen. Er plädiert für eine Diversifizierung des Kapitals, doch Alf setzt sich wie gewohnt durch. Wie so viele Episoden der Serie, geht es in dieser späten Folge nicht nur um den Unterhaltungswert, sondern zeichnet sich erneut ein Duell zwischen Leichtsinn und Vernunft, zwischen Maßlosigkeit und Bescheidenheit und zwischen Spontanität und Bedacht ab. Alf verkörpert den Konsumenten, wie er im Lehrbuch von Einkaufsparadiesen wie Amazon steht: kurzentschlossen, großzügig und kritiklos. Die Kreditkarte glüht, doch die Kosten tragen andere, schlimmstenfalls setzt es einen heftigen Tadel, doch Alf hat nicht nur acht Mägen, sondern auch ein unbekümmertes Naturell, das ihn vor Kränkungen durch Zurechtweisung schützt. Die Börse ist für ihn ein Tummelplatz für Zocker, wo Anteile verschoben werden und derjenige Gewinne einfährt, der Wagemut und Selbstvertrauen zeigt. Geduld ist bekanntlich nicht die Stärke des ockerfarbenen Gesellen, was ihn zur ständigen Belastungsprobe für die Tanners macht, wobei besonders Willie mit seinen moralischen Ansichten ein immerwährender Kontrahent in den lebhaften Diskussionen bleibt. Alf erfüllt zudem alle Klischees, die sich das Publikum von einem Genussmenschen macht, er nimmt keine Rücksicht und denkt stets an sein eigenes Wohl. Er missachtet nicht nur die gesellschaftlichen Spielregeln, sondern widersetzt sich auch allen Bestrebungen nach Attributen, die in der amerikanischen Öffentlichkeit in den Achtziger Jahren modern wurden: sportliche Ertüchtigung, beruflicher Ehrgeiz und politisches Vertrauen in einen leader. Alf ist zu bequem, um an sich zu arbeiten, er huldigt nur seinen Wünschen und Launen und richtet sich den Alltag so ein, dass er ihm gefällt. Auf Dauer funktioniert sein Umgang mit den Finanzmärkten natürlich nicht, weil auch hier Disziplin, Erfahrung und Ausdauer gefragt sind - Eigenschaften, die in Alfs Augen langweilig und spießig sind.

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