DER SCHWEIGENDE STERN - Kurt Maetzig

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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DER SCHWEIGENDE STERN - Kurt Maetzig

Beitrag von Prisma »




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● DER SCHWEIGENDE STERN / RAUMSCHIFF VENUS ANTWORTET NICHT / MILCZACA GWIADZDA (|DDR|PL|1960)
mit Yōko Tani, Oldřich Lukeš, Michail N. Postnikow, Ignacy Machowski, Kurt Rackelmann, Julius Ongewe, Günther Simon,
Tang Hua-Ta, Ruth-Maria Kubitschek, Eva-Maria Hagen, Lucyna Winnicka, Eduard von Winterstein, Werner Senftleben, u.a.
eine Produktion der DEFA | Film Polski | im Constantin Filmverleih
nach dem Roman "Planet des Todes" von Stanislaw Lem
ein Film von Kurt Maetzig

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»Ist das nicht wieder so ein Untertassen-Märchen?«


Im Jahr 1908 wurde in der Wüste Gobi eine seltsame Spule entdeckt, deren Inhalt erst Jahrzehnte später als Nachricht entschlüsselt werden konnte. Nun, bereits im Jahr 1970 angekommen, soll ein bemanntes Raumschiff den Planeten erforschen, von dem die mysteriöse Nachricht stammt. Die japanische Ärztin Sumiko (Yōko Tani) unternimmt mit einer internationalen Besatzung von sieben weiteren Wissenschaftlern eine Expedition durch die Galaxie, um den Zielplaneten Venus zu erforschen. Wird man dort Lebensformen finden? Auf dem beschwerlichen Flug dechiffriert der amerikanische Atomphysiker Hawling (Oldřich Lukeš) die gespeicherte Nachricht, und man muss mit Entsetzen feststellen, dass es sich um eine unmissverständliche Kriegserklärung gegen die Erde handelt. Was die Expedition schließlich auf der Venus vorfindet, übersteigt die Vorstellungskraft der Raumschiff-Besatzung. Werden Sumiko und ihre Kollegen die Erde jemals wieder sehen..?

Dieser Science-Fiction-Beitrag des Berliner Regisseurs Kurt Maetzigs stellt im Vorfeld vielleicht eine Art Expedition ins Ungewisse dar, zumal man anhand des recht frühen Produktionsjahres keine großen Wunder erwarten möchte. Auch ein Blick auf die beteiligten Produktionsländer ruft ein wenig Skepsis hervor, da man nicht die ganz großen technischen Spielereien erwartet. Zufriedenstellend wäre daher schon eine halbwegs überzeugende Inszenierung zwischen Ambition und unfreiwilliger Komik gewesen. Nach wenigen Minuten Spielzeit stellt sich allerdings heraus, dass die Inszenierung gerade für Anfang der 60er Jahre erstaunlich aufwändig und dicht wirkt, auch die Ausstattung erscheint alles andere als spartanisch oder plump zu sein, sodass man bei dem zeitlichen Rahmen und dessen Möglichkeiten von einem unerwarteten Überraschungs-Coup sprechen darf, auf den es sich einzulassen lohnt. Auf der beschwerlich-gefährlichen Reise zur Venus glaubt man schließlich Untertöne mit fadem Beigeschmack aufzuspüren, da potentielles Leben im All als unbedingt als feindselig charakterisiert wird, was sich im Verlauf jedoch als Schlüssel für die tiefsinnige Intention dieser doppelbödigen Geschichte herausstellen wird. Das Leitmotiv der unermesslichen Gefahr durch nukleare Zerstörung wirkt ihrer weit Zeit voraus und weitsichtig, außerdem bringen subtile Elemente der Abhandlung mehrere Hinweise auf den Kernwaffeneinsatz in Hiroshima zur Sprache, und eine damit verbundene, ernüchternde Geschichte im Bereich der Nebenhandlung, was äußerst glaubhaft über die Projektionsfläche Yōko Tani geschieht.

Es ist interessant zu sehen, dass man für den imaginären Flug zur Venus lediglich zehn Jahre weiter dachte. Ob nach der Landung des ersten unbemannten Flugkörpers auf dem Mond wirklich ernsthaft in Betracht gezogen wurde, dass die Forschung und die damit verbundenen Möglichkeiten derartig rapide Schritte erleben würden? Jedenfalls ist Maetzigs Film damit ein charakteristisches Kind des Zeitgeistes geworden. Was im Rahmen der Geschichte wirklich überzeugend und denkwürdig zugleich erscheint, ist, dass man selbst auf einem fremden Planeten mit massiven Ängsten konfrontiert wird, die ihren Ursprung auf der Erde haben, was im Klartext heißt, dass die Handlung gar nicht so wie von einem anderen Stern wirkt, wie zunächst angenommen. Im darstellerischen Bereich kommt es zu angenehmen Zeichnungen, vor allem die zierliche Yōko Tani weiß zu überzeugen. Die Tricks und die Ideen sind für damalige Verhältnisse ansprechend umgesetzt worden, wobei man natürlich fast immer die liebevoll arrangierten Spielzeuglandschaften als solche erkennen kann. Aber das Gesamtbild wirkt schlussendlich charmant und hat mehr zu bieten, als ein ominöses Untertassen-Märchen. Die wissenschaftlichen Erklärungen klingen glaubhaft, die scharfkantige Musik erzeugt immer wieder Spannung und man verspürt keine signifikanten Aussetzer. Insgesamt empfiehlt sich "Der schweigende Stern" als global denkender Film, der nicht nur ausschließlich an einer Unterhaltungsleistung interessiert ist und die latente Gefahr nicht primär irgendwo im Universum lauern sieht, sondern diese vor allem auf der Erde lokalisiert. Ein gelungener Überraschungsbeitrag.

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Count Yorga
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Re: DER SCHWEIGENDE STERN - Kurt Maetzig

Beitrag von Count Yorga »

Illustrierte Film-Bühne (mir dem Alternativtitel):
Venus.jpg
:hut:

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Prisma
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Re: DER SCHWEIGENDE STERN - Kurt Maetzig

Beitrag von Prisma »



Eine sehr gute Auswahl des Motivs, das neugierig auf den Film machen kann.
Mir hat "Der schweigende Stern" sehr gut gefallen, denn er war wesentlich besser inszeniert, als ich im Vorfeld gedacht habe.

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