OXFORD MURDERS - Àlex de la Inglesia

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Maulwurf
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OXFORD MURDERS - Àlex de la Inglesia

Beitrag von Maulwurf »

Oxford Murders
The Oxford murders
Frankreich/Großbritannien/Spanien 2008
Regie: Álex de la Inglesia
Elijah Wood, John Hurt, Leonor Watling, Julie Cox, Jim Carter, Alex Cox, Burn Gorman, Dominique Pinon, Anna Massey, Danny Sapani, Alan David, Tim Wallers


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OFDB

Der amerikanische Student Martin reist nach Oxford, um sein Idol, den Philosophieprofessor Seldon zu treffen. Stattdessen trifft er auf eine Leiche, und muss gemeinsam mit dem zynischen und verbitterten Seldon einen Serienmörder stoppen, der seine Morde (fast) perfekt tarnt, und sie in einer altgriechischen Symbolabfolge chiffriert.

Dass es so etwas heutzutage überhaupt noch gibt! Ein Krimi, der sich nicht in Atemlosigkeit und Schießereien erschöpft, sondern seine Zuschauer fordern will. Ihnen Denkarbeit und Aufmerksamkeit abfordert, und sie im Gegenzug mit einer Kaskade an Philosophie und Mathematik überhäuft. Keine Buddy-Action-lustig-Komödie nach Reißbrett, sondern ein richtiger Krimi zum Mitraten. Mit vielen hell- und dunkelroten Heringen, und mit Verzierungen an Stellen, wo, nach heutigem Verständnis, eher ein Erklärbär für die Zusammenfassung der letzten 20 Minuten stehen müsste. Stattdessen dreht und windet sich die Handlung wie ein mittelalterliches Ornament, mit Schnörkeln, Arabesken und Blättern, und jede Ausschmückung offenbart ein neues Detail europäischer Philosophie, jede Arabeske einen winzig-rasanten Einblick in die Geschichte von Mathematik und Logik. Folgerichtig hat es in diesem wortreichen Whodunit, dessen Auflösung in bester Agatha Christie-Tradition als Wortgefecht daherkommt, auch eine herzallerliebste, wenn auch gut versteckte, Reminiszenz an IM NAMEN DER ROSE. Wie passend für einen Krimi, der zwar in der Neuzeit spielt, sich aber inmitten der klassischen und geschichtsbewussten Mauern von Oxford entfaltet und tatsächlich ebenso bis zurück zu den alten Griechen reicht.

OXFORD MURDERS ist ein Film in der allerbesten europäischen Giallo-Tradition: Ein artifizielles Verwirrspiel um einen Mörder, eine wunderschöne nackte Frau, Philosophie, Mathematik und Logik als ständig vexierende Basis einer Handlung, die wie ein Irrlicht von Ort zu Ort springt, und dabei ein ungemeines Wohlgefühl auslöst. Allein dieses Ende, die tatsächliche Auflösung, und diese unglaubliche Schlusseinstellung – Dinge, die US-amerikanische Regisseure nicht einmal hinbekommen würden, wenn man sie dazu zwänge …

Wer Gialli mag sollte hier unbedingt einmal zugreifen, und wer intelligente(!) Krimis mag, die ihre Zuschauer ernstnehmen und sie intellektuell fordern, für den ist OXFORD MURDERS ein Muss.

8/10

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