TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

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Jimmy Stewart
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Jimmy Stewart »

Zunächst mal: Warum wurde dieser TATORT mit "Hetzjagd" betitelt? Eine solche gab es de facto nicht - und wurde, wenn dann, nur als folkloristisches Beiwerk in Form von zwei drei klischeehaften Internet Posts dieses "Revenge88"-Typen gegenüber dem Todesopfer, nu ja, thematisiert.

Mir ist schleierhaft, wie die Redaktion diesen TATORT abnehmen konnte. In einer Szene war das Handy der "Nazibraut" zu sehen, auf dem, glaube ich, irgendwas mit März zu lesen war - also März 2020. Dieser äusserst misslungene Film lag also nach Fertigstellung mindestens ein halbes Jahr in der Schublade, ohne, dass nochmal jemand draufgeschaut hat. Wobei das Kind da natürlich längst in den Brunnen gefallen ist und man schon bei Einreichung des Drehbuchs hätte reagieren müssen. Nahezu sämtliche Figuren wirkten dahingeschludert und völlig unglaubhaft - und vom Ansatz dieser lächerlichen Eifersuchts Story fange ich gar nicht erst an.

Aber klar: Lena Odenthal findet diese Nazis richtig Schei*e; der Verfassungsschutz entsendet einen undurchsichtigen Loner im Ledermantel, der sich dann aber als doch ganz guter Kerl entpuppt; eine Kümmerpolizistin wird erschossen und immer wieder "emotional" ins Bild gerückt; die Freundin des Opfers und die des Nazis treffen sich zufällig und sorgen für das "große, emotionale Finale" . . . Wat'n Mist!

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

Jimmy Stewart hat geschrieben:
Di., 16.02.2021 21:01
Mir ist schleierhaft, wie die Redaktion diesen TATORT abnehmen konnte. In einer Szene war das Handy der "Nazibraut" zu sehen, auf dem, glaube ich, irgendwas mit März zu lesen war - also März 2020. Dieser äusserst misslungene Film lag also nach Fertigstellung mindestens ein halbes Jahr in der Schublade, ohne, dass nochmal jemand draufgeschaut hat. Wobei das Kind da natürlich längst in den Brunnen gefallen ist und man schon bei Einreichung des Drehbuchs hätte reagieren müssen. Nahezu sämtliche Figuren wirkten dahingeschludert und völlig unglaubhaft - und vom Ansatz dieser lächerlichen Eifersuchts Story fange ich gar nicht erst an.

Im Rückblick auf auf den gestrigen Tag wirkte diese unsägliche Folge wie ein skandalöses Trauerspiel, über das der SWR am besten den Mantel des ewigen Schweigens hüllt. Dies ist dann auch zugleich die erste TATORT-Folge, die es tatsächlich verdient hätte, für alle Zeiten im Serien-Giftschrank weggesperrt zu werden. Im Vergleich zur misslungenen HETZJAGD wirkten der AfD-TATORT als auch der IDENTITÄREN- und VÖLKISCHE SIEDLER-TATORT doch um einiges versierter. Mal gespannt, wie demnächst die bereits angekündigte 'INCELS'-Thematik umgesetzt wird. Aber erst einmal wird Morgen der CORONA-TATORT Heile Welt mit Faber und Bönisch ausgestrahlt, von dem ich mir zumindest wieder etwas mehr erhoffe.


https://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort ... fac8765b62


Trailer

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Jimmy Stewart
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Jimmy Stewart »

Die drei von dir erwähnten TATORTe habe ich gesehen - und die waren allesamt in ihrer doch recht unterschiedlichen Art um einiges besser als "Hetzjagd".
Relativ unverständlich bzgl. dieses Films ist mir, dass die immer wo es nur geht auf "gesellschaftliche Relevanz" pochende Ulrike Folkerts hier offenbar einen Blackout hatte. Sie tut in Interviews immer so, als ob sie sich nicht mit halbgaren Drehbüchern zufrieden gibt und voll auf Konfro geht, wenn irgendetwas 'keinen Belang' hat. Hier aber sonderte sie mehmals Papieraschelndes ab, und schaute dabei szgn. klischeehaft in die Kamera. :roll:

Den morgigen Faber/Bönisch schaue ich mir natürlich an. ;)

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Prisma
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Prisma »




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● FOLGE 56: TATORT - DIE ABRECHNUNG (D|1975)
mit Hansjörg Felmy, Karin Eickelbaum, Willy Semmelrogge und Gustl Bayrhammer
als Gäste: Maria Schell, Romuald Pekny, Rolf Becker, Irina Wanka, Ursula Grabley, Karl Renar, Andrea L’Arronge, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des WDR
Regie: Wolfgang Becker


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»Weil ein Spießer sich nicht vorstellen kann, dass andere Menschen einen anderen Horizont haben!«


Der wohlhabende Unternehmer Professor Stürznickel wird in seiner Villa erschlagen. Anschließend wird der Täter von seiner Schwiegertochter Evelyn (Maria Schell) auf frischer Tat ertappt und erschossen. Der Fall scheint somit klar auf der Hand zu liegen, doch Oberkommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) steht der Dame in Schwarz mit großem Misstrauen gegenüber, da ihr Verhalten überaus eigenartig erscheint. Ihr Anwalt, der bekannte Strafverteidiger Dr. Alexander (Romuald Pekny), war mit dem ermordeten Industriellen befreundet und verteidigt seine Schwiegertochter nur, weil sie ihm glaubhaft versichern konnte, nicht für den Mord verantwortlich zu sein, wie vehement von Haferkamp behauptet. In einem spektakulären Prozess werden Kommissar Haferkamps Theorien von Dr. Alexander zerpflückt und seine Mandantin wird freigesprochen. Allerdings ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen, denn der Fall nimmt eine spektakuläre Wendung...

In der 52. Folge der laufenden "Tatort"-Reihe stellt der Essener Oberkommissar Haferkamp bereits zum fünften Mal Ermittlungen an. Hierbei handelt es sich um einen Fall, der von Anfang an auf der Hand zu liegen scheint: ein Einbrecher erschlägt den reichen Hausherrn, seine Schwiegertochter überrascht den Eindringling und streckt ihn im Affekt nieder. Doch ist wirklich alles so simpel, wenn die Karten so offensichtlich auf dem Tisch liegen? Erfahrungsgemäß und aller Wahrscheinlichkeit nach wohl nicht, denn immerhin befindet sich der Zuschauer in einer Folge von Krimi-Spezialist Wolfgang Becker, der darüber hinaus für seine nicht selten beeindruckenden Twists bekannt ist. Der Berliner Regisseur inszeniert von Anfang an sehr geradlinig und bietet eine gespenstische Ruhe am Ort des Verbrechens an, was einen alten Hasen wie Haferkamp naturgemäß irritieren wird. Die Konstruktion der Geschichte ist von Beginn an eng mit Gast-Star Maria Schell verwebt worden, was noch für viele widersprüchlich Eindrücke sorgen wird, da Schell immerhin jede Maske tragen und jede Rolle mit Leichtigkeit interpretieren konnte. Es ist daher eine große Freude, dass die Wahl-Schweizerin mit Weltstar-Status recht häufig in derartigen Krimi-Formaten zu sehen war, da die Kriminalfälle ihrerseits mit einer ganz seltenen Aura ausstaffiert werden. Dem Empfinden nach kann der Kurs somit in alle Richtungen führen, was hier allerdings strikt zugunsten schneller Schuldzuweisungen vermieden wird. Schell sorgt für Kontraste nach Art des Hauses, außerdem für Geheimnisse, Misstrauen oder pauschale Widerstände. In der Zwischenzeit verstummt sie als Haupt-Akteurin in einer undurchsichtigen Geschichte, die zunächst betont durchsichtig zu sein scheint, bis es zu ersten Paukenschlägen kommt, die die Kombinationsgabe und den Sachverstand von Kommissar Haferkamp erschüttern und die Intuition des Publikums gleich mit.

Es ist stets hoch interessant, wenn man das Gefühl nicht abwenden kann, dass bei einem bestimmten Fall irgend etwas nicht zu stimmen scheint. Es ist einem, als könne man es mit Namen nennen, doch der Schlüssel ist unauffindbar. Episode 52 ist genau auf diesem Prinzip aufgebaut und falls man sich den Titel dieser Folge ins Gedächtnis ruft, ist zu erahnen, dass möglicherweise Altlasten der Vergangenheit zu bewältigen sind, die im Nebel der Verschleierung nur noch nicht zu erkennen sind. Langsam ergeben sich Konturen, doch es scheint stets irgend einen Denkfehler oder Haken zu geben, was Haferkamp ins Stocken geraten lässt. In diesem Zusammenhang ist Hansjörg Felmys bereits routiniert wirkende Interpretation des Essener Polizeimanns zu erwähnen, die paradoxerweise erfrischend wirkt, weil sie monoton und unaufgeregt ist. Da Haferkamp vor Gericht empfindlich von Dr. Alexander vorgeführt wurde, er sich jedoch absolut sicher ist, dass seine Theorie der Wahrheit entspricht, kommt es zum Herausfordern seiner Eitelkeit als (Polizei)Mann. Bei seinen Kontrahenten handelt es sich um klassische Emporkömmlinge der sogenannten besseren Gesellschaft. Bei dieser Gelegenheit wird abermals klar, dass selbst das Verbrechen keine Klassenunterschiede kennt und es wimmelt manchmal nur so von Arroganz, Hochmut und Doppelzüngigkeit. Hier fällt insbesondere ein brillant agierender Romualt Pekny auf, der die Antipathie des Publikums mit seiner aalglatten und überheblichen Art geradezu einfordert, seine Integrität aber nicht infrage stellt. Naturgemäß hat Maria Schell als seine Mandantin an der Seite des Star-Anwalts zu verstummen, aber es kommt trotz verschiedener Zweifel und diverser Vorbehalte zu einer nahezu entrückten Performance. Hier zeigen sich die natürlichen Stärken einer Maria Schell, die stets das Potential besitzt, den Zuschauer mitzunehmen, denn selbst, wenn sie wie zu Beginn auf frischer Tat ertappt wird, möchte man einfach an ihre Unschuld glauben.

Vor Gericht herrscht ihrerseits das große Schweigen, da sie immerhin in der Lage ist, das üppige Salär für ihr Sprachrohr aufzubringen, und es wirkt im Fall Evelyn Stürznickel alias Maria Schell sehr beeindruckend, sie in emotional gedrosseltem Modus begleiten zu können, obwohl es eigentlich nur so aus ihr heraussprudeln müsste. Bei diesen Gelegenheiten beschäftigt sich die Kamera interessiert mit dem hier oft versteckten Gesicht und der versteinerten Miene von der in Trauer gehüllten Frau, von der man absolut sicher ist, dass sie der Schlüssel für des Rätsels Lösung sein muss. Doch auch hier gelingt es Wolfgang Becker immer wieder sehr nachhaltig, begründete Zweifel zu schüren, indem er auf die restlichen Personen dieser Scharade verweist. Hier sind neben den bereits erwähnten Personen Rolf Becker und Irina Wanka zu nennen, die den Zuschauer entweder mit halsbrecherischer Offensive oder unverständlicher Destruktivität reizen. Erwähnenswert ist des Weiteren noch der Kurzauftritt von Gustl Bayrhammer als Kommissar Veigl, der erneut wie ein Querverweis auf alternative Herangehensweisen im "Tatort"-Orbit wirkt. Am Ende wird sich eindrucksvoll herausstellen, dass die Regie den Wortlaut des Episoden-Namens geistreich multiplizieren konnte, und der Fall überzeugt aufgrund seines sorgsamen und vollkommen logischen Aufbaus. "Die Abrechnung" bietet zudem den Vorteil von packenden Szenen am Gericht, die den Fall sogar vorzeitig abschließen, ohne einen adäquaten Täter anzubieten. Hansjörg Felmy als ermittelnder Kommissar lässt sich mehr, beziehungsweise offensichtlicher als sonst aus der Reserve locken, was zusätzlich von seiner ständigen Wegbegleiterin und Ex-Frau Karin Eickelbaum befeuert wird, die wie immer für ausgleichende und reflektierende Momente sorgen kann. Wolfgang Becker ist mit dieser Episode ein Beitrag zur beliebten Serie gelungen, der vielleicht nicht als Klassiker in die TV-Geschichte eingegangen aber bestimmt als Volltreffer zu bezeichnen ist.

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

Jimmy Stewart hat geschrieben:
Sa., 20.02.2021 21:34
Die drei von dir erwähnten TATORTe habe ich gesehen - und die waren allesamt in ihrer doch recht unterschiedlichen Art um einiges besser als "Hetzjagd".

Morgen Abend wird übrigens der lang erwartete INCEL-TATORT 'Borowski und die Angst der weißen Männer' ausgestrahlt. Hoffentlich wird dieses toxisches Thema inszenatorisch besser umgesetzt.


https://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort ... 26a4299db4
https://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort ... d63c3a3efd

Trailer

Podcast: https://www.ardaudiothek.de/tatort-der- ... n/86955800

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

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Folge 1159: Borowski und die Angst der weißen Männer (2021)



Incels = involuntary celibate men (= unfreiwillig im Zölibat lebende Männer)



Meine Erwartungen an dieses ambitionierte Serien-Projekt wurden zwar nicht ganz zu meiner vollen Zufriedenheit erfüllt, aber immerhin fiel diese Episode im Vergleich zum unsäglichen Ludwigshafen-TATORT ('Hetzjagd') um Weiten besser aus.

Im Mittelpunkt des besagten Incel-TATORT standen weniger die weiblichen Opfer, sondern vielmehr der gefrustete Täter, wobei es aber auch dessen Charakter etwas an Tiefgang fehlte. Zunächst gefangen im Red Pill-Mythos (dieser besagt, seinen Anhängern den Schleier der Verblendung zu lüften und dadurch die Welt so zu erkennen, wie sie -vermeintlich- wirklich ist, nämlich "eine von Kulturmarxismus und Political Correctness beherrschte Dystopie, in der Frauen Männer durch ihre Sexualität kontrollieren und mit feministischen Superwaffen wie 'falschen Vergewaltigungsandrohungen' in Schach halten, und in der Männer so eingeschüchtert, verweichlicht und entmannt sind, dass sie nichts anderes tun, als jede erdenkliche Laune dieser kapriziösen Weiber zu erfüllen" oder einfacher ausgedrückt: "eine maskulinistische Verschwörungsideologie, die besagt, dass der weiße, heterosexuelle und cisgeschlechtliche Mann inzwischen der große Verlierer unserer Zeit ist, in der die Welt von Feminismus beherrscht wird, der wiederum eine jüdische Erfindung sei" - Zitate: Incels - Geschichte, Sprache und Ideologie eines online-Kults, S. 11 und S. 39), versucht der zu Beginn noch bemitleidenswürdige Protagonist eine Frau fürs Leben kennen zu lernen. Da er aber augenscheinlich nie gelernt hat, Frauen gleichberechtigt zu respektieren, gehen seine fremdschämenden Anmachversuche mächtig in die Hose, zumal diese auch noch von einem patriarchalen Selbstverständnis geprägt sind. Was folgt, ist das Gefühl einer narzisstischen Kränkung, infolgedessen er die daraus resultierte Frust in einer der zahlreichen Echokammern der misogynen Incel-Community online zu verarbeiten versucht. Doch anstatt Trost zu spenden, schüren diese verabscheuungswürdigen Online-Plattformen vorwiegend antifeministischen Hass, der obendrein mit rechtsextremen Ideologien verzahnt ist, denn gerade in den USA (das Ursprungsland des Incel-Movements) wurden die einschlägigen Communities recht schnell von der rechtsextremen und menschenverachtenden Alt-Right-Bewegung nicht nur unterwandert, sondern auch mit deren kompatiblen Ideologien geströmt (Beispielsweise die Verschwörungstheorie des 'großen Austauschs', die sich einwandfrei mit dem Red Pill-Mythos zu einem neuen großen Ganzen verweben ließ). Obendrein lässt die aktive Teilnahme in diesen misogynen Online-Communities nicht nur ein wohliges 'Wir-Gefühl' erstarken, sondern fördert auch zugleich eine unkontrollierbare Gruppendynamik zu Tage, die wiederum sehr viel Unheil in der realen Welt anrichten kann.


Der rechte Agitator dieser TATORT-Episode hört auf den Namen 'Hank Massmann' und wird von dem Schauspieler Arnd Klawitter verkörpert. Keine Ahnung warum, aber gleich bei seinem ersten Erscheinen hätte ich mir viel lieber Ulrich Matthes in dieser Rolle gewünscht, bei dem der verabscheuungswürdige Wahnsinn vermutlich noch um einiges intensiver gewirkt hätte. Die Szene, in der Massmann seinen recht Mob anfeuert, erinnerte mich unweigerlich an Richard B. Spencer und seine ekelhafte Alt-Right-Bewegung - aber entsprechend für Arme. Was den Machern wiederum ganz gut gelungen ist, ist das zügige Voranschreiten der Radikalisierung durch antifeministische, antisemitische und rassistische Ideologien, mit denen den meist mit Minderwertigkeitskomplexen behafteten Männern im Rahmen der Online-Communities sprichwörtlich 'der Kopf gewaschen wird'. Das Resultat ist meist eine toxische Männlichkeit, die in den letzten Jahren bereits mehrfach aus der Online-Welt ins reale Leben übergeschwappt ist (Beispiele: Die Attentate in Santa Barbara, Toronto, Utøya, Christchurch, Halle oder Hanau). Aus diesem Grund bauten die Macher auch einen kurzen Querverweis zum Attentat in Halle ein, nämlich die mit einem 3D-Drucker eigens hergestellte Tatwaffe des Protagonisten.


Im Großen und Ganzen ging diese TATORT-Folge für mich in Ordnung, obwohl ich es sowohl effektiver als auch passender gefunden hätte, wenn auch eine Frau im Rahmen der Filmproduktion beteiligt worden wäre. Was den Machern meines Erachtens -neben dem aufgezeigten Radikalisierungsprozess- ebenfalls recht gut gelungen ist, ist das Herausstellen der realen Terrorgefahr, die von dieser menschenverachtenden Bewegung ausgeht. Neben einer tiefer gehenden Auseinandersetzung mit den weiblichen Opfern hätte ich mir persönlich auch noch etwas mehr Hintergründe über die Incel-Ideologie gewünscht, denn angesichts des urplötzlich ertönenden Satzes 'Ich nehme (jetzt) die schwarze Pille' bezweifele ich sehr, dass der Ottonormalzuschauer in diesem Moment verstand, was dieser Satz für den unterdrückten Incel überhaupt bedeutete.





Weitere Infos zur Incel-Bewegung:

► Text zeigen




Mediathek: 'Borowski und die Angst der weißen Männer'
https://www.daserste.de/unterhaltung/kr ... r-100.html


https://www.zeit.de/kultur/film/2021-03 ... onsbericht
https://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort ... 2325294043


Axel Milberg zum Kieler Tatort: Frauenhass im Internet:
https://www.ndr.de/kultur/film/Tatort-A ... rg144.html

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Jimmy Stewart
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Jimmy Stewart »

Ich fand diesen TATORT "im Rahmen seiner Möglichkeiten" einigermaßen gelungen. Nur wirkte er letztendlich leider wieder mal wie ein halbgarer Erklärversuch an das Publikum - wie dieses wohl von der NDR Redaktion eingeschätzt wird. Etwas mehr Mut und weniger typisch TATORT'ige Drehbuch-Ideen wären m. E. allerdings angebracht gewesen.

Dieser "Incel" Heini, dessen auch per Social Media radikalisierte Ideologie ja wohl das eigentliche Thema dieses TATORTs sein sollte, wurde viel zu schwach charakterisiert - und der Überbau bzgl. "untergründiger Überfallkommandos" mit dem "offenen Ende" szgn. fingererhoben-dräuend herbei emotionalisiert.

Dass du, Richie, keinen Beitrag zum letzten Dortmund TATORT geschrieben hast, wundert mich nicht, da der ebenso wie dieser "Kieler", wenn nicht noch mehr, am seinem hohen Anspruch gescheitert ist.

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Prisma
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Prisma »




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● TATORT | FOLGE 08 | BLECHSCHADEN (D|1971)
mit Klaus Schwarzkopf, Wolf Roth und Walter Richter
Gäste: Ruth Maria Kubitschek, Friedrich Schütter, Volker Eckstein, Eva Astor, Herbert A. E. Böhme und Götz George
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des NDR
Regie: Wolfgang Petersen

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»10,000 kostet das Schweigen!«


Der Bauunternehmer Alwin Breuke (Friedrich Schütter) und seine Freundin Monica (Eva Astor) haben einen Wochenendausflug in Travemünde verbracht. Auf dem Weg zurück überfährt Breuke einen Radfahrer in einem unkonzentrierten Moment und begeht Fahrerflucht. Um den tödlichen Unfall zu verschleiern, fährt er mit seinem Wagen absichtlich gegen die Hauseinfahrt, doch seine Frau (Ruth Maria Kubitschek) beobachtet diesen Vorfall vom Fenster aus. Am nächsten Tag berichtet sie dem in der Firma ihres Mannes angestellten Ingenieur Joachim Seidel (Götz George), der auch ihr Liebhaber ist, von dieser seltsamen nächtlichen Beobachtung und man will die Gunst der Stunde nutzen, um die Ehe in lukrativer Art und Weise beenden zu können. Wenig später meldet sich ein Erpresser bei Alwin Breuke, der offensichtlich Bescheid über den Unfall weiß. In der Zwischenzeit treffen Kriminalhauptkommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) und sein neuer Assistent Jessner (Wolf Roth) ein und beginnen mit den Ermittlungen, doch schon bald sehen sie sich mit der nächsten Leiche konfrontiert...

Die achte "Tatort"-Folge "Blechschaden" beinhaltet zwei nennenswerte Premieren. Nicht nur ,dass diese Folge der erste Beitrag Wolfgang Petersens für die erfolgreich angelaufene Reihe war, sie führte auch die Figuren des Kriminalhauptkommissars Finke und dessen Assistenten Jessner ein. Bei der Erstausstrahlung am 13. Juni 1971 wurde mit einer Quote von etwa 60,0 % ein sehr guter Wert erzielt und die Episode offenbart trotz der überdurchschnittlichen Länge von über 100 Minuten kaum Längen. Petersens strukturierte Regie und die präzise gestaltete Figur des Kommissar Finke durch Klaus Schwarzkopf prägt diesen Fall in sehr nachhaltiger Weise, und es ist für den Zuschauer ein Leichtes, sich uneingeschränkt darauf einzulassen, denn von erwartungsgemäßen Startschwierigkeiten ist hier nichts zu merken. Der Kriminalfall behandelt ein bekanntes Hauptthema, das sehr sehenswerte Erweiterungen im Bereich mehrerer Nebenhandlungen erfährt und der klare Aufbau geht interessante Allianzen mit überraschenden Kehrtwendungen und nicht vorhersehbaren Ereignissen ein. Selbstverständlichkeiten innerhalb einer Kriminalgeschichte, sollte man meinen, doch schon oft wurde der Zuschauer insbesondere in laufenden Serien eines schlechteren belehrt. Thematisiert wird das uralte Thema Seitensprung eines gut situierten Herren, der Gefahr läuft, seine besten Jahre demnächst gesehen zu haben. Sein attraktiver Jungbrunnen stellt so gut wie alles dar, was seine eigene Ehefrau längst nicht mehr herzugeben weiß und durch die latente Angst entlarvt zu werden, kommt es zu einer tödlichen Sekunde der Unachtsamkeit, was die Basis für diesen intelligent konstruierten Verlauf darstellt. Das Opfer des Verkehrsunfalls wird zugunsten der Diskretion und gesellschaftlichen Reputation einfach auf offener Straße liegen gelassen und es bäumt sich eine gute Portion Tragik auf, da sich kurze Zeit später herausstellt, dass der junge Mann bei adäquater Hilfe nicht hätte sterben müssen.

Interessant ist erneut das weitere Vorgehen des Täters, der trotz Zuständen von Hektik und Angst dennoch auf Verschleierungstaktiken kommt, und diese auch auszuführen weiß. Wie das Leben und der Film es jedoch wollen, kann es das perfekte Verbrechen, oder jenes, das durch unterlassene Hilfeleistung dazu werden wird, einfach nicht geben, da hier stumme Zeugen und kleine Erpresser im Hintergrund lauern. Die Riege der Gastdarsteller ist in "Blechschaden" als durchaus prominent zu beschreiben, vor allem da hier Götz George in einer der Episoden-Hauptrollen zu sehen ist, der zehn Jahre später selbst zum beliebten "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski avancieren sollte. Als Ingenieur Seidel, eine Art Provinz-Casanova, ist der gebürtige Berliner in einer seiner überzeugendsten Rollen-Profile zu sehen, das man ihm zu jeder Zeit abnimmt. Sein Pokerspiel mit zu hohen Einsätzen bringt einige Personen aus seinem Umfeld in arge Bedrängnis, sodass er schnell als einer derjenigen identifiziert wird, der möglicherweise Opfer werden, oder Täter sein könnte. Eine hervorragende Präzisionsleistung liefert wie zu erwarten Ruth Maria Kubitschek, die ebenfalls das zu absolvieren hatte, was insbesondere in Kriminalserien oder derartigen Frauenrollen von ihr verlangt wurde. Die brüskierte Ehefrau, die ihrem Mann ihre komplette Tatkraft jahrelang zur Verfügung gestellt und dementsprechend nur zurückgesteckt hat, steht aufgrund eines jüngeren Modells plötzlich vor den Scherben ihrer Ehe. Hier gibt es den Zusatz, dass sie selbst einen Liebhaber hat, der die Kuh allerdings auch nur solange melken will, wie es sich für ihn lohnt. Kubitschek wendet erneut ihre schauspielerischen Waffen in Form sparsamer Regungen und stumpf wirkender Emotionen an und sie zeichnet das lückenlose Bild einer Frau, die mittlerweile vielleicht schon zu allem bereit wäre, nur um ihre selbst konstruierten Luftschlösser aufrecht zu erhalten.

Weitere ansprechende Darbietungen zeigen Friedrich Schütter, der zusehends nervösere, beziehungsweise manische Tendenzen annimmt, weil sich die Schlinge immer weiter zuzieht, oder Eva Astor als amouröser Zeitvertreib sowie Volker Eckstein, der als Halbstarker mit reaktionärem Gehabe negativ bei der Polizei auffällt. Das Gespann Klaus Schwarzkopf und Wolf Roth wirkt zunächst ungleich, sodass man zunächst eher von einem Arrangement ausgehen darf. Der Kommissar stutzt seinen teils über-ambitionierten Kollegen gerne zurecht und degradiert ihn offen zu einem Untergebenen, der Wasserträger-Arbeiten übernehmen muss. Dennoch lässt sich eine gute Zusammenarbeit herausfiltern und letztlich ist ein Duo zu begleiten, dass zu den vielleicht besten und greifbarsten der frühen Phase gehört. Wolfgang Petersen bietet mit "Blechschaden" eine gut ausgearbeitete Kettenreaktion an, die sich zum Ende hin vielleicht als etwas vorhersehbar herausstellt, aber viele Finessen im Bereich der Kriminalhandlung und der Charakterzeichnungen aufzeigt. Da der Fall mit nackten, respektive toten Tatsachen beginnt, ist der Zuschauer über alles orientiert und wird zum Komplizen gemacht. Im späteren Verlauf mündet die Geschichte in nebulöse Konturen, in denen sich die Personen nicht mehr auf einem Silbertablett servieren, was Kommissar Finkes eigentlich ruhige Herangehensweise forciert. Ohnehin ist es interessant dabei zuzusehen, wie er eben aufgrund seiner einfach wirkenden Methoden von seinem jeweiligen Gegenüber unterschätzt wird. Petersens erste von sechs Arbeiten innerhalb der "Tatort"-Reihe überzeugt wegen der inszenatorischen Sicherheit, der optimalen Verstrickung der Handlungsstränge und nicht zuletzt im Bereich der Schauspieler-Führung. Weniger Effekte, aber dafür originelle Kniffe, beispielsweise mit der Kamera, sorgen für Tempo und eine solide Grundspannung, sodass man diesem achten Fall bestimmt nicht nur als Fan der Serie etwas abgewinnen kann.

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

Jimmy Stewart hat geschrieben:
Fr., 12.03.2021 22:17
Richie Pistilli hat geschrieben:
Fr., 12.03.2021 20:53
Folge 1159: Borowski und die Angst der weißen Männer (2021)
Ich fand diesen TATORT "im Rahmen seiner Möglichkeiten" einigermaßen gelungen. Nur wirkte er letztendlich leider wieder mal wie ein halbgarer Erklärversuch an das Publikum - wie dieses wohl von der NDR Redaktion eingeschätzt wird. Etwas mehr Mut und weniger typisch TATORT'ige Drehbuch-Ideen wären m. E. allerdings angebracht gewesen.

Zumindest ist es in den Machern gelungen, diese abstoßende Thematik der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, denn in der letzten Woche hatte ich das Gefühl, vermehrt über das Thema der INCELS lesen zu können. Dabei bin ich auch zufällig über einen (weiteren) aktuellen Podcast von Frau Kracher gestolpert:


'Sprache hat immer die Funktion, Ideologie zu vermitteln' - Veronika Kracher über 'Incels'
https://www.hr2.de/programm/doppelkopf/ ... f-524.html



Jimmy Stewart hat geschrieben:
Fr., 12.03.2021 22:17
Dieser "Incel" Heini, dessen auch per Social Media radikalisierte Ideologie ja wohl das eigentliche Thema dieses TATORTs sein sollte, wurde viel zu schwach charakterisiert - und der Überbau bzgl. "untergründiger Überfallkommandos" mit dem "offenen Ende" szgn. fingererhoben-dräuend herbei emotionalisiert.

Diesbezüglich hätte ich mir auch ein wenig mehr erhofft, denn beispielsweise das Suhlen im Selbstmitleid, die oftmals entstehenden Suizid-Fantasien, das verzerrte Selbstbild, das Thema Looksmaxing, der Selbsthass oder das gegenseitige Aufhetzen kamen meines Erachtens etwas unzureichend zur Geltung.


Jimmy Stewart hat geschrieben:
Fr., 12.03.2021 22:17
Dass du, Richie, keinen Beitrag zum letzten Dortmund TATORT geschrieben hast, wundert mich nicht, da der ebenso wie dieser "Kieler", wenn nicht noch mehr, am seinem hohen Anspruch gescheitert ist.

War an dem Abend nicht so ganz auf der Höhe gewesen, so dass mich der letzte Dortmund-TATORT etwas verwirrte. Zudem kam mir die Folge stellenweise etwas surreal vor. Um etwas Vernünftiges über die Folge schreiben zu können, müsste ich mir diese erst noch einmal in Ruhe anschauen. Aber ansonsten gebe ich Dir recht, denn meine Erinnerung deckt sich mit Deinem Fazit.



Als Entschädigung für die mittelprächtigen TATORT-Folgen der letzten Wochen (oder sogar Monate) gibt es heute Abend ein Freudenfest, denn Bukow und König stehen endlich wieder auf der Matte. Dabei klingt nicht nur die Handlung vielversprechend, sondern es scheint uns auch noch eine größere Überraschung zu erwarten. Freue mich schon riesig!


Polizeiruf 110: Sabine [Rostock] (2021)


https://www.spiegel.de/kultur/tv/polize ... bf7457da83

Trailer: https://www.ardmediathek.de/one/video/t ... ThkODI1MQ/


:hallo1:
Zuletzt geändert von Richie Pistilli am So., 14.03.2021 08:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Maulwurf
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Maulwurf »

Nicht der aktuelle Borowski sondern ein älterer, der aber gar nicht schlecht war ...

Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe (Hüseyin Tabak, 2020) 6/10

Ein Tag wie jeder andere im Leben der Polizisten in Ausbildung: Fahrtraining mit Blaulicht im fließenden Verkehr, eine Menge Spaß, ein geduldiger Ausbilder. Dann ein Notruf, Einsatz: Eine junge Frau steht auf dem Dach eines Hochhauses. Die jungen Polizisten scheinen die Situation unter Kontrolle zu bekommen, dann kommt der zweite Streifenwagen dazu, die junge Nasrin, ebenfalls in Ausbildung stürmt aufs Dach, sieht die junge Frau, die junge Frau sieht sie – und springt …
Ein Tag wie jeder andere im Leben der Polizisten in Ausbildung: Heute steht ein Rollenspiel auf dem Lehrplan. Verhörsituation am Tatort ist das Thema. Nasrin ist die Polizistin, ihr Kollege Sandro der Ehemann einer aufgefundenen Toten. Doch Sandro nutzt die Chance zur Eskalation, nimmt Nasrin als Geisel und hält ihr einen Schraubenzieher an den Hals. Nasrin dreht sich um, schlägt Sandro nieder, und sticht wie eine Irre mit dem Schraubenzieher auf ihn ein. Bevor die anwesenden Ausbilder eingreifen können ist Sandro tot. Kommissar Borowski und seine Kollegin Sahin versuchen herauszubekommen, was da eigentlich passiert ist.

Prinzipiell ist dieser TATORT erstmal ein Mix aus verschiedensten Genreformaten. EIN MANN SIEHT ROT ist da genauso dabei wie beliebige Maurizio Merli-Filme, in denen der Polizist das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. INFERNO – DIE HÖLLE habe ich ebenfalls bemerkt, und was ich auch gesehen habe ist einiges an deutscher Fernsehgemütlichkeit. Klar, nicht jeder TATORT kann ein Tschiller oder ein Schimanski sein, aber manche Szenen kratzen schon arg an der Betulichkeit. Schade, denn eigentlich ist FLUCH DER WEISSEN MÖWE eine interessante Geschichte um Vergewaltigung und Rache, die vor allem eine Frage aufwirft: Warum wird jemand Polizist? Die Frage wurde zwar nicht gestellt, aber sie steht im Raum: Warum wurde Nasrin, die vor x Jahren Zeugin einer Vergewaltigung wurde, Polizistin? Und warum wurden Tobias und Leroy Polizisten, die jetzt das Gesetz in die eigene Hand nehmen?

Trotzdem, dieser TATORT ist spannend und flüssig erzählt, er hat ein paar echte Highlights (der Boxkampf im Verhörraum, die Momente, wenn Nasrin von den Erinnerungen überflutet wird), und er ist in sich stimmig. Vor allem wird die Geschichte nicht zu früh von der Leine gelassen, der Mitrate-Effekt ist recht hoch. Und wenn die Schauspieler jetzt noch lernen würden, nicht so grauenhaft zu nuscheln, dann wäre das alles eigentlich angenehme Fernsehunterhaltung auf vernünftigem Niveau. Nichts zum Unwohlfühlen, nichts zum Philosophieren, aber auch nichts zum langweilen. Passt …

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Jimmy Stewart
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Jimmy Stewart »

Richie Pistilli hat geschrieben:
So., 14.03.2021 01:46
Jimmy Stewart hat geschrieben:
Fr., 12.03.2021 22:17
Dass du, Richie, keinen Beitrag zum letzten Dortmund TATORT geschrieben hast . . .

War an dem Abend nicht so ganz auf der Höhe gewesen, so dass mich der letzte Dortmund-TATORT etwas verwirrte.
Ich muss zugeben, dass ich den letzten "Dortmunder" auch "etwas müdchen" erst in der Wiederholung gesehen habe. Er konnte mich jedenfalls nicht so ganz überzeugen.

Richie Pistilli hat geschrieben:
So., 14.03.2021 01:46
Entschädigung für die mittelprächtigen TATORT-Folgen der letzten Wochen (oder sogar Monate) gibt es heute Abend ein Freudenfest, denn Bukow und König stehen endlich wieder auf der Matte. Freue mich schon riesig!
Mein lieber Scholli - da muss sich der TATORT aber mal ganz weit hinten anstellen! Dieser POLIZEIRUF 110 war m. E. mit der beste TV-Krimi, der seit langer Zeit über den Bildschirm flimmerte. Nicht nur der Kriminalfall an sich, der eigentlich eine "simple Rachestory" erzählte, war so emotional authentisch dargestellt - Luise Heyer als "Sabine" war der absolute Hammer! -, dass es einen knochenschüttelte. Vor allem hat mich aber die Annäherung zwischen König und Buckow überzeugt, die von den beiden tollen Schauspielern Sarnau und Hübner nahezu "kraftaktig" dargestellt wurde. Dabei wirkte nichts aufgesetzt oder herbeigeschrieben - ganz ganz toll!

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

Polizeiruf 110: Sabine [Rostock] (2021)

Jimmy Stewart hat geschrieben:
Di., 16.03.2021 17:10
Mein lieber Scholli - da muss sich der TATORT aber mal ganz weit hinten anstellen! Dieser POLIZEIRUF 110 war m. E. mit der beste TV-Krimi, der seit langer Zeit über den Bildschirm flimmerte. Nicht nur der Kriminalfall an sich, der eigentlich eine "simple Rachestory" erzählte, war so emotional authentisch dargestellt - Luise Heyer als "Sabine" war der absolute Hammer! -, dass es einen knochenschüttelte. Vor allem hat mich aber die Annäherung zwischen König und Buckow überzeugt, die von den beiden tollen Schauspielern Sarnau und Hübner nahezu "kraftaktig" dargestellt wurde. Dabei wirkte nichts aufgesetzt oder herbeigeschrieben - ganz ganz toll!

Dieser grandiose Klassismus-POLIZEIRUF aus Rostock entpuppte sich nicht nur von seiner brandaktuellen Handlung als ein wahres Filmfest, sondern gerade auch das erstklassige Zusammenspiel zwischen König & Bukow trugen maßgeblich dazu bei. Absolut bombastisch!

Muss auch gestehen, dass mir gegen Ende 'kurzzeitig' ganz anders wurde, wobei mich aber die erlösende Strandszene schnell wieder aufatmen ließ. Die nächste Folge wird übrigens im Herbst ausgestrahlt.


Im Endeffekt war dieser POLIZEIRUF für mich der 'wahre' Corona-Tatort, denn die gezeigten Auswirkungen des Klassismus sind meines Erachtens genau die Punkte, die im Rahmen der Corona-Pandemie hinsichtlich der Gewinner und Verlierer viel kritischer beäugt werden müssten. Aber Dank der ganzen querdenkenden Knallfröschen, die den ganzen Raum für notwendige Diskussionen mit ihren antidemokratischen und verschwörungsideologischen Krawall einnehmen, findet diese Thematik in der breiten Öffentlichkeit weiterhin zu wenig Aufmerksamkeit. Demos gegen gesellschaftszersetzenden Klassismus wären schon seit längerem angesagt, aber leider trollen sich noch zu viele Egoisten auf dieser Bühne (macht endlich Platz, damit die relevanten Probleme unserer Gesellschaft angegangen werden können!). Wie war das noch einmal mit 'Cui bono?'



Mediathek: 'Polizeiruf 110 - Sabine'
https://www.daserste.de/unterhaltung/kr ... o-102.html

https://www.zeit.de/kultur/film/2021-03 ... onsbericht
https://www.spiegel.de/kultur/tv/polize ... 1727ee63a2

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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Jimmy Stewart »

Ja klar, der "Nebenstrang" um die Werftarbeiter, die plötzlich vor dem Nichts stehen, was die Börse freut - Hammerschlag des Kindes ins TV-Gerät am Schluss des Films! -, ist auch grandios erzählt. Der Gewerkschaftler, der zwischen den Stühlen steht und die Wut der Arbeiter abbekommt, eine tolle 'Randfigur' in diesem vielschichtigen Krimidrama.

Als "Sabine" zu ihrer letzten Rache ansetzte wurde der Gewerkschaftler zwischengeschnitten und man hätte so annehmen können, dass sie diesen erschießen würde.
► Text zeigen
Ein echer "Umhauer"-Krimi!

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Und um nochmal auf die "Privatgeschichten" der Ermittler zurückzukommen, kann man diesem Rostocker "P 110" erneut nur dazu gratulieren, dass diese im Gegensatz zu vielen anderen "Event-Krimis" wirklich Relevanz haben. Die Abschiedsparty für Buckow sr. (inklu Unterweltgrößen) mit Rio Reiser- Karaoke, die bereits erwähnte Annäherung zwischen König und Buckow oder das Auftauchen seiner Schwester (Hübners Ehefrau Lina Beckmann), war alles absolut stimmig inszeniert.

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

Passend zum Osterfest in der Mediathek:

Richie Pistilli hat geschrieben:
Di., 03.11.2020 18:16
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TATORT Hamburg - Folge 942 Frohe Ostern, Falke (2015)


"Wir färben Euch rot!"


https://www.ardmediathek.de/video/tator ... E0MzQ0Njk/

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

Beitrag von Richie Pistilli »

Tatort Saarbrücken - Folge 1162: Der Herr des Waldes (2021)



Nachdem bereits die Eröffnungsfolge des neuen saarländischen Ermittlerduos 'Schürk und Hölzer' überzeugen konnte, entpuppte sich die zweite Folge 'Der Herr des Waldes' für mich als ein wahres Fest. Obwohl die Handlung stellenweise etwas 'too much' wirkt, gestaltet sich deren Verlauf durchweg düster und spannend. Der Subplot, der bereits in der ersten Folge seinen Anfang nahm, wurde tadellos in die Haupthandlung integriert, so dass das Ganze weiterhin sehr stimmig wirkt. Von den beteiligten Schauspieler*innen konnte mich Kai Wiesinger mit seiner wahnsinnigen Performance zweifelsfrei am meisten überzeugen. Einziges Manko: Die beiden weiblichen Ermittlerinnen wirken weiterhin wie schmückendes Beiwerk.

Fazit: Bleibt zu hoffen, dass die Saarbrücker-TATORTE auch zukünftig ihre Qualität beibehalten können.



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Die ersten beiden Folgen der neuen Saarbrücker-Ermittler-Duos in der Mediathek:

01) Das fleißige Lieschen: https://www.ardmediathek.de/video/tator ... c3ZDdkZWY/
02) Der Herr des Waldes: https://www.ardmediathek.de/video/tator ... U5YThkODc/




Ebenfalls in der Mediathek verfügbar: Die allererste TATORT-Folge aus Saarbrücken
Richie Pistilli hat geschrieben:
Di., 03.11.2020 17:53


Folge 002: SAARBRÜCKEN, AN EINEM MONTAG (1970)


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https://www.ardmediathek.de/video/tator ... RfOTYzNTA/

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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

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● FOLGE 48: TATORT - ALS GESTOHLEN GEMELDET (D|1975)
mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur und Walter Richter
als Gäste: Gisela Uhlen, Susanne Uhlen, Felix Franchy, Beate Hasenau, Ralf Wolter, Harry Kalenberg, Uli Steigberg, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des BR
Regie: Wilm ten Haaf

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»Ist denn das ein Ernstfall?«


Am Münchner Stadtrand wird ein Schwerverletzter in einem Straßengraben gefunden. Es handelt sich um den KFZ-Meister Otto Jirisch (Felix Franchy), der wenig später ins Koma fällt. Da von ihm keine Angaben zu erwarten sind, ermittelt Oberinspektor Veigl (Gustl Bayrhammer) zunächst in alle Richtungen, bis eine konkrete Spur in die Autowerkstatt führt, in der das Opfer zuletzt tätig war. Die Inhaberin des Betriebes, eine verwitwete Frau Stumm (Gisela Uhlen), reagiert sehr bestürzt, doch es scheint, als habe sie auch etwas zu verbergen. Veigl nimmt das Geschäft genauer unter die Lupe, bis sich eine ungewöhnlich hohe Häufung von Diebstählen zuvor im Autohaus gekaufter Autos feststellen lässt. Eigenartig dabei erscheint, dass man stets für schnellen Ersatz sorgen konnte...

Ein Tatort wie viele andere - oder doch nur ein Fundort? Eine Geschichte wie sie schon häufig dagewesen ist, und Charaktere wie man sie zu Genüge kennengelernt hat. All dies bildet zunächst die losen Eckpfeiler dieses 48. Falls der "Tatort"-Reihe, der unter der geregelten Leitung von Wilm ten Haaf einiges zu bieten haben wird. Das Opfer eines Mordanschlags liegt im Koma, und wenn man sich das Gesetz der Serie vor Augen hält, dürfte es sich wohl nur noch um eine Frage der Zeit handeln, bis die Polizei Ermittlungen in einem Mordfall durchzuführen hat. Klar gestrickte Spuren führen den Zuschauer zu einer unscheinbaren Autowerkstatt, die von einer noch unscheinbarer wirkenden Dame geführt wird. Ermittlungstechnisch bekommt man in "Als gestohlen gemeldet" sehr klassische Eindrücke einschlägig bekannter Kriminalformate geboten und zunächst will es so wirken, als scheine sich alles ein wenig zu glatt abzuspielen, doch spätestens wenn das Duo Gisela und Susanne Uhlen erstmals die Bühne betritt, erwartet man förmlich vorprogrammierte Reibungsflächen, die sich vor allem in einer eigenartig angespannten Interaktion der beiden herauskristallisieren. Da kein Geringerer als Gustl Bayrhammer die Ermittlungen führt, ist mit einer sehr urigen Art der Polizeiarbeit zu rechnen, in der zwischen anscheinender Taktlosigkeit über Bissigkeit bis hin zu subtilem Humor alles zu finden ist. Die Befragungen liefern gleichzeitig die Profile der einzelnen Personen, sodass sich kleinere Überraschungen beziehungsweise Abgründe auftun dürfen. Unterm Strich bleibt dieser Fall jedoch merklich demonstrativ auf der sicheren Habenseite, ohne sich spektakuläre Kapriolen zu leisten. Unter normalen Umständen und ausschließlicher Betrachtung der thematischen Gegebenheiten würde sich dieser Eindruck aufrecht erhalten lassen, doch man hat die Rechnung definitiv ohne die besonderen Einsätze von Gisela und Susanne Uhlen gemacht, die beide sehr provokante Register zeichnen dürfen.

Die Basis für das gute Funktionieren dieser nicht uninteressanten Geschichte besteht aus verwirrenden Elementen und nebulös erscheinenden Personen, außerdem einer nahezu passiv und überaus unbestimmt wirkenden Aggression. Regisseur ten Haaf arbeitet schließlich ein breit angelegtes Misstrauensvotum gegenüber allen Beteiligten dieser im Endeffekt sehr ruhig und mit klarem Aufbau versehenen Geschichte aus, das bis zum Ende Rätsel aufgibt, obwohl einige der Verdächtigen noch einknicken werden. Liaisons dangereuses liegen wie ein alles vereinnahmender Schleier über dem Geschehen, immerhin wurde das Opfer der Geschichte im Rahmen der Ermittlungsarbeit hinlänglich vorgestellt. Folge 48 der beliebten Kriminalserie gestattet Gisela Uhlen nochmals eine große Bühne, auf der sie alle erforderlichen Finessen ihres breiten Repertoires zeigen darf, wenngleich Diskretion und Zurückhaltung einer Geschäftsfrau im Vordergrund stehen, die ihren verstorbenen Mann zu stehen hat. Der Verlauf skizziert des Weiteren die Tiefen eines Mutter-Tochter-Verhältnisses, mit dem es offensichtlich nicht zum Besten steht. Susanne Uhlen präsentiert sich in diesem Zusammenhang lasziv und provokant; ihre Mutter ist permanent damit beschäftigt, die angeschossenen Torpedos des Teenagers zu entschärfen. Insolenz und Provokation wirken sich negativ auf die laufenden Geschäfte aus und bringen die Inhaberin der Autowerkstatt ins Gerede, doch es kommt zu keinem Clash unter vier Augen, da Frau Mama ebenfalls ausgiebig, wenn auch wesentlich diskreter mit dem Feuer gespielt hat. Wenn aus Mutter und Tochter erbitterte Rivalinnen werden, ist eine größere oder kleinere Katastrophe so gut wie vorprogrammiert. Obwohl es selten Andeutungen in diese Richtung gibt, scheint ein Eklat unausweichlich zu sein, da ein Mann als skrupelloser Marionettenspieler im Hintergrund agiert. Das facettenreiche Spiel der beiden Uhlens wertet die Folge in jeder Einstellung auf und es ist hoch interessant sie gemeinsam vor der Kamera zu sehen; eine Möglichkeit, die leider so gut wie nie in Anspruch genommen wurde.

Darstellerisch funktioniert dieser 48. "Tatort"-Fall auch fernab des Zusammenspiels der weiblichen Aufhänger der Episode. Felix Franchy zeichnet dabei zunächst das Opfer, welches bereits in der ersten Szene so gut wie tot ist, jedoch wird der Herr mit seinen egoistischen Ambitionen noch hinreichend in Rückblenden vorgestellt. Um sich beruflich und vor allem finanziell zu verbessern, erscheint ihm jedes Mittel zum Zweck recht zu sein. Wem er damit schadet ist nebensächlich. Dem Publikum wird bei der Vorstellung des im Normalfall zu bemitleidenden Opfers schnell klar, dass es scharenweise Motive geben dürfte, um den unbequemen Werkstatt-Playboy zu beseitigen, allerdings bleibt der Fall aufgrund zahlreicher unkooperativer Personen lange Zeit undurchsichtig genug, um für eine solide Form der Anspannung zu sorgen. Der zugegeben recht kleine Kreis der Verdächtigen wird durch eine wie so oft vulgär und aufdringlich wirkende Beate Hasenau und einen in seiner betonten Aufdringlichkeit auffallenden Ralf Wolter abgerundet, der zweifellos seine interessantesten Auftritte abseits seines obligatorischen Klamauk-Fachs lieferte. Wenn sich der schnörkellos aufgebaute Fall schließlich zu ordnen beginnt und erste handfeste Indizien auf dem Tisch liegen, festigt sich der Eindruck einer klug konstruierten Geschichte der erfolgreichen Reihe, die zeitweise vielleicht etwas zu herkömmlich und reibungslos wirkt, aber gleichzeitig sehr genau in die gemütliche Ermittlerwelt eines Kriminaloberinspektor Veigl passen will, der hier bereits seinen fünften Fall zu lösen hat. Bei seiner Erstausstrahlung erreichte "Als gestohlen gemeldet" übrigens einen beachtenswerten Marktanteil von 67 %. Wilm ten Haaf ist es insgesamt sehr anschaulich gelungen, kriminelle Aktivitäten im gut bürgerlichen Milieu zu zeichnen und dabei ein wenig in zwischenmenschliche Abgründe zu leuchten, die weniger einer Märchenwelt als der manchmal bitteren Realität entliehen sind. Unterm Strich sollte man diese solide und greifbare Veranstaltung vielleicht auch nicht zuletzt wegen des besonderen Zusammenspiels von Gisela und Susanne Uhlen gesehen haben.

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Richie Pistilli
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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

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Dokumentation:


Polizeiruf 110 - die Krimidokumentation [MDR] 2021
https://www.ardmediathek.de/video/dokus ... E2NDE4ZTg/

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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

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● FOLGE 56: TATORT - TREFFPUNKT FRIEDHOF (D|1975)
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge und Karin Eickelbaum
als Gäste: Krista Keller, Matthias Fuchs, Karl-Maria Schley, Ingrid Capelle, Peter Oehme, Marie-Luise Marjan, Erna Sellmer, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des WDR
Regie: Wolfgang Becker

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»Was hab ich denn mit der Polizei zu tun?«


Robert Geffken (Matthias Fuchs) bricht in die Villa des vermögenden Fabrikanten Zangemeister (Peter Oehme) ein. Dabei kommt es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall. Als der bewaffnete Einbrecher auf den Hausbesitzer wartet, wird er von dessen Haushälterin (Erna Sellmer) überrascht, die ihn in ein Gespräch verwickelt, doch anschließend ungewollt getötet wird. Dennoch wartet Geffken auf Zangemeister, um ihm seine Forderung zu unterbreiten: falls er ihm die verlangte Summe von 450.000 DM nicht bezahlt, würde die Familie des Fabrikanten dafür büßen müssen. Zangemeister verständigt daraufhin die Polizei und Hauptkommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) beginnt mit den Ermittlungen in diesem seltsamen Fall. Als er das Umfeld des Erpressten durchleuchtet, führt ihn sein Weg zu einem Mann namens Schassler (Karl Maria Schley), dem Chefkonstrukteur in Zangemeisters Firma. Da sich Schassler einst um genau die gleiche Summe durch seinen Chef betrogen fühlte, scheint der Fall klar zu sein...

Auf den ersten Blick behandelt dieser sechste Fall von Oberkommissar Haferkamp ein anscheinend herkömmliches, bereits dutzendfach dagewesenes Verbrechen, das hier tragischerweise in einem tödlichen Versehen gipfelt. Diese schnell gewonnenen Eindrücke verwerfen sich allerdings schon im ersten Drittel dieser von Routinier Wolfgang Becker inszenierten Folge, denn es kommen Zusammenhänge zum Vorschein, die anscheinend viel zu zügig präsentiert wurden. Erpressung und Mord weichen schließlich den Themen Hass und Terror, was diese Folge mit dem nahezu verheißungsvollen Titel "Treffpunkt Friedhof" noch in einem Duell der Extraklasse gipfeln lässt. Spätestens wenn dem Publikum erstmals das unbändige Epizentrum dieser feinschichtigen Episode in persona von Krista Keller präsentiert wird, sollte klar werden, dass hier alles Mögliche außer normalen Spielregeln zu finden sein dürfte. Interessant ist die von Becker gewählte Doppelstrategie, die diesem Verlauf noch den Hauch eines kleinen Psycho-Thrillers mit ungewissem Ausgang verleihen wird, wofür wie erwähnt die richtige Frau mit von der Partie und ausnahmslos verantwortlich ist: Krista Keller. Obwohl dramaturgisch gesehen scheinbar mit vollkommen offenen Karten gespielt wird, windet sich eine schleichende Hysterie und von Keller selbst erfundene Art der Unberechenbarkeit durch die Geschichte, was hier im Endeffekt den besonderen Reiz ausmacht. Es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass die bekannte Bühnenschauspielerin ihre häufig so rücksichtslos wirkende Dominanz ausspielt, um jede ihrer ausgewählten Zielobjekte mit dem Rücken an die Wand zu stellen. Aus einem isoliert ausgeheckten Plan wird im Rahmen einer inszenatorischen Doppelstrategie ein sich verselbstständigender Schleudersitz, da der Initiator die Rechnung ohne seine Wirtin gemacht hat.

Viele Kriminalfilme konnten im Lauf der Jahre aufweisen, dass es trotz aller Planung und diverser günstiger Voraussetzungen schwierig werden sollte, in den Radius des perfekten Verbrechens zu gelangen. Wolfgang Beckers Geschichte läuft in diesem Zusammenhang zwar alles andere als rund, nimmt dann aber Konturen an, die dem Erpresser ziemlich leicht in die Karten spielen, wobei man sich absolut im Klaren darüber sein sollte, dass dies noch nicht alles gewesen sein kann. Am Ende stehen hier tatsächlich immer Krista Kellers unüberwindbar wirkende Widerstände und das Kalkül einer Frau, deren gedankliche Labyrinthe stets zu einem Punkt zulaufen zu scheinen und einer Einbahnstraße in einem undurchsichtigen Tunnel gleichen. Keller versetzt sich tief in ihre Figur der Ellen Schassler hinein und wirkt nach einer kurzen gemäßigten Phase wie der größte Aggressor der Geschichte, wobei ihr Handeln zwar kühl kalkuliert, aber dennoch nicht rational zu sein scheint. Eine von Hansjörg Felmy geführte Folge erfährt naturgemäß eine große Portion Sachlichkeit, wobei er unbändigem Temperament oft etwas ratlos gegenüber zu stehen scheint. Allerdings wecken derartige Hürden und Anwandlungen nicht greifbarer Personen zusätzlich seinen Instinkt und eine erhöhte Wachsamkeit. Der Fall scheint irgendwie reif für den Abschluss zu sein, weil er im Vorfeld genau in eine bestimmte Richtung gedrängt wurde, doch diese Erhebungen reichen dem misstrauisch wirkenden Polizeimann in der Regel nicht aus. Sehr interessante Farbtupfer entstehen im Zusammenspiel mit Karin Eickelbaum, deren Beziehung zu ihm nur auf Basis einer eigenartigen Unverbindlichkeit zu funktionieren scheint, die offenbar nur entstehen konnte, weil es eine Trennung zuließ. Beim gemeinsamen Tête-à-Tête berät man darüber, wie Licht ins Dunkel dieses nicht alltäglichen Falls gebracht werden kann.

Dabei entsteht eine der nettesten Sequenzen der Folge, als beide gemeinsam in einer Bar als verdeckte Ermittler agieren und dabei so tun, als ob sie sich nicht kennen würden. Im Endeffekt werden Haferkamps Erfolgsaussichten jedoch immer wieder durch die Unberechenbarkeit von Krista Kellers abenteuerlichem Roulette gestört, welches zielsicher darauf angelegt ist, ausschließlich ohne Rücksicht auf Verluste funktionieren zu können; den eigenen eingeschlossen. Gerade wenn Frauen hassen werden häufig bestehende Prinzipien oder Gesetze ausgehebelt, und dank Ellens Kamikaze-Aktionen darf man sich auf eine besondere Art des Showdowns gefasst machen, der erfreulicherweise durch dramaturgische und inszenatorische Brillanz für Aufsehen sorgt. Figuren wie Matthias Fuchs als Robert Geffken, der bis zuletzt glaubte, die Katze und nicht die Maus in diesem unerbittlichen Spiel zu sein, wachen irgendwann in Ellens eigens geplantem Alptraum auf, der im Nebel der Verheißung zwar deutliche Richtungsweisungen zulässt, aber unterm Strich nicht greifbar ist. Für Krista Keller scheinen derartige Aufgaben und Darstellungen von lebenden Toten wie eine leichte Fingerübung zu sein. Erneut polarisiert sie mit Ansichten und Taten jenseits der Verständlichkeit, wobei ihre darstellerische Kompetenz in keiner Sekunde zur Debatte steht. Eine großartige Performance zwischen Genie und Wahnsinn. "Treffpunkt Friedhof" vermittelt mithilfe von Wolfgang Beckers intelligenter Regie konträre, sich selbst revidierende Eindrücke und Kehrtwendungen, die zu einem positiven Gesamteindruck verhelfen. Hinzu kommt eine Form der hemmungslosen Destruktivität, die für "Tatort"-Verhältnisse vielleicht nicht gerade an der Tagesordnung gewesen sind. So verlässt sich die Regie unterm Strich nicht nur auf die eigenen Fähigkeiten, sondern gleichzeitig auf die seiner Hauptdarsteller, bei denen es so aussieht, als ob sie oft selbst nicht genau wissen, was als Nächstes zu erwarten ist.

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Re: TATORT & POLIZEIRUF 110 - Deutschtümelei in Serie

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● FOLGE 19: TATORT - STRANDGUT (D|1972)
mit Klaus Schwarzkopf, Wolf Roth, Fritz Hollenbeck, Volker Bogdan, Georg Eilert und Klaus Höhne
Gäste: Ingeborg Schöner, Wolfgang Kieling, Heidy Bohlen, Rolf Zacher, Dieter Kirchlechner, Ulrich Matschoss, Reent Reins, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem O.R.F | eine Sendung des NDR
Regie: Wolfgang Petersen

»Arbeit ist nie schön!«


Auf Sylt betreiben die Brüder Helmut und Karli Possky (Dieter Kirchlechner und Rolf Zacher) ein sehr lukratives Geschäft, indem sie solvente Herren in ihrem Urlaub erpressen. Zu diesem Zweck setzen sie die beiden attraktiven Damen Christa (Heidy Bohlen) und Manuela (Ingeborg Schöner) auf lohnende Objekte an, um in eindeutigen Situationen kompromittierende Fotos zu schießen. Als sich Christa mit dem angehenden Staatssekretär Warrlau (Ulrich Matschoss) einlässt, sich aber in ihn verliebt, beschließt sie, sehr zum Unmut der beiden Brüder aus dem Geschäft auszusteigen, zumal Manuela sich mit dem selben Gedanken trägt, da sie mittlerweile mit dem Arzt Dr. Kühne (Wolfgang Kieling) liiert ist. In der Zwischenzeit reist Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) mit seinem Assistenten Jessner (Wolf Roth) nach Sylt, um die Erpressungsserie aufzudecken. Als nach einem Discobesuch auch noch die Leiche von Christa am Strand angespült wird, beißen sie bei den ohnehin schon schwierigen Befragungen endgültig auf Granit...

Wolfgang Petersen inszenierte in den Jahren 1971 bis 1977 sechs "Tatort"-Fälle, die mir seinem Klassiker "Reifezeugnis" ihren Abschluss fanden. Der Kommissar-Finke-Fall "Strandgut" war bereits der zweite Beitrag des Emdener Regisseurs und kann zunächst mit dem herrlichen Schauplatz Sylt auftrumpfen, der in dieser neunzehnten Episode nicht nur für Nötigung und Erpressung, sondern auch für Mord dienen wird. Der Einstieg wird mit der klassisch gefärbten und trügerisch-einladenden Musik von Nils Sustrate geebnet, man sieht den Tatort Strand und die Wellen des Meeres, die verheißungsvoll das repräsentieren, was in diesem teilweise kraftvollen Verlauf alles noch zutage gebracht werden soll. Das Thema wird schnell durch zwei vermeintliche Voyeure eingeleitet, die sich in den Dünen verbergen, um eine pikante Situation im Bilde festzuhalten, die allerdings selbst von ihnen konstruiert wurde. Die Bildgewalt entsteht nicht nur durch das besondere Setting, sondern vor allem durch die atemberaubende Heidy Bohlen, die wie so oft ohne Textilien auszukommen hatte, um ihre Strandgüter präsentieren zu können. Petersen gelingt es trotz der Zurschaustellung dieser Angelegenheit blendend, eine gewisse Intimität und Ruhe zu vermitteln. Hinzu kommt, dass in dieser dennoch überaus exponierten Situation nahezu spürbare Eindrücke zu greifen beginnen, die für Atmosphäre sorgen. Man hört den Wind rauschen, glaubt ihn beinahe spüren zu können, und diese charakteristische Geräuschkulisse wird lediglich durch die beiden Fotografen gestört, die hin und wieder fluchen, wenn ihr Lockvogel das Bild verdeckt. Die Kamera gewährt insgesamt eine bemerkenswerte Nähe, vor allem im Zusammenhang mit Heidy Bohlen. Der Dialog mit ihrem wesentlich älteren Liebhaber diktiert eine nervöse Marschroute, die von Besorgnis und Angst durchzogen ist und bereits nach kürzester Zeit ahnt man nichts Gutes.

In der Anfangsphase wird man daher Zeuge eines recht straffen Tempos, bis es zu den Nachforschungen durch Kommissar Finke und seinen Assistenten Jessner kommt. Die Inszenierung erlaubt sich den Luxus der breit gefächerten Ermittlungsarbeit, die auch den Löwenanteil dieser Folge mit überdurchschnittlicher Länge ausmachen wird. Es ist daher nicht zu leugnen, dass sich gewisse ruhigere Phasen in diesem bewusst detaillierten Verlauf breit machen, der phasenweise etwas zu behäbig im Erzählfluss wirkt, jedoch die Aufmerksamkeit mit gelungenen Ergebnissen und Kehrtwendungen immer wieder forcieren kann. Hierzu trägt zunächst weniger der Kriminalfall, als der Kreis der Schauspieler bei, der durch die Bank mit dynamischen Leistungen überzeugen kann. Klaus Schwarzkopf als Kommissar vermittelt eine Ruhe und Besonnenheit, die in wichtigen Situationen allerdings auch dominante Formen annehmen kann. Wolf Roth als seine rechte Hand wirkt wie das eigentliche Pendant zu ihm, als welches er sich vermutlich mit viel diplomatischen Verstand an die Bedürfnisse seines Chefs angepasst hat. Da beide diese Episode so gut wie tragen werden, ist es als Glücksfall zu bezeichnen, dass dieses Duo so gut miteinander harmoniert und schließlich auch unter allen Umständen funktioniert, denn die darstellerischen Leistungen offerieren Finessen und Fingerspitzengefühl. Als weiteres erwähnenswertes Gespann verfolgt man Rolf Zacher und Dieter Kirchlechner mit kritischem Auge, denn beide geben den schmierigen Kleinkriminellen mit der lukrativen Geschäftsidee die passenden Gesichter. Wolfgang Kieling und Klaus Höhne erfreuen ebenfalls mit Interpretationen des gehobeneren Niveaus und überhaupt stellt "Strandgut" einen der frühen Besetzungsknüller der laufenden Serie dar. Die heimlichen Stars der Episode nehmen schlussendlich durch Ingeborg Schöner und Heidy Bohlen Gestalt an, und man sieht Charaktere, die das Schicksal von Tätern und Opfern zugleich teilen.

Die beiden Frauen und attraktiven Zugpferde für Erpressung wollen endgültig aussteigen. Allerdings stellt sich in Windeseile heraus, dass es leichtere Vorhaben gibt. Ingeborg Schöner konnte man vor allem innerhalb dieses Zeitfensters in für sie alternativ angelegten und tiefgründigeren Rollen sehen, was ihre schauspielerischen Fähigkeiten in einem beeindruckenden Licht erscheinen lässt. Heidy Bohlen beobachtet man hingegen sehr interessiert in einer ihrer obligatorischen Rollen, doch auch bei ihr sind deutliche Unterschiede zu vernehmen. Als sie am Strand angespült wird, entstehen ganz bemerkenswerte, beziehungsweise dem Empfinden nach authentische Szenen, da die Wellen die Bewegungen ihres leblosen Körpers choreografieren. Zweifellos sieht man eine von Bohlens bestechendsten Leistungen in ihrer leider so übersichtlichen Filmografie. Das anfängliche Gaunerspiel weicht somit zugunsten der Frage, ob es sich um Mord gehandelt hat oder nicht, und es entstehen interessante Verstrickungen, bei denen man die unterschiedlichsten Personen kennenlernt. Kommissar Finke und Jessner haben ab sofort alle Hände voll zu tun, daher teilt man sich die Arbeit für ein synchrones Ablaufen der Ermittlungen auf. Die unterschiedlichen Richtungen transportieren ein breites Spektrum und die vielen Möglichkeiten der verschiedenen Plot-Fragmente werden in ein überzeugendes Finale münden. Diese späte Twist-an-Twist-Strategie kann sicherlich als etwas zu konstruiert bezeichnet werden, allerdings gibt es auch Überraschungsmomente, die nachhaltig in Erinnerung bleiben, nicht zuletzt aufgrund eines verwirrenden Elements. Insgesamt stellt Wolfgang Petersens "Tatort"-Beitrag einen elegant und sicher inszenierten Kriminalfall mit Weitsicht und Raffinesse dar, der unterhaltend, überraschend und tragisch zugleich wirkt. Die herrliche Kulisse lässt zusätzlich eine bedeutende Atmosphäre entstehen, sodass sich bei diesem Fall abschließend nur sagen lässt, dass er einen kleinen Geheimtipp darstellt.

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